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Brad Parks: Kein falscher Schritt [Rezension]

Cover Brad Parks Kein falscher Schritt
Cover © Fischer Verlage

Die Schauspielkarriere von Tommy Jump ist eigentlich längst zu Ende, besser wäre es, wenn er sich einen gut bezahlten Job suchte. Zumal seine Freundin ein Kind von ihm erwartet. Deshalb kann er auch nicht Nein sagen, als er ein Angebot für ein eher ungewöhnliches Engagement erhält. Das FBI will ihn ins Gefängnis einschleusen. Dort soll er Bekanntschaft schließen mit Mitchell Dupree, einem ehemaligen Banker, der Geld für ein mexikanisches Drogenkartell gewaschen haben soll. Irgendwo – so vermutet das FBI – gibt es da noch Unterlagen, mit denen man das gesamte Kartell und seinen Boss El Vio hochnehmen könnte.
Unter falschem Namen und mit einer getürkten Vita geht Tommy ins Gefängnis und lernt Mitchell kennen. Aber sehr schnell muss er erkennen, dass seine Aufgabe schwerer ist als gedacht. Denn er ist nicht der Einzige, der diese Dokumente will. Wem kann er trauen? Ganz auf sich allein gestellt, muss Tommy seine Rolle jetzt perfekt spielen, sonst wird es seine letzte sein. (Inhaltsangabe © Fischer Verlage)

Seine besten Jahre als Schauspieler und Musicaldarsteller sind vorbei. Das ist Tommy Jump eigentlich längst klar, doch so richtig weiß er nicht, wie es beruflich für ihn weitergehen soll. Dabei müsste er jetzt unbedingt durchstarten, denn seine Freundin Amanda ist schwanger. Unverhofft trifft Tommy auf seinen alten Freund Danny, der es inzwischen zu etwas gebracht hat und beim FBI tätig ist. Danny macht ihm ein ungewöhnliches Angebot. Um den Boss eines südamerikanischen Drogenkartells endlich dingfest machen zu können, muss das FBI an Unterlagen kommen, von denen nur der ehemalige Banker Mitchell Dupree weiß, wo sie versteckt sind. Tommy wird also unter falscher Identität ins Gefängnis eingeschleust, um sich das Vertrauen Duprees zu erschleichen und das Versteck zu erfahren.

Puh, was für ein Szenario! Für Geld – viel Geld – ins Gefängnis gehen?! Das erfordert entweder eine gehörige Portion Mut oder ziemliche Verzweiflung. Nun ist das Morgantown Kennedy Center immerhin ein US-Bundesgefängnis mit minimaler Sicherheit und hier sind vor allem gewaltfreie Straftäter untergebracht, die eher im Bereich der Wirtschaftskriminalität oder Politik Straftaten begangen haben. Die Strafanstalt gibt es wirklich. Ein Zuckerschlecken ist es aber trotzdem nicht.

Ich fand den Roman von Anfang an unglaublich spannend und konnte mir kaum vorstellen, wie genau Tommy es anstellen sollte, die gewünschten Informationen zu liefern. Doch Tommy ist ein findiges Kerlchen und ich habe ihn für seinen Einfallsreichtum geradezu bewundert. Interessant sind auch die Hintergründe, die Brad Parks den Stoff zu seinem Roman gegeben haben. Die mexikanischen Drogenkartelle und ihre Beziehungen zu den US-Banken, in denen die Geldwäschegesetze offenbar nicht immer befolgt werden und die dem Drogenhandel damit Vorschub leisten.  Brad Parks beschreibt sowohl die juristischen als auch die wirtschaftlichen Details  sehr gut verständlich und anschaulich, sodass man einen sehr lebendigen Eindruck erhält. Dabei kommt ihm sicher auch seine frühere journalistische Tätigkeit zupass.

„Kein falscher Schritt“ ist in kurze, knackige Kapitel gegliedert und wechselt zwischen den Perspektiven von Tommy, seiner Freundin Amanda und Duprees Frau Natalie, die mit ihren Kindern um ihr Leben bangt, das allein von den versteckten Unterlagen ihres Mannes abhängt. Der Anteil von Tommy ist dabei natürlich am höchsten. Parks schreibt flüssig, bildhaft und vor allem richtig spannend. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Zudem wartet Brad Parks fast schon erwartungsgemäß mit einigen grandiosen Plottwists auf, die mich zwar nicht immer überraschten, aber trotzdem weiter mitfiebern ließen.

Nach „Nicht ein Wort“ schließt Brad Parks damit wieder an den Erfolg von „Ich vernichte dich“ an, das mir damals unglaublich gut gefallen hat. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Thriller des Autors. Fans von Harlan Coben werden seine Bücher lieben!

© Tintenhain


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Broschiert: 432 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch (26. August 2020)
Originaltitel: The Last Act (2019)
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Helga Augustin
ISBN-10: 359600067X
ISBN-13: 978-3596000678
Preis: € 14,99 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Brad Parks Kein falscher Schritt
Cover © Fischer Verlage

5 Kommentare

  1. Das hört sich mal wieder nach einem spannenden Thriller an – und da haben wir beide ja oft einen ähnlichen Geschmack. Ich habe den Titel mal auf meine Wunschliste gesetzt. Aktuell platzt mein Regal mit den ungelesenen Büchern aus allen Nähten, aber im Herbst komme ich hoffentlich mal wieder etwas öfter zum Lesen.

    1. Oh, ich kenne das! Meine Wunschliste ist auch ziemlich lang und der SuB erlaubt es eigentlich nicht, neue Bücher dazukommen zu lassen. Vielleicht ergibt sich das Buch dann ja doch noch irgendwie. Lohnt sich auf jeden Fall!

  2. Verrätst du, ob das Buch sehr brutal / grausam ist? Habe fast alle Bücher aus deiner Rubrik „unblutige Thriller“ gelesen und bin nun im Thrillerfieber. 🙂

    1. Hallo Anja,

      ja, ich würde es mit zu den „unblutigen“ Thrillern zählen. Also keine abgeschnittenen Körperteile oder Folter. Die Spannung wird, so wie ich es mag, subtiler erzeugt. Hier vor allem mit der Frage, wie er da wieder rauskommt. Kann man auch als zart besaitete Person wie ich ganz gut lesen. 🙂
      Die allermeisten Thriller, die du hier findest, sind nicht so blutig. Ich mag das ja nicht und wähle entsprechend aus. Ich hatte auch schon überlegt, mal wieder einen Beitrag dazu zu machen. 🙂

      Liebe Grüße
      Mona

      1. Danke dir, dann kommt das Buch gleich mal auf meine Weihnachtswunschliste! Finde deinen Blog übrigens super und habe beim Stöbern schon mehrere für mich interessante Bücher gefunden. LG und eine spannende Adventszeit!

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