Ursula Poznanski: Erebos [Rezension]

Cover Ursula Poznanski Erebos
Cover © Loewe Verlag

In einer Londoner Schule wird ein Computerspiel herumgereicht – Erebos. Wer es startet, kommt nicht mehr davon los. Dabei sind die Regeln äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance. Er darf mit niemandem darüber reden und muss immer allein spielen. Und wer gegen die Regeln verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann Erebos auch nicht mehr starten.
Erebos lässt Fiktion und Wirklichkeit auf irritierende Weise verschwimmen: Die Aufgaben, die das Spiel stellt, müssen in der realen Welt ausgeführt werden.
Auch Nick ist süchtig nach Erebos – bis es ihm befiehlt, einen Menschen umzubringen … 
(Inhaltsangabe © Loewe Verlag)

Es ist schon sehr lange her, dass ich „Erebos“ zum ersten Mal gelesen habe – der Beginn meiner Leidenschaft für die Jugendbücher von Ursula Poznanski. Auch ihre Thriller für Erwachsene lese ich sehr gern. Als ich auf der Leipziger Buchmesse erfuhr, dass es einen zweiten Band geben sollte, war für mich klar, dass es hier vorher ein Re-Read geben musste. Wieder einmal las ich „Erebos“ in nur wenigen Stunden, die Faszination war sofort wieder da und ich fand es so spannend wie beim ersten Mal! Nun gibt es endlich auch eine Rezension im Tintenhain – damals hatte ich noch gar keinen Blog.

Tritt ein.
Oder kehr um.
Dies ist Erebos.

Nick Dunore ist sechzehn, spielt im Basketballteam der Schule und ist beliebt. Umso mehr wurmt es ihn, als er feststellt, dass etwas im Gange ist. Colin kommt nicht mehr zum Training und ist kaum noch ansprechbar. In den Pausen wird getuschelt und selbst die unbeliebten „Häkelschwestern“ Alex und Dan sind dabei. Nick setzt alles daran, um herauszufinden, was in dem kleinen quadratischen Päckchen ist, das heimlich weitergegeben wird und über das niemand mit ihm sprechen mag.

„Willkommen, Nick. Willkommen in der Welt von Erebos. Bevor du zu spielen beginnst, mache dich mit den Regeln vertraut. Wenn sie dir nicht gefallen, kannst du das Spiel jederzeit beenden.“*

Als er die ersehnte DVD endlich in den Händen hält, stellt Nick fest, dass es sich um ein Computer-Rollenspiel handelt. Die Grafik ist täuschend echt und Nick ist begeistert, wie intuitiv sich das Spiel spielen lässt. „Erebos“ scheint ihn zu kennen und reagiert fast menschlich. Auch scheint das Spiel Nicks Wünsche zu kennen. Nick ist fasziniert und vergisst alles um sich herum. Nichts ist mehr so wichtig, wie die Kämpfe, die anderen Spieler*innen und das Vorankommen in der Welt von „Erebos“. Als Nick das erste Mal aufgefordert wird, einen Auftrag in der realen Welt für das Spiel zu erledigen, wird er stutzig. Aber er hat nur diese eine Chance. Doch die Aufgaben häufen sich und werden gefährlicher und auch die anderen Schüler*innen verhalten sich immer merkwürdiger. Bis Nick erkennt, dass etwas geschehen muss, um „Erebos“ Einhalt zu gebieten.

Gleich von Beginn an wird es spannend, auch wenn man aufgrund des Klappentextes schon weiß, worum es sich bei dem geheimnisvollen Päckchen handelt. Die Spannung hält sich dann auch durch das ganze Buch hindurch, wobei der Fokus unterschiedlich gesetzt ist. Anfangs begleitet man Nick vorrangig durch das Computerspiel, das ein Fantasy-Rollenspiel ist. Rollenspieler und Gamer kennen die Faszination, die vom Erstellen eines Charakters und dem anschließenden Erforschen fremder Welten ausgeht. Ich fühlte mich sowohl an stundenlanges Pen-and-Paper als auch an das süchtigmachende Spielen von MMORPGs erinnert und hatte richtig Spaß daran, Nick bzw. seinen Dunkelelfen-Charakter Sarius zu begleiten. Noch lieber aber wäre ich an seiner Stelle gewesen. So wie Ursula Poznanski das Spiel beschreibt, kann man absolut nachvollziehen, warum es eine solche Sogwirkung auf die Jugendlichen ausübt und enorm hohes Suchtpotenzial hat.

Die Regeln:
Du hast nur eine Chance, Erebos zu spielen. Wenn du sie vertust, ist es vorbei. Wenn deine Figur stirbt, ist es vorbei. Wenn du gegen die Regeln verstößt, ist es vorbei.
Wenn du spielst, achte darauf, allein zu sein. Erwähne niemals im Spiel deinen richtigen Namen. Erwähne niemals außerhalb des Spiels den Namen deines Spielcharakters.
Der Inhalt des Spiels ist geheim. Sprich mit keinem darüber. Verbreite keine Informationen in deinem Freundeskreis oder deiner Familie. Verbreite keine Informationen im Internet.*

Richtig spannend aber wird es, als klar wird, dass Erebos eine Mission hat und Nick mit Unterstützung von Emily und ihren Freunden herausfinden müssen, worum es bei „Erebos“ wirklich geht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und hält den Leser in atemloser Spannung. Die Seiten fliegen nur so dahin und man möchte nur noch wissen, wie es ausgehen wird und natürlich auch, was dahinter steckt.

Erzählt wird aus der Perspektive von Nick, einige wenige Male unterbrochen von einem kurzem „Gedankenauszug“ von Erebos. Die Spielwelt ist sehr anschaulich beschrieben, aber auch die Szenen außerhalb des Spiels sind bildhaft und lebendig. Nick ist ein echt sympathischer Typ, der im Umgang mit seinen Mitmenschen sehr reif und reflektiert auftritt. Die kleine, zarte Liebesgeschichte hat mir ungeheuer gut gefallen, weil sie so unaufdringlich charmant fast wie nebenbei eingeflochten daher kommt. „Erebos“ ist einfach ein spannend erzählter, gut durchdachter und schlüssig aufgelöster Thriller mit Herz, und hat deshalb wohl immer einen festen Platz in meinem Leserherzen.

Erebos 1 und 2 Neuausgabe
Cover © Loewe Verlag

Wie realistisch eine solche Technologie ist, kann ich nicht einschätzen. Vielleicht ist sie inzwischen aber realistischer als noch vor 9 Jahren. Die Forschung und Entwicklung geht ja durchaus dahin. Umso mehr bin ich aber gespannt auf die Fortsetzung „Erebos 2“, die im August erscheinen soll. Die erste Auflage wird sogar eine limitierte Sonderedition sein. Passend dazu gibt es im Juni auch „Erebos“ noch einmal in einer schönen Hardcoverausgabe.

© Tintenhain

*Zitate aus Ursula Poznanski: Erebos, Loewe Verlag, 2011


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Einzelband
Taschenbuch: 488 Seiten
Verlag: Loewe (6. Juni 2011)
ISBN-10: 3785573618
ISBN-13: 978-3785573617
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Preis: € 9,95 [D]
gekauft
Cover Ursula Poznanski Erebos
Cover © Loewe Verlag

8 Kommentare

  1. Ich stimme dir total zu! Ich würde (fast) alles geben, um dieses Spiel auszuprobieren. Auch wenn ich deswegen nicht zur Mörderin werden möchte.

  2. Hallo und guten Tag,

    eine, tolle Geschichte, die heute aktueller denn je ist……denn diese Spielesucht ist schon enorm …gerade in der heutigen Zeit…..bin mal gespannt wie sie Ursula Poznanski weiterspinnt….

    LG..Karin..

  3. Ich freue mich schon sehr auf „Erebos 2“. Es ist lange her, seit ich tatsächlich wegen eines Buchs richtig gehyped war (zuletzt bei „Harry Potter und das verwunschene Kind“).
    Das Buch wirkte doch recht abgeschlossen, daher bin ich auch sehr neugierig, worum es gehen wird.

  4. Hi Mona,

    vielen Dank erstmal fürs verlinken! 😉
    Ich bin auch schon am überlegen, ob ich es nochmal lesen soll, mal schauen. Bis August ist ja noch ein bisschen Zeit.
    Von den Infos zur Fortsetzung erfährt man ja noch nicht wirklich viel, ob es mit den Figuren hieraus weitergeht oder ob ganz andere Charaktere auftauchen werden. Ich freu mich jedenfalls dass es weitergeht und bin echt gespannt. Was mittlerweile alles möglich ist – technisch – ist ja nicht aufzuhalten und ich bin neugierig, was sie hier in der Richtung spannendes eingebaut hat ^^

    Ich wünsch dir und deiner Familie schöne Osterfeiertage!
    Liebste Grüße, Aleshanee

  5. Hallo Mona,

    ich bin nicht ganz so begeistert, dass ein zweiter Teil von „Erebos“ erscheint. Einfach, weil ich es nicht mag, wenn aus einem Einzelband plötzlich eine Reihe wird. Ich weiß, absolut kleinlich von mir. 😛 Jedenfalls haben mich deine Worte stark an das damalige Lese-Erlebnis erinnert. Ich war absolut fasziniert von der Story und komme natürlich am zweiten Band nicht vorbei.

    Liebe Grüße,
    Nicole

  6. Huhu!
    Ich habe den Beitrag nur überflogen, weil ich immer so wenig wie möglich über ein Buch wissen möchte, bevor ich es lese. 🙂
    Erebos hatte ich bisher nicht wirklich auf dem Schirm, wurde aber vom Verlag für den 2. Teil angefragt und umso neugieriger bin ich nun nach deinem Fazit.
    Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die Geschichte, alleine, weil es um ein Computerspiel geht (habe auch den Klappentext überflogen bzw. gar nicht gelesen, nur den ersten Satz).

    Liebe Grüße,
    Nicci

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