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Ruth Ware: Das Chalet [Rezension]

Cover Ruth Ware Das Chalet
Cover © dtv

Ein Luxus-Chalet in den französischen Alpen mitten im tiefsten Winter. Die Mitarbeiter eines erfolgreichen Social-Media-Start-ups haben sich hier eingemietet, um über das Übernahmeangebot eines großen Unternehmens zu diskutieren. Die Stimmung ist angespannt. Alle hier haben etwas zu verlieren. Und manche viel zu gewinnen. Dann beginnt das Grauen: Ein Mitglied der Gruppe nach dem anderen wird ermordet oder verschwindet. Nach einem Lawinenabgang ist das Chalet von der Außenwelt abgeschnitten, es gibt keinen Handyempfang. Der Killer muss einer der Gäste sein… (Inhaltsangabe © dtv)

Danny und Erin bereiten sich auf die neuen Gäste in der Luxus-Hütte in den französischen Alpen vor. Die Mitarbeiter eines erfolgreichen Social-Media-Start-ups wollen hier in der Einsamkeit über ein Übernahmeangebot beraten, das sie aus den finanziellen Schwierigkeiten holen kann. Danny, der Koch bereitet die feinsten Speisen zu und Erin sorgt für Behaglichkeit. Den Gästen soll es an nichts fehlen. Als die Gruppe anreist, spürt Erin sofort die Spannungen. Die beiden Mitbegründer Topher und Eva versuchen, die anderen Anteilseigner jeweils auf ihre Seite zu ziehen. Topher will an die Börse gehen und Eva sieht die einzige Chance im Verkauf. Doch am nächsten Tag kehrt Eva von einem Skiausflug nicht zurück. Ein Lawinenabgang macht eine Suche unmöglich und schon bald ist sich die Gruppe sicher, dass sie tot sein muss. Die Lawine hat das Chalet abgeschnitten, Hilfe holen ist unmöglich. Und dann wird jemand ermordet, und noch jemand…

Ich liebe Locked-Room-Szenarien und natürlich passt in diese Jahreszeit nichts besser als eine von der Außenwelt abgeschnittene Skihütte. Gerade erst hatte ich den sehr enttäuschenden Thriller “Offline” von Arno Strobel mit einem ähnlichen Setting gelesen. Von Ruth Ware durfte ich da mehr erwarten und ich wurde auch nicht enttäuscht.

Schwierig ist es, in solchen Szenarien stets vor allem zu Anfang den Überblick über die Vielzahl der Anwesenden zu behalten. Dies gelingt hier mit einer Liste, die den Bediensteten Danny und Erin zu Beginn überreicht wird und die an eine Vorstellung auf einer Website erinnert. Im Zweifelsfall kann man dort nachschauen. Erzählt wird der Thriller aus der Perspektive von Erin und der Mitarbeiterin Liz, die im Grunde das Zünglein an der Waage bei der Übernahmeentscheidung ist. Liz ist die graue Maus, die sich in der Luxuswelt der anderen unwohl fühlt und fast aus Versehen in die jetzige Lage geraten ist. Erin beobachtet die Gruppe mit Argusaugen und unternimmt alles, damit es nicht zu weiteres Todesfällen kommt.

“Das Chalet”, das im Original den bezeichnenden Titel “One by one” (einer nach dem anderen) trägt, ist ein von Anfang an spannender, gut erzählter, psychologischer Thriller. Mir hat das Lesen richtig Spaß gemacht, auch wenn ich relativ schnell auf der richtigen Spur war. Selbst als klar ist, wer hinter den Morden steckt, bleibt es spannend und kommt zu einem packenden Showdown. Ruth Ware gelingt es, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Die Kälte, der Schnee und die Verzweiflung sind fast greifbar, vor allem nach dem schwelgenden Luxus, in dem die Gäste vor dem Lawinenabgang mit Selbstverständlichkeit lebten.

Mir hat “Das Chalet” richtig gut gefallen. Über das Label “Thriller” kann man sich gern streiten. Im Gegensatz zu Strobels “Offline” geht es unblutig und ohne Folter zu – genau wie ich es mag. Ich finde ja auch, dass Thriller nicht Gemetzel heißt. Man könnte “Das Chalet” natürlich auch als Krimi ohne Ermittler betrachten. Mir ist das eigentlich egal. Hauptsache Spannung und gute Unterhaltung und beides gibt es hier garantiert.

© Tintenhain


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Leseprobe


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Einzelband
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (22. Dezember 2021)
Originaltitel: One by One
Übersetzung aus dem Englischen: Susanne Goga-Klinkenberg
ISBN-13: 978-3423263061
ISBN-10: 3423263067
Preis: € 16,95 [D]
auch als e-Book
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Cover Ruth Ware Das Chalet
Cover © dtv

2 Kommentare

  1. Danke für den Einblick und deine Meinung Nr. Auch wenn die Story in so mach anderem Thriller vorkommt, klingt es spann ne und interessant. Mal sehen ob ich es lese. Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Wobei mir ihr Roman „Hinter diesen Türen“sehr gut gefiel.Lieve Grüße
    Norbert v.. Lesetalk

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