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Ruth Ware: Hinter diesen Türen [Rezension]

Cover Ruth Ware - Hinter diesen Tueren
Cover © dtv

Es schien der ideale Job zu sein: Rowan Caine ist überglücklich, als sie die Stelle als Kindermädchen in einem einsam gelegenen Haus in Schottland bekommt – bei einer perfekten Familie mit vier Töchtern. Doch in kürzester Zeit wird der vermeintliche Traumjob zum absoluten Albtraum. In dem Haus, das eine denkmalgeschützte Fassade hat und – im krassen Gegensatz dazu – innen mit einer High-Tech-Ausstattung aufwartet, geschehen beängstigende, unerklärliche Dinge. Rowan fühlt sich ständig beobachtet, nicht nur von den Überwachungskameras, die in jedem Zimmer hängen. Auch das Verhalten der Kinder wird immer seltsamer. Bis es einen schrecklichen Todesfall gibt – und Rowan unter Mordverdacht gerät. (Inhaltsangabe © dtv)

Ein verzweifelter Brief an einen Anwalt – Rowan Caine steht unter Anklage, ein Kind getötet zu haben. Doch sie schwört, unschuldig zu sein. Dabei hatte alles so gut begonnen. Als die wohlhabenden Eltern Sandra und Bill Elincourt für ihre vier Kinder ein Nanny suchen, scheint es Rowan wie ein Geschenk des Himmels. Eine sehr gut bezahlte Arbeit in einem hochmodernen Haushalt, inklusive Kost und Logis. Das einsam gelegene High-Tech-Haus im schottischen Hochland ist ein gelungener Mix aus Moderne und Tradition. Doch bei den Kindern stößt Rowan auf Abneigung und es geschehen merkwürdige Dinge in dem Haus, die Rowan sich beim besten Willen nicht mit dem gesunden Menschenverstand erklären kann. Die Hinweise, dass die früheren Nannys stets schnell die Flucht ergriffen, bringen Rowan immer mehr ins Zweifeln, ob die Stelle wirklich ein Traumjob ist. Auch die permanente Überwachung durch Smart-Home-Apps lässt Rowans Nervenkostüm immer dünner werden.

Der neue Thriller “Hinter diesen Türen” von Ruth Ware ist als Brief an einen Anwalt formuliert, was jedoch nur zu Anfang auffällt. Sehr schnell ist man so tief Rowans rückblickende Erzählung hineingesogen, dass man es einfach vergisst. Zwar nimmt der Anfang das Ende vorweg, doch ist es aufregend zu ergründen, wie es zum Tod des kleinen Mädchens kommen konnte. Man kann es sich kaum vorstellen, so liebevoll, wie Rowan mit den oft sehr anstrengenden Kindern umgeht. Und doch merkt man ihr die wachsende Verzweiflung angesichts der unheimlichen und merkwürdigen Vorgänge im Haus an.

Ruth Ware schreibt sehr atmosphärisch und so stellt sich schnell eine Beklemmung ein, die die Spannung stetig steigert. Dennoch hat es für mich sehr konstruiert angemutet, dass die Eltern das neue Kindermädchen bereits am zweiten Tag für lange Zeit allein mit den Kindern lassen. Auch dreht es sich vor allem zu Beginn sehr stark um die “richtige” Kindererziehung, was zwar passend ist, aber auch anstrengend werden kann, da dem Thema viel Gewicht verliehen wird. (So wie in “Wie tief ist deine Schuld” ein Baby durchs ganze Buch geschleppt wurde, das gar keine Rolle spielte.) Doch der Mix aus moderner Überwachung, altmodischem Grusel und einer Legende um das alte Anwesen erzeugen genug Spannung, um darüber hinwegzulesen. Toll fand ich dann auch die kleinen Überraschungen und den großen Twist am Ende, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Insgesamt hat mich “Hinter diesen Türen” sehr gut unterhalten und bekommt eine Leseempfehlung für alle, die es gern geheimnisvoll und spannend, aber unblutig mögen.

© Tintenhain


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Leseprobe


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Einzelband
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (28. Dezember 2020)
Originaltitel: The Turn of the Key
Übersetzung aus dem Englischen: Stefanie Ochel
ISBN-13: 978-3423262712
ISBN-10: 3423262710
Preis: € 15,90 [D]
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Cover Ruth Ware - Hinter diesen Tueren
Cover © dtv

16 Kommentare

  1. Hallo Mona,

    ich schleiche um den Titel herum. Jetzt weiß ich natürlich nicht, wie arg die Konstruktion wirkt. Das muss ich halt eher nicht haben. Daher werde ich weiterhin abwarten.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    1. Na ja, es ist einfach so, dass die Eltern quasi sofort abreisen und eine völlig fremde Nanny mit den Kids allein lassen. Das fand ich schon sehr merkwürdig. Natürlich meldet sich die Mutter regelmäßig und dank der Smart-Home-Apps kriegt sie ja auch einiges mit und kann schauen, was zu Hause passiert. Sonst fand ich es aber nicht sehr künstlich.

      Liebe Grüße
      Mona

      1. Hallo Mona,

        ich werde morgen mit dem Hörbuch beginnen. Die Neugier hat mal wieder gesiegt. 🙂

        Liebe Grüße,
        Nicole

  2. Ich überlege auch, lese gerade „Die Stimme“ von Tremaine und frage mich ob Ruth Ware da neue Sichtweisen hat oder ob es thematisch zu ähnlich wird. Arno Strobel hat ja wohl auch ein Buch mit ähnlichem Thema. Da geht es um eine App. Was sagst du Mona?

    1. Hallo Anke,

      bei “Hinter diesen Türen” liegt der Fokus nicht so stark auf den Smarthome-Apps, während es bei “Die Stimme” ja tragendes Element ist. Ich hatte da auch erst viele Parallelen befürchtet, aber dem war nicht so. “Die App” habe ich noch nicht gelesen, bekomme es aber demnächst von einer Freundin geliehen. Da bin ich ja mal gespannt, ob es mit “Die Stimme” mithalten kann. Wie gefällt es dir soweit?

      LG
      Mona

  3. Ich bin noch bei der Stimme 😉 die App wäre wenn dann Nr. 3. vorher Ruth Ware. Danke dir für die schnelle Reaktion. Hilft mir sehr. Ich mag Strobel eigentlich nur in Kombination mit Poznanski. Deshalb bin ich etwas zögerlich;)

    1. Ja, das wäre auch mein erster “Nur-Strobel”, mir ist der sonst zu heftig. (Und ich fand ja auch, dass er einen “schlechten Einfluss” auf Ursula Poznanski hat. 😉) Aber hier spricht mich dann doch das Thema an und eigentlich wäre es ja thematisch nicht nötig, jemanden zu foltern oder einen Finger mit der rostigen Gartenschere abzuschneiden. (War mal auf einer Lesung.) Mal schauen, wie es ist.

      1. schlechter Einfluss 😉 das ist echt witzig. ich war auf einigen Kombilesungen der beiden… die waren ziemlich lustig… sie haben ihre Emails vorgelesen und sich dabei ordentlich gefeiert.
        Viele Grüße, bleib gesund! Komm gut ins neue Jahr!
        Anke

  4. Ein Buch der Autorin steht noch auf meinem Wunschzettel, auch wenn mich das letzte nicht gänzlich begeistern konnte. Nun hast du mich zu dieser Geschichte ebenfalls angefixt, schon allein weil es in Briefform ist!

    Muckelige Grüße!

    1. Liebe Janna,

      bei Thrillern traue ich mich bei dir immer nicht so recht Empfehlungen zu geben. Ich glaube, unsere Vorstellungen von Spannung gehen da etwas auseinander. 😂 Das letzte fand ich zwar spannend, aber zeitweise nervig wegen des mitgeschleppten Babys. Oder meintest du “Der Tod der Mrs. Westaway”? Das habe ich noch auf dem SuB.

      Liebe Grüße
      Mona

  5. Hallöchen Mona,

    ich bin sehr selten eine Thriller-Leserin, aber immer interessiert, was es so Neues gibt. Ich glaube, das Buch könnte auch einen guten Film abgeben, so wie es klingt.
    Interessant, dass es im Endeffekt ein Briefroman ist.

    Liebe Grüße
    Tina

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