Carmen Korn: Zeitenwende (3) [Rezension]

Carmen Korn Zeitenwende Jahrhundert-Trilogie Cover
Cover © Rowohlt Verlag

Vier Frauen. Vier Familien. Ein Jahrhundert.
Henny Unger feiert einen runden Geburtstag, siebzig Jahre ist sie geworden. So alt wie das Jahrhundert. Beim Gartenfest an ihrer Seite: die Freundinnen Käthe, Lina und Ida – wie seit Jahrzehnten schon. Doch längst hat sich der Kreis der Gratulanten erweitert. Aus den vier Freundinnen sind Mütter und Großmütter geworden. Hennys Enkelin Katja träumt davon, als Fotoreporterin um die Welt zu reisen, Idas Tochter Florentine kehrt mit einer Überraschung nach Hamburg zurück. Und auch Ruth, die Adoptivtochter von Käthe, ist fester Teil des Freundschaftsbunds. Denn zu Hennys großer Freude führt die nächste Generation die Tradition fort: Sie teilen Glück und Leid miteinander, die kleinen und die großen Momente. (Klappentext)

Auf „Zeitenwende“, den Abschluss der Jahrhundert-Trilogie, habe ich lange warten müssen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich vor allem bei den jüngeren Generationen anfangs Schwierigkeiten hatte, die Namen und Verwandtschaftsverhältnisse zuzuordnen. Zu viele sind es im Laufe der erzählten Jahrzehnte geworden.

Wieder einmal gelingt es Carmen Korn, ihre Leser mit auf eine Zeitreise mitzunehmen. Beginnend mit dem 70. Geburtstag von Henny erleben wir den deutschen Herbst, die Trennung von Ost und West, die Aidskrise und den deutschen Mauerfall. Um möglichst vielen Ereignissen der deutschen Geschichte gerecht zu werden, macht die Familiengeschichte einige Hakenschläge. So verliebt sich die Journalistin Katja in einen ostdeutschen Schauspieler, der hinter dem Eisernen Vorhang festsitzt. Auch für das Aids-Thema muss ein bisschen konstruiert werden, was oft zu gewollt daherkommt.

Die Familien und ihre freundschaftlichen Beziehungen sind inzwischen gewachsen. Dabei versucht Carmen Korn ihre ursprünglichen Hauptfiguren, die Freundinnen Henny, Lina, Ida und Käthe, nicht aus dem Blick zu verlieren. Da diese jedoch inzwischen ruhiger geworden sind, verlagert sich der Fokus auf die jüngeren Generationen. Diese sind mir merkwürdigerweise eher fremd geblieben und wenig nahe gegangen. Vielleicht ging mir auch zu oft alles gut aus, dafür dass möglichst viele zeitgeschichtliche Probleme eingeflochten wurden. Dabei halte ich es übrigens für selbstverständlich, dass ein dreiteiliger Roman, auch wenn er Jahrhundet-Roman genannt wird, nicht alle Aspekte und Ereignisse der deutschen Geschichte wiedergeben kann.

Sehr gefallen hat mir wieder, wie Carmen Korn den Alltag geschickt mit den jeweiligen Modestilen, Moderezepten, Musikstücken und Büchern, die in den jeweiligen Zeiten gelesen wurden, garniert. So entsteht ein sehr lebendiger und bildhafter Eindruck.

Insgesamt betrachtet, hat mir „Zeitenwende“ von allen Teilen weniger gut gefallen. Einerseits kam es mir sowohl bei den Ereignissen als auch bei der Betrachtung der Lebenswege der Figuren zu sehr „abgearbeitet“ vor. Andererseits hat mich der Roman nicht mehr so sehr berührt wie die Vorgänger. Während ich bei den anderen beiden Bänden öfter eine Träne verdrückt habe, ging es mir dieses Mal kaum nahe, und dass obwohl naturgemäß (aus Altersgründen) etliche Hauptpersonen verstorben sind.

© Tintenhain


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Leseprobe

Die Trilogie
1. Töchter einer neuen Zeit (2016) – Rezension
2. Zeiten des Aufbruchs (2017) – Rezension
3. Zeitenwende (2018)


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Trilogie, Band 3
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Kindler Verlag Rowohlt (25. September 2018)
ISBN-10: 9783463406848
ISBN-13: 978-3463406848
Preis: € 19,95 [D]
Rezensionsexemplar
Carmen Korn Zeitenwende Jahrhundert-Trilogie Cover
Cover © Rowohlt Verlag

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