David Safier: Muh! [Rezension]

„Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe!“ Ein blöder Spruch? Na, das passt dann ja zum Buch.

Cover
Das Leben der Kuh Lolle auf einem norddeutschen Bauernhof ist ruhig und geruhsam bis sie eines Tages ihren geliebten Stier Champion mit der blöden Kuh Susi erwischt. Als sie dann auch noch den Kater Giacomo vor dem legendären Old Dog rettet und dieser ihr eröffnet, dass Menschen Kühe essen, gerät ihr Weltbild endgültig ins Wanken. Auf dem Weg in den Stall erfährt sie, dass am nächsten Tag alle Tiere geschlachtet werden müssen, da der ungeliebte Bauer Pleite ist. Mit ihren Freundinnen, der toughen Hilde und dem etwas naiven Radieschen, beschließt sie dem Kater Giacomo in die Freiheit zu folgen, nach Indien, wo die Kühe heilig sind…

Safier setzt in „Muh!“ auf stereotype Charaktere, Blödeleien, flache Dialoge und Slapstickeinlagen. Ich habe selten so ein albernes Buch gelesen. Meine Kinder konnten über einige (jugendfreie) Stellen herzhaft lachen, mir blieb das Lachen jedoch meist im Halse stecken. Ich fand es einfach nicht witzig. Weder die Gotteskuh, die einen Käse als Mond an den Himmel geworfen hat, noch die singende und tanzende Kuh des Wahnsinns.
Die umgeschriebenen Liedtexte wie „An der Kuh- Pa, Kuhpa Cabana“, „Kuh sera, sera“ oder „Can You Feel The Kalb tonight“ machen den Eindruck als seien sie in einer durchzechten Nacht entstanden und waren genauso hirnlos wie Dialoge, die aus sinnfreien Wörtern bestehen. Nun könnte man sagen, dass Kühe nun mal dumm seien und das deshalb gut passt. Aber so aneinander gereiht ist es einfach zuviel. Safier schreibt jedoch gewohnt flüssig und dialoglastig, so dass man trotz allem schnell über die Seiten fliegt. Manchmal entstand beim Lesen sogar eine Art Zeichentrickkopfkino. Besonders zum Ende hin versucht der Autor, dem Buch noch etwas Sinn einzuhauchen, indem er Lolle herausfinden lässt, was Glück sein kann. Allerdings wirkt das eher gezwungen und aufgesetzt.
Safier versucht konsequent aus der Sicht der Kühe zu schreiben, was ihm aber nicht immer gelingt. So war ich etwas irritiert, dass die weise Oma von Radieschen mit dem klangvollen Namen Hamm-Hamm, Radieschens liebster Mensch auf Erden war. Hamm-Hamm ist übrigens noch einer der harmloseren Namen der Kühe, manche klingen eher so als seien sie gemeinsam mit den Liedern in der Kneipe entstanden.
Was mich auch sehr wundert, ist dass eine Milch gebende Kuh noch nie ein Kalb geboren hat. Wie geht das?
Ich könnte jetzt noch eine Weile so weiter schreiben, um meiner Enttäuschung Ausdruck zu verleihen, will es aber dabei bewenden lassen. Ich finde es wirklich sehr schade, dass Safiers Bücher, die ich alle gelesen habe, immer mehr nachlassen. Nachdem schon „Happy Family“ nicht mehr halb so witzig und unterhaltsam war wie „Mieses Karma“ oder „Jesus liebt mich“, ist „Muh!“ eine herbe Enttäuschung.
© Tintenelfe


1 Fäßchen

David Safier: Muh!

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Kindler
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3463406039
ISBN-13: 978-3463406039
Preis: 16,95€
eingetragen in Challenge Deutschsprachige Autoren 2013
eingetragen in Leserpreis-Challenge 2013

7 Kommentare

  1. Schade, dass dir das Buch gar nicht gefallen hat :(. Ich gehöre allerdings auch zu denen, die schon seine ersten Bücher nicht umwerfend (aber durchaus unterhaltsam) fanden und der Meinugn sind, dass sie immer schlechter werden.
    Zwar hätte ich keine ganz so schlechte Bewertung erwartet, aber wirklich viel verspreche ich mir auch nicht von dem Buch.
    Danke für die aussagekräfitge Rezi ;).
    Liebe Grüße
    Charlie

  2. Erstens: die Rezension des Buches erinnert mich sehr an den Film „Chicken Run“, der Autor scheint lediglich Hühner durch Kühe ersetzt zu haben. Auch ist es ihm offensichtlich nicht gelungen, den schwarzen britischen Humor ins Deutsche zu übertragen.
    Zweitens: Eine Rezension kann immer nur Hilfe sein, sie sollte niemals die eigene Entscheidung vorwegnehmen. Lest selbst ein paar Seiten und entscheidet dann. Warum ich das anmerke? Weil mir immer wieder gesagt wurde: Vergiss Terry Pratchet und seine skurrilen Scheibenweltromane! Ich habe mir trotzdem ein Buch gekauft und heute besitze ich über 40 seiner Taschenbücher! Vieles ist halt Geschmackssache. (Allerdings: Fast alle Bücher nur in englischer Sprache, da die doppeldeutigen Anspielungen, die Wortspielereien und der rabenschwarze britische Humor sich nur schwer oder gar nicht in Deutsche übersetzen bzw. übertragen lassen.)

    1. Hallo Holger,
      ich gebe Dir Recht: Man sollte sich selbst ein Bild machen, wenn einen das Buch interessiert. Auf Facebook hat eine Leserin kommentiert, dass sie dieses Buch viel witziger fand als die anderen (abgesehen von den Gesangseinlagen). Humor muss einen wohl auch immer in der richtigen Stimmung treffen. Das Schöne an „Muh!“ ist, dass es sich echt schnell liest, man also auch nicht so viel Zeit verschwendet.
      Ich lese eigentlich selbst selten Rezensionen bevor ich das Buch kenne und suche mir wenn, dann aber auch die negativen raus, weil ich die hilfreicher finde. Im Tauschticketforum gibt es eine Userin, die auch gern Fantasy liest. Wenn sie ein Buch richtig schlecht findet, lese ich es erst recht. Meistens finde ich es dann richtig gut. Wir haben echt wenige Übereinstimmungen, was aber auch schon wieder gute Buchtipps ergibt.
      Aber, Holger, ich bitte Dich, wie kannst Du Terry Pratchett und Muh! in einem Atemzug nennen?! Frevel! Ich mag seine Bücher (habe nicht alle gelesen) auch sehr gern und die Ideen, die er hat, sind viel ausgereifter und intelligenter. Bei Muh! ist die Erde übrigens auch eine Scheibe und endet bei den Bäumen am Ende der Weide, danach fällt man in die „Unendliche Milch der Verdammnis“.
      Safier kann man allerdings nicht vorwerfen, dass er den „schwarzen britischen Humor nicht ins Deutsche übertragen“ kann. Er ist nun mal kein Brite, da wollen wir mal Gnade walten lassen.
      Danke für den anregenden Kommentar!
      Die Tintenelfe

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.