Sarah Pinborough: Sie weiß von dir [Rezension]

Cover (c) Rowohlt Verlag

Beinahe wäre Louise mit dem netten Mann aus dem Pub im Bett gelandet. Ein paar Tage später dann der Schock: David ist ihr neuer Chef. Und verheiratet.
Kurz darauf lernt Louise auf der Straße durch Zufall eine Frau kennen. Seine Frau. Bald sind die beiden Freundinnen. Keine gute Idee.
Adele ist sehr schön und sie wirkt sehr verletzlich. Nach und nach verrät sie Luise Erschreckendes über ihre Ehe. Und Louise spürt: Sie hat sich in eine heikle Lage gebracht. Was sie nicht weiß: Die Begegnung mit Adele war kein Zufall. Adele hat einen Plan. Doch es ist keine Intrige aus Eifersucht. Es ist viel, viel schlimmer. (Klappentext)

Ein toller Klappentext, nach dessen Lektüre ich sofort wusste, dass ich dieses Buch lesen wollte. Die Ausgangssituation ist vielversprechend. Zwei Frauen, die dasselbe wollen: David, einen charmanten, gut aussehenden Mann, der erfolgreich als Psychiater praktiziert. Zwei Frauen, deren Freundschaft unterschiedlich motiviert ist: Louise auf der Suche nach einer Freundin, Adele mit einem perfiden Plan, der sich erst nach und nach offenbart.

Der Einstieg ins Buch gelingt leicht und die wechselnde Erzählperspektive zwischen Adele und Louise bringt Abwechslung. Ein dritter Erzählstrang gibt von Zeit zu Zeit Einblicke in die Adeles Vergangenheit. Doch die Autorin verliert sich zuweilen im Erzählen, so dass zumindest keine atemlose Spannung aufkommt, dafür aber ein stimmiges und intensives Bild entsteht. Doch die Story bleibt stets interessant, so dass ich immer wieder zum Buch gegriffen habe, um weiterzulesen. Denn schon früh ist klar, dass Adele etwas im Schilde führt und man hat wirklich keine Ahnung, worauf das Ganze hinaus laufen soll. Auch blieb ich lange Zeit ambivalent, ob ich wirklich Partei für eine der beiden Frauen ergreifen wollte. Die beiden ich-erzählenden Hauptcharaktere sind lebendig und ausgereift gezeichnet und in sich glaubwürdig. Doch wem soll man trauen? David, der Mann, um den es sich dreht, bleibt hingegen unbefriedigend blass. Jedoch erhält man als Leser einen sehr bildhaften Eindruck von den Orten und der Umgebung, die in dem Roman eine Rolle spielen.

Die Story ist geschickt aufgebaut und es zeichnet sich recht schnell ein Psychodrama ab, bei dem man einer Lösung entgegen fiebert, auch wenn der Weg dahin zuweilen etwas langatmig gerät. Lange lebt die Story von Andeutungen, die einer Aufklärung bedürfen und den Leser zuweilen auf falsche Fährten locken. Auch Adeles Motivation bleibt rätselhaft und fast bis zum Schluss völlig im Dunkeln. Mit der schleichenden Einführung eines esoterischen Elements ahnt man, das es eine tragende Rolle spielen wird, wenn auch noch nicht, wie. Doch mit diesem plötzlichen Auftauchen des Übersinnlichen habe ich nicht gerechnet. Auch wenn mir die Idee dahinter sehr gefällt, so wollte ich doch eine Lösung für ein verzwicktes Rätsel, auf die ich einfach selbst nicht kommen würde. Es muss an dieser Stelle der Fairness halber klar gestellt werden, dass die Idee keineswegs als Notbehelf, sondern als Grundidee zu sehen ist. Doch ich bin bei der Wahl des Buches von einem reinen Psychothriller ausgegangen und fühlte mich ein klitzekleines bisschen betrogen. Aber, glaubt mir, das Ende entschädigt dafür umso mehr. Damit habe ich nämlich auch nicht gerechnet und ich habe das Buch völlig fassungslos zugeklappt und bereue keineswegs, es gelesen zu haben.

Ein unterhaltsames Psychodrama mit interessanten Figuren und einem ausgeklügelten Plot für Leser, die einem Hauch des Übersinnlichen nicht abgeneigt sind.

© Tintenhain

weitere Rezensionen von Bloggern
In Büchern leben
Nisnis‘ Bücherliebe
World of Books and Dreams

 

Werbung

Sarah Pinborough: Sie weiß von dir

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (20. Januar 2017)
Originaltitel: Behind Her Eyes
Übersetzung aus dem Englischen:
Ulrike Thiesmeyer
ISBN-10: 3499272652
ISBN-13: 978-3499272653
Preis: € 9,99 [D]
Rezensionsexemplar

Cover (c) Rowohlt Verlag

23 Kommentare

  1. Was genau heißt „übersinnlich“ bzw wie weit kommt das im Buch vor? Ich überlege schon länger es zu lesen, aber Übersinnliches ist do. gar nicht meine 🙈

      1. Ach so :/ Oke, aber ich denke das hört sich eher noch vertretbar an. Würden jetzt in der Story plötzlich mythische Kreaturen im „wahren Leben“ vorkommen, wäre das schon doof 😅

      2. Das ist wohl ein Zähler für die Bewertung von Kommentaren. Den Link sieht man nur im WordPress-Tool bei den Kommentaren. Im Browser sieht man Daumen hoch oder runter.

  2. Mit dem Buch liebäugle ich immer mal wieder & ich liebe ja Psychothriller mit gut ausgearbeiteten Figuren. Bin mir aber eher unschlüssig nach deiner Rezi bezgl. der auf sich wartenden Spannung und dem Übersinnlichem nicht abgeneigt …

    Liebe Grüße!

    1. Atemlos spannend fand ich es nicht, bin leider aber nicht viel zum Lesen am Stück gekommen (zeitlich bedingt), sondern habe ich mich besonders anfangs immer von Seite zu Seite gehangelt. Aber wie gesagt, ich habe es auch immer wieder gern zur Hand genommen. Uneingeschränkt und euphorisch jubelnd empfehlen kann ich es nicht.

      1. Nein, noch nicht. Ich hole es morgen erst in der Buchhandlung ab. Dorthin habe ich es mir schicken lassen und habe somit die Versandkosten gespart.

  3. Hallo Mona, das Buch interessierte mich, bis du das esoterische Element erwähntest….das mag ich so gar nicht…also gut, dass ich davon weiß 🙂
    Liebe Lesegrüße, Heike

  4. Habe schon von dem Buch gehört. Das mit dem Übersinnlichen ist mir allerdings neu. Weiß noch nicht, wir ich das finde. Bin aber gespannt, deine Beschreibung macht mich neugierig und ich habe Lust das Buch zu lesen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.