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Arno Strobel: Offline – Du wolltest nicht erreichbar sein [Rezension]

Cover Arno Strobel Autor Offline - Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle.
Cover © Fischer Verlage

Fünf Tage ohne Internet. Raus aus dem digitalen Stress, einfach nicht erreichbar sein. Digital Detox. So das Vorhaben einer Gruppe junger Leute, die dazu in ein ehemaliges Bergsteigerhotel auf den Watzmann in 2000 Metern Höhe reist.
Aber am zweiten Tag verschwindet einer von ihnen und wird kurz darauf schwer misshandelt gefunden. Jetzt beginnt für alle ein Horrortrip ohne Ausweg. Denn sie sind offline, und niemand wird kommen, um ihnen zu helfen… (Inhaltsangabe © Fischer Verlage)

Arno Strobels Thriller hatten mich bisher nur gereizt, wenn sie zusammen mit Ursula Poznanski geschrieben wurden. Nun also mal ein Strobel klassisch ohne sie. “Offline” schien mir ganz geeignet, da ich nicht so sehr auf Gemetzel stehe und dieses bei Arno Strobel eher dazuzugehören zu scheint. Bei einem Locked-Room-Szenario mit einem eingeschneiten Hotel in den Bergen schien ich auf der sicheren Seite zu sein. Doch weit gefehlt.

Die Story ist schnell erzählt. Eine Gruppe aus verschiedenen Personen nimmt eine digitale Auszeit in einem Berghotel. Das Hotel wird über Nacht eingeschneit. Einer aus der Gruppe verschwindet und als er gefunden wird, sind alle entsetzt, da er grausam misshandelt wurde. Man kann niemanden erreichen und um Hilfe bitten und es ist klar: Der Mörder ist unter uns. Angst und Misstrauen sind ab jetzt an der Tagesordnung, denn der Täter kann jederzeit wieder zuschlagen.

Spoileralarm! Ich werde im Folgenden sehr ins Detail gehen, sodass jemand, der das Buch noch lesen möchte, unter Umständen stark gespoilert wird. Diese Passagen werden ausgeblendet.

Ich habe das Buch dreimal begonnen, da ich anfangs stets nicht weiter als bis zum Aufbruch ins Hotel kam. Immer, wenn ich das Buch in die Hand nahm, hatte ich wieder vergessen, wer die Leute sind. Dabei gibt es sogar eine richtige Vorstellungsrunde, bei der alle im Kreis stehen. (Simpler und einfallsloser geht es nicht.) Ich hätte mir die Stelle markieren sollen. Denn auch später hatte ich Schwierigkeiten den Namen die richtigen Charaktere zuzuordnen. Sie blieben allesamt ziemlich blass und austauschbar. Abgesehen vielleicht vom dicken Thomas, der allerdings gleich stirbt und der hauptsächlich dadurch auffällt, dass er dick und unsportlich ist.

Das Buch beginnt sehr schleppend, wobei der sehr einfache Sprachstil das Lesen recht leicht macht. Platte Dialoge machen Aufstieg und Ankunft im Hotel noch langweiliger, doch ich blieb dran. Mir wurde immerhin Spannung versprochen. Die gab es dann beinahe mit dem Verschwinden von Thomas, das allerdings am Ende des vorherigen Kapitels bereits angekündigt wurde, denn ob Thomas würde ohne sein Handy schlafen können, “sollten die anderen allerdings nie erfahren”.

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Es folgt eine seitenweise Suchaktion, bei der festgestellt wird, dass das Funkgerät zerstört wurde und eine Horrorszene, die ich so oder ähnlich schon hundertmal gesehen/gelesen habe (Hand rutscht auf der anderen Seite einer Folie resp. Glasscheibe herunter.) Aber es kommt noch besser, denn Thomas wurde grausam gefoltert und misshandelt. Da waren sie also, die Schock- und Ekelmomente.

Nachdem sich alle ausgiebig gegenseitig beschuldigt haben und ihre eigene Schuld natürlich abgestritten haben, beschließen sie, zusammenzubleiben, um kurz darauf jeder ins eigene Zimmer zu gehen. Überraschung! Wieder wird jemand vermisst. Na ja, Überraschung ist vielleicht etwas übertrieben, denn dass eine weibliche Person auf ähnliche Weise wie Thomas gefoltert wird, wird aus Ich-Perspektive angekündigt und wir dürfen live dabei sein. Es folgen eine seitenweise Suchaktion, gegenseitige Beschuldigungen und Unschuldsbeteuerungen… Ihr wisst schon. Erkenntnisgewinn Null. Immerhin fällt Jenny, der Quasi-Hauptperson, die ein bisschen alles im Blick hat, irgendwann tatsächlich auf, dass die Angegriffenen ihre Angestellten sind. Das hilft zwar nichts, aber ich wollte spontan Applaus klatschen.

Anna, die jetzt wie zuvor Thomas gelähmt ist, lässt uns übrigens an ihren Gedanken teilhaben, denn sie hat – Überraschung! – den Täter gesehen und ist voll schockiert, dass ausgerechnet er es ist. Sie versucht, sich mit Nicken und Kopfschütteln zu verständigen. Keiner weiß, was sie will – nur der Leser hat es längst kapiert. Natürlich verbannt sie den Namen des Täters aus ihren Gedanken. Es soll ja spannend bleiben! Ist leider aber nur ermüdend.

So habe ich mich die meiste Zeit gelangweilt. Die inflationären Cliffhanger an den Kapitelenden haben genervt. Ich habe immer wieder überlegt abzubrechen, wollte dann aber doch wissen, wer hinter den unnötig grausamen und ekligen Taten steckt.

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Zum Glück lese ich die Prologe immer nur oberflächlich, denn sonst hätte ich mich sogar um dieses Vergnügen gebracht.
Erklärt wird das Ganze dann mit einer psychischen Erkrankung – ist halt durchgeknallt – was ich ziemlich als einfallslos und beleidigend als Begründung für solcherlei Grausamkeit finde.

Mir wurde inzwischen gesagt, dass ich es lieber mit Strobels Thriller “Die App” hätte versuchen sollen, da das Buch viel besser sei, und auch nicht so grausam sei, aber ich bin gerade nicht sicher, ob ich noch eins seiner Bücher lesen möchte. Mich haben weder Sprachstil, Charakterisierung noch Spannungsaufbau überzeugen können.

© Tintenhain


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Cover Arno Strobel Autor Offline - Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle.
Cover © Fischer Verlage

4 Kommentare

  1. Liebe Mona,
    mir hat das Buch zwar gefallen, kann deine Kritikpunkte aber durchaus verstehen und mir ist es bei anderen Büchern von Arno Strobel auch so gegangen. Ich habe Offline unter ganz besonderen Umständen und in einer Nacht durchgelesen (an dem Ort an dem es spielt mit dem Autor und acht anderen Lesern).
    Ich bin mir sicher, dass dir “die APP” nicht gefallen wird, ebenso wenig wie sein neues Buch “Sharing”, weil ich finde, dass Offline besser war als diese beiden.
    Liebe Grüsse Vera

    1. Liebe Vera,

      unter diesen Umständen hätte ich bestimmt alles toll gefunden. 🤣
      Die “App” wollte ich eigentlich lesen und mir wurde auch von einem Fan versichert, es sei besser. Ich wollte es eigentlich probieren, weil ich das Thema interessant finde. Allerdings habe ich bereits “Die Stimme” von S.K. Tremayne gelesen und ich befürchte, dass “Die App” dann den Vergleich nicht standhält.
      Vielleicht war mein Strobel-Gefühl gar nicht so schlecht. Ich war mal bei einer sehr schönen Lesung, da wurde schon ersten Kapitel jemandem ein Finger mit einer rostigen Gartenschere abgeschnitten. Ich war die Einzige, die nicht in der Signierschlange stand. 🤣 Aber der Abend war sehr schön.

      Liebe Grüße
      Mona

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