Romy Fölck: Die Regenschwimmerin [Rezension]

Judith fährt spontan von Hamburg nach Schweden, zurück zum Sehnsuchtsort ihrer Kindheit, auf eine Insel bei Stockholm. Ihr Mann hat sie nach fast zwanzig Jahren Ehe verlassen. Sie hofft, in dem kleinen roten Gästehaus zur Ruhe zu kommen und ihr Leben neu zu ordnen. Doch die vertraute Umgebung weckt nicht nur Nostalgie, sondern auch schmerzhafte Erinnerungen an ihre einst beste Freundin, deren Freundschaft in einer verhängnisvollen Nacht des Krebsfestes jäh zerbrach
Doch auch Evi ist auf die Insel zurückgekehrt. Die mittlerweile bekannte Künstlerin kämpft mit einer Taubheit in ihren Händen, ein Umstand, der ihre Existenz bedroht. Als Judith und Evi sich wiedersehen, brechen alte Wunden auf.
Immer dann, wenn der Regen auf das Wasser prasselt, zieht Marga ihre Bahnen. Die alte Dame schwimmt bei Wind und Wetter, angetrieben von einem schweren Schicksalsschlag, der sie lehrte, dass Aufgeben keine Option ist. Sie erzählt Judith und Evi von ihrem Traum: Sie möchte noch einmal in ihrem Leben die Nordlichter in ihrer vollen Pracht sehen. Margas unerschütterliche Kraft zeigt den Frauen, dass es sich lohnt, für die eigenen Träume und um ihre Freundschaft zu kämpfen – egal, wie stürmisch die Zeiten sind. (Inhaltsangabe © Rowohlt Verlag)
Judith und Evi waren als Kinder und Jugendliche zur Urlaubszeit in Schweden unzertrennlich, bis ein Streit sie unversöhnlich entzweite. Nun sind beide erwachsene Frauen in der Lebensmitte und zurück auf der kleinen Insel, wo sie ihre Schicksalsschläge verarbeiten wollen. Sie begegnen der betagten Marga, deren Schwimmen im Regen eine ganz eigene Bedeutung hat. Es ist ihre Art, einen tiefen persönlichen Verlust bis heute zu verarbeiten. Die drei Frauen finden zueinander und zu neuem Lebensmut.
Romy Fölck beweist mit ihrem neuesten Werk einmal mehr ihr feines Gespür für menschliche Zwischentöne. Ihr Schreibstil ist gewohnt einfühlsam, authentisch und extrem atmosphärisch. Als treuer Fan ihrer Krimis und Romane war ich sehr gespannt auf die Dynamik dieser Geschichte – und Romy Fölck hat mich wieder einmal auf ganzer Linie überzeugen können.
Im Mittelpunkt stehen mit Evi, Judith und Marga interessante Frauenfiguren, die ihr Leben neu ordnen müssen. Sie sind nahbar und facettenreich gezeichnet, haben Ecken und Kanten und sie handeln nachvollziehbar. Man kann sich von der ersten Seite an gut in ihre Gedanken- und Gefühlswelt einfühlen. Das Setting im herbstlichen, melancholischen Schweden wirkt beim Lesen unheimlich entschleunigend und zieht einen sofort in seinen Bann. Obwohl die Geschichte ein ruhiges Erzähltempo anschlägt, wird sie zu keiner Sekunde langweilig.
Natürlich kann man sich denken, wie es für die drei Frauen ausgehen wird, dennoch macht es Spaß, die Zeit der Neubesinnung und Umgestaltung gemeinsam mit ihnen zu durchleben.
Für mich ist „Die Regenschwimmerin“ ein nachdenkliches, ruhiges und zutiefst hoffnungsvolles Buch. Es macht Mut, spendet Trost und zeigt auf wunderbare Weise, wie viel unentdeckte Kraft und Resilienz in uns Menschen stecken kann, wenn wir uns den Stürmen des Lebens stellen. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!
© Tintenhain
Die Elbmarsch-Krimireihe
1. Totenweg – Rezension
2. Bluthaus – Rezension
3. Sterbekammer – Rezension
4. Mordsand – Rezension
5. Nebelopfer – Rezension
6. Düstergrab – Rezension
weitere Rezensionen von Bloggern
Life with a glow
Ullas Leseecke
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Rowohlt Wunderlich (06. Oktober 2026)
ISBN-13: 978-3-8052-0110-0
Preis: 24,00 € (D)
auch als E-Book
Netgalley

Schreibe einen Kommentar