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David Safier: Miss Merkel [Rezension]

Cover David Safier Miss Merkel
Cover © Rowohlt Verlag

Wir schreiben das Jahr 2022. Angela ist seit sechs Wochen in Rente und mit Mann und Mops in die Uckermark gezogen. Nach dem turbulenten Leben in Berlin fällt es ihr jedoch schwer, sich auf das beschauliche Landleben einzulassen. Als aber der Freiherr Philipp von Baugenwitz vergiftet und bekleidet mit Ritterrüstung in einem von innen verriegelten Schlossverlies gefunden wird, erwacht neues Leben in Angela. Endlich wieder ein Problem, das gelöst werden will! Unterstützt von ihrem liebenden Ehemann und dem sanften Bodyguard Mike macht sie sich auf die gefährliche Suche nach dem Mörder. Wird Angela ihn finden? Wird sie in Klein-Freudenstadt heimisch werden? Gar das erste Mal in ihrem Leben eine wahre Freundin finden? Oder wird eine der sechs verdächtigen Frauen ihr zuvor den Garaus machen? Fragen, die nur eine große Detektivin beantworten kann! (Klappentext © Rowohlt Verlag)

Es ist ein bisschen langweilig in Klein-Freudenstadt in der Uckermark, wo Angela Merkel mit ihrem Mann Joachim und ihrem Mops Putin nach den turbulenten Jahren in Berlin ihren Lebensabend verbringen möchte. Nur zu gern würde sie eine richtige Freundin finden, sich unter die Einheimischen mischen und dazugehören. Das Weinfest auf dem Schloss von Freiherr Philipp von Baugenwitz kommt da gerade wie gerufen. Endlich mal was los und vielleicht kann man ja jemanden kennenlernen. Aber dann findet Angela den Freiherrn vergiftet im Verlies vor – in Ritterrüstung und die Tür von innen abgeschlossen. Selbstmord? Angela ist sich sicher, dass hier mehr dahintersteckt und tritt in die Fußstapfen von Miss Marple und Sherlock Holmes. Wäre doch gelacht, wenn sie dieses Rätsel nicht lösen könnte!

Eigentlich hatte ich nach „Muh!“  mit David Safier abgeschlossen. Ich fand das Buch so gruselig, dass ich danach keins mehr lesen wollte. Aber Angela Merkel als Detektivin? Das wollte ich mir dann doch mal genauer angucken, vor allem, weil schon das Cover so richtig Lust darauf macht.

David Safier zeichnet die (dann) ehemalige Bundeskanzlerin nahbar und menschlich. Dabei liegt der Fokus vor allem auf ihrer Ehe mit Joachim Sauer, hier Achim oder liebevoll Puffel genannt. Das Paar geht herzzerreißend rührend miteinander um. Achim trägt seine Angela regelrecht auf Händen und wehe, jemand wagt es, ihr unhöflich zu kommen. Dabei weiß er ganz genau, wo die selbsternannte Detektivin ihre Stärken hat, denn diese berechnet er als Quantenchemiker aufs genaueste. Angela ist die nette Nachbarin, die ihren weichherzigen Leibwächter mit selbstgebackenem Kuchen füttert und zunehmend Tendenzen hat, dem Personenschützer zu entwischen, um auf eigene Faust zu ermitteln.

Der Kriminalfall ist einfach gestrickt, aber nicht allzu offensichtlich zu knacken. Safier hat ein klassisches Locked-Room-Szenario gewählt, aber so einfach wie Angela denkt, ist es dann doch nicht zu lösen. Verdächtige gibt es auch eine Menge, aber manchmal würde Angela lieber deren Unschuld statt Schuld beweisen. Wie soll sie sonst eine Freundin finden?

David Safier schreibt humorvoll, sehr bildhaft und dialoglastig. Man merkt ihm einfach an, dass er auch Drehbücher schreibt und so hatte ich immer wieder ganze filmreife Szenen im Kopfkino, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Zum Glück ist „Miss Merkel“ nicht so albern und lächerlich geraten, wie ich angesichts von „Muh!“ befürchten musste. Im Gegenteil, es war mir ein Vergnügen, mit Miss Merkel auf Verbrecherjagd zu gehen und ich wäre auch tatsächlich einer Fortsetzung nicht abgeneigt, auch wenn ich dem beschaulichen Klein-Freudenstadt in der Uckermark natürlich keine weiteren plötzlichen Todesfälle und der Bundeskanzlerin einen beschaulichen Lebensabend wünsche.

© Tintenhain


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Einzelband
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Kindler Verlag (23. März 2021))
ISBN-10: 3463406659
ISBN-13: 978-3463406657
Preis: € 16,00 [D]
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Cover David Safier Miss Merkel
Cover © Rowohlt Verlag

6 Kommentare

  1. Uuihhh, ich habe nicht gewusst, dass man reale Menschen und ihre Klarnamen benutzen darf, um einen fiktiven Roman zu schreiben. Bin gerade platt. Klar habe ich von dem Buch schon gehört, Safier kommt ja wie ich aus Bremen, aber ich bin von Verfremdungen ausgegangen … Wow.

    Liebe Grüße

  2. Liebe Mona,
    mir hatten damals “Mieses Karma”, “Jesus liebt mich” und “Plötzlich Shakespeare” gelesen. Die Bücher mochte ich sehr. Doch “Mieses Karma 2” vermieste mir dann den Autor. Hatte das Buch abgebrochen und mich an kein weiteres mehr getraut. Doch mit diesem Merkel-Buch könnte ich eine Ausnahme machen. Denke, das würde mir gefallen.
    Ich hoffe, dass es besser ist, als “Das Windsor Komplott”. Das habe ich nämlich abgebrochen. Es war so schrecklich langweilig. Hatte mir von dem Queen-Krimi mehr versprochen. Hast du den gelesen?
    GlG, monerl

  3. Hey Mona,

    bei diesem Cover kann man ja eigentlich nur grinsen.
    Ich finde die Idee symphatisch und glaube dir aufs Wort, dass es etwas her macht.
    Inwieweit man das mit den bekannten Charakterzügen von Angela mixen kann, weiß ich nicht.
    Aber deine Worte zeigen, dass die Geschichte Spaß machen kann.

    Liebe Grüße
    Tina

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