Romy Fölck: Totenweg (1) [Rezension]

Cover (c) Bastei Lübbe

Eine junge Polizistin. Ein Kriminalhauptkommissar kurz vor der Pensionierung. Nichts verbindet sie – außer dem nie aufgeklärten Mord an einem jungen Mädchen. Für ihn ist es ein Cold Case, der ihn bis heute nicht loslässt. Für sie: ein Albtraum ihrer Kindheit. Denn sie fand damals die Leiche und verbirgt seither ein furchtbares Geheimnis. Achtzehn Jahre hat sie geschwiegen – bis ein weiteres Verbrechen geschieht und die Vergangenheit sie einholt… (Klappentext)

Nach längerer Zeit im Streifendienst lässt sich die junge Polizistin Frida an der Hamburger Polizeiakademie zur Kriminalpolizistin ausbilden. Auch heute noch hängt ihr ein Fall nach, der ihre Kindheit mit 13 Jahren schlagartig beendete: Ihre beste Freundin Marit wurde in einem Stall am sogenannten Totenweg ermordet aufgefunden. Die Ereignisse von damals werden wieder aufgewühlt als Frida in ihr Heimatdorf in der Elbmarsch gerufen wird. Ihr Vater wurde hinterrücks niedergeschlagen und liegt seitdem im Koma. Missmutig fährt Frida in die alte Heimat und übernimmt widerstrebend die Leitung des Apfelhofs, der offensichtlich kurz vor dem Bankrott steht. Alles hier erinnert sie an Marit und die gemeinsame Kindheit und schneller als sie glaubt, holt sie die Vergangenheit wieder ein.
Auch Kriminalhauptkommissar Haverkorn, der mit der Untersuchung des Angriffs auf Fridas Vater betraut ist, ist nicht zum ersten Mal in dem kleinen Apfeldorf in der Elbmarsch. Hier hatte er seinen ersten großen Fall als Leiter einer Mordkommission und er war daran gescheitert. Der Mörder der jungen Marit wurde nie gefunden.

Romy Fölck, die mit „Totenweg“ eine neue Krimi-Reihe startet, nimmt sich zunächst Zeit, die Charaktere zu entfalten und miteinander ins Spiel zu bringen. Auch der frühere Fall um das ermordete Mädchen vor 18 Jahren spielt in der Erinnerung von Frida und Haverkorn in Form kürzerer Rückblenden zunächst eine größere Rolle. So gewinnt der Krimi nur langsam an Fahrt, baut jedoch bereits von Anfang an eine düstere, beklemmende Atmosphäre auf, die einen kaum mehr loslässt.

Mit der jungen Polizistin Frida und dem Kriminalkommissar, der kurz vor der Berentung steht, kreiert Romy Fölck ein gegensätzliches Ermittlerpaar, mit der ungewöhnlichen Konstellation, dass die deutlich jüngere Frida früher als Zeugin von Haverkorn in einem Mordfall befragt wurde. Nun werden sie langsam zu einem Team. Das heißt für Frida auch, dass sie nun endlich den Mund aufmachen muss, denn nicht zu Unrecht hatte Haverkorn schon immer den Verdacht gehabt, dass das Mädchen damals mehr gewusst haben muss.

Der Krimi ist geprägt von einer ungemütlichen, trüben Stimmung. Die windgepeitschte, flache Landschaft mit den alten Apfelhöfen wird bildhaft in Szene gesetzt. Das von harter Arbeit geprägte Leben der Apfelbauern und der Saisonarbeiter auf dem Lande wird lebendig gezeichnet und von dem raubeinigen, kühlen Umgangston miteinander untermalt. Doch Romy Fölck zeigt auch, dass hinter der rauen Schale oft ein weicher Kern steckt und das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl einen großen Stellenwert hat. Hier kann man sich aufeinander verlassen, wenn es hart auf hart kommt.
Die Polizeiarbeit und ihre Strukturen machen einen gut recherchierten Eindruck. Allein, dass die Handelnden in wichtigen Augenblicken grundsätzlich ihr Handy verlegt haben, ist zunehmend unglaubwürdig, auch wenn es der Spannung zuträglich ist.

„Totenweg“ ist ein lohnenswerter Krimi mit Tiefgang, der mich zunehmend fesseln konnte. Vor allem die interessanten und vielschichtigen Charaktere haben mir es angetan und es ist auch nicht zu brutal oder blutig. Auf eine Fortsetzung der Reihe bin ich auf jeden Fall gespannt.

© Tintenhain

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Die Reihe
1. Totenweg
2. Bluthaus

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Romy Fölck: Totenweg (1)

Reihe Band 1
Gebundene Ausgabe: 380 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (23. Februar 2018)
ISBN-10: 3785726228
ISBN-13: 978-3785726228
Preis: 20,00 € (D)
Rezensionsexemplar

Cover (c) Bastei Lübbe

9 Kommentare

  1. Liebe Mona,

    du hast eine informative Rezension geschrieben, die alles umfasst, was den Krimi besonders und ausmacht. Während des Lesens musste ich wegen der unblutigen Szenerien an dich denken ;-). Ich werde den nächsten Teil sicher ebenfalls lesen.

    Wie gut dass du mich besucht hast. Als ich deinen Kommentar las habe ich gedacht, warum bekomme ich eigentlich keine Benachrichtigungen mehr von dir? Aus welchen Gründen auch immer, hatte ich deinen Blog nicht mehr abonniert, staun. Ich mag diese Abonnements, denn sie erinnern mich an die zahlreichen Blogs, die ich gern lese.

    Viele liebe Grüße

    Anja

    PS: Habe deine Rezi natürlich noch schnell verlinkt.

  2. Liebe Mona,
    das ist eine Superrezension und ich danke dir für die Verlinkung zu meiner Besprechung. Das mit den verlegten Handys ist mir gar nicht aufgefallen. g
    Liebe Grüße, Heike

  3. Huhu!

    Sehr schöne Rezension! Das Buch ist mir vor ein paar Monaten ins Auge gesprungen, als es noch als Taschenbuch angekündigt war, ich hoffe, der Preis des Hardcovers schreckt jetzt nicht zu viele ab.

    Das mit dem Handy ist mir in letzter Zeit auch öfter aufgefallen! Wenn sie das Handy nicht zuhause vergessen, fallen lassen oder verlieren, ist der Akku leer… Ich weiß gar nicht mehr, in welchem Krimi das war, aber da setzte der Ermittler dem Ganzen die Krone auf: er fand heraus, wo der Täter war und fuhr hin, um ihn zu stellen (alleine, ohne Verstärkung anzufordern oder jemandem Bescheid zu sagen), redete eine Weile mit dem Täter, dann fiel ihm sein Handy runter – und er bückte sich vor dem Täter danach und gab dem damit die Gelegenheit, ihn niederzuschlagen, so dass das Buch noch um ein paar Seiten unnötiger Jagd gestreckt werden konnte…

    LG,
    Mikka

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