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Chevy Stevens: Tief in den Wäldern [Rezension]

Cover Chevy Stevens: Tief in den Wäldern
Cover © Fischer Verlage

Seit Jahren verschwinden junge Frauen vom einsamen Cold Creek Highway im Nordwesten von Kanada. Das letzte Opfer ist noch nicht lange tot, der Mörder wurde nie gefunden. Nun geraten zwei gegensätzliche Frauen in sein Visier: Die toughe Hailey kennt die Wälder um Cold Creek wie ihre Westentasche. Als sie ein dunkles Geheimnis entdeckt, trifft sie eine unheilvolle Entscheidung. Ein Jahr später kommt Beth, ein Großstadtkind, nach Cold Creek – auf einer persönlichen Suche, die immer gefährlicher wird. (Inhaltsangabe © Fischer Verlage)

Laut und brummend schlängelt sich der Highway durch die großen Wälder Kanadas. Immer wieder verschwinden hier junge Frauen, vor allem Mädchen und Frauen der First Nations. Die Gefahr ist immer da und tief im Bewusstsein der Bevölkerung der Kleinstadt Cold Creek verankert. Als Haileys Vater bei einem Verkehrsunfall stirbt, wird das Mädchen zur Vollwaise und muss zu ihrem Onkel und Tante ziehen. Ihr Onkel Vaughn ist Polizist hier im Ort und verwarnt Hailey immer wieder aufzupassen, nicht an den See zu gehen und rückt ihr die Gefahren des Highways stets ins Bewusstsein. Hailey, die immer selbstständig und unabhängig war, erlebt den Druck des Onkels als kaum aushaltbar. Sie beginnt, ihm nachzuspionieren und findet dabei Ungeheuerliches heraus. Bald wird die Gefahr für sie so groß, dass ihr nur noch die Flucht in die Wälder bleibt.

Chevy Stevens entwickelt ein bedrohliches Szenario mit unheimlicher Atmosphäre. Es gelingt ihr, die Wildheit der kanadischen Wälder einzufangen und ein authentisches Bild vom Leben in der Wildnis zu zeichnen. Die flirrende Hitze des Sommers, das ausgelassene Treiben der Jugendlichen am See, der die einzige Abwechslung im tristen Alltag Cold Creeks bildet, und die stets lauernde Gefahr des Highways bilden eine Atmosphäre, die düster und geheimnisvoll ist. Der Roman ist in drei Teile gegliedert: Zunächst verfolgen wir das Geschehen aus Sicht von Hailey. Im zweiten Teil werden wir uns mit Beth auf die Suche nach ihrer ermordeten Schwester setzen. Der dritte Teil führt zum actiongeladenen Showdown.

Mir haben vor allem die sehr lebendigen und authentisch ausgearbeiteten Figuren sehr gut gefallen. Hailey ist eine selbstbewusste junge Frau, die von ihrem Vater das Leben in den Wäldern gelernt hat und gut selbst weiß, wie sie auf sich aufpassen muss. Ihre tiefe Freundschaft zu Jonny, ihrem Freund seit Kindertagen, ist berührend und sie trägt das Gute an der Geschichte, an das man unbedingt glauben möchte.

Chevy Stevens würzt ihre Geschichte immer wieder mit actiongeladenen Szenen, die an manchen Stellen geradezu an Filmstunts erinnern, und dadurch leider auch etwas unglaubwürdig daherkommen. Ich habe “Tief in den Wäldern” zeitweise mit angehaltenem Atem gelesen. Die Spannung ist durchgängig hoch und ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Zwar konnte ich manche der von Gewalt geprägten Szenen kaum ertragen, doch gehört Chevy Stevens zu den Spannungsgarantinnen, die ich gern weiter lesen möchte.

Die Geschichte beruht übrigens auf wahren Begebenheiten. Am “Highway of Tears“, einem ca. 700km langen Abschnitt des Highway 16 zwischen Prince George und Prince Rupert, kommt es seit den 70er Jahren immer wieder zu Vermisstenfällen und Mordopfern, vor allem von indigenen Mädchen und Frauen. Die meisten Fälle sind bis heute ungelöst.

© Tintenhain


Leseprobe

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Einzelband
Broschiert: 464 Seiten
Verlag: ‎ FISCHER Scherz (29. Juni 2022)
Originaltitel: Dark Roads (2020)
Übersetzung aus dem Kanadischen:
Maria Poets
ISBN-10: 3651025934
ISBN-13‏: ‎ 978-3651025936
Preis: € 16,00 [D]
auch als e-Book
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