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JP Delaney: Tot bist du perfekt [Rezension]

JP Delaney Tot bist du perfekt
Cover © Penguin Verlag

Du schlägst die Augen auf und etwas stimmt nicht. Du weißt nicht, was dir passiert ist. Du liegst in einem fremden Bett. In einem Krankenhaus. Neben dir steht dein Mann Tim, ein erfolgreicher Unternehmer. Er hat Tränen in den Augen, weil du – seine geliebte, perfekte Frau – am Leben bist. Du denkst, du hättest einen schweren Unfall gehabt. Doch dann sagt Tim: Wir haben jahrelang daran gearbeitet, dass ich dich wiederbekommen konnte…
Du entdeckst dein Leben wie mit fremden Augen. Du ahnst Gefahr, aber du weißt nicht, wo genau sie lauert. Du weißt nur: Du musst wachsam sein. Denn irgendwo in deinem schönen Haus, bei deinen Liebsten liegt der Grund dafür – der Grund, warum du vor Jahren gestorben bist.  (Inhaltsangabe © Penguin Random House)

Ich habe dieses Buch im Vertrauen darauf begonnen, dass es gut sein würde, ohne den Klappentext zu lesen. Einfach anfangen, ohne zu wissen, wohin die Reise gehen wird. Eine gute Entscheidung und vielleicht solltest du an dieser Stelle aufhören diese Rezension zu lesen. Die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn sie woanders hinführte als erwartet.

Ich hatte nämlich nicht damit gerechnet, dass es sich um das Thema Künstliche Intelligenz dreht. Nichts anderes nämlich ist Abbie, die mit dem Bewusstsein von Abigail Cullen-Scott aufwacht. Die perfekte Ehefrau von Tim Scott, dem genialen und visionären Gründer der Hightech-Firma Scott Robotics. Sie ist ein sogenannter Cobot, ein Roboter in Menschengestalt, der entwickelt wurde, um Angehörige über den Verlust eines geliebten Menschen hinwegzutrösten. Während Abbie sich in ihre Rolle hineinfindet und sich zu den Bruchstücken an eingespeisten Informationen auch immer mehr Erinnerungen gesellen, erfährt sie schon bald, dass die echte Abbie vor fünf Jahren verschwunden ist. Oder aber wurde sie vielleicht doch ermordet, wie Detective Tanner auch nach fünf Jahren noch überzeugt ist?

„Tot bist du perfekt“ hat mich von Anfang an mitreißen können. Nachdem ich mich erst einmal darauf eingestellt hatte, dass die Protagonistin ein selbstlernender Roboter ist, der das perfekte Abbild einer verschwundenen Frau darstellt, fieberte ich mit, herauszufinden, was wohl damals geschehen ist und vor allem auch, warum Tim Scott seine Abbie auf diese Weise ins Leben zurückgerufen hat.

Erzählt wird der Thriller aus zwei wechselnden Perspektiven. Da ist einmal die Erzählstimme, die Abbies Perspektive übernimmt und dabei Abbie mit „du“ anspricht. Das ist zunächst ungewöhnlich, aber man gewöhnt sich schnell daran. Außerdem gibt es eine Erzählstimme, die in die Vergangenheit zurückblickt und mit „wir“ aufzeigt, wie die sich anbahnende und weiterentwickelnde Beziehung zwischen Tim und Abbie in der Firma wahrgenommen wurde. Damit nutzt Delaney einen recht ungewöhnlichen Erzählstil, der einerseits rätselhaft und andererseits herausfordernd ist. Mich hat er immer wieder zu neuen Spekulationen verleitet und ich habe das sehr genossen.

JP Delaney gelingt es, sehr bildhafte Figuren zu zeichnen, vor allem Tim Scott ist ein Charakter, der mich sehr beschäftigt hat. Abbie ist Künstlerin und eine sehr schillernde Gestalt, bei der man nicht so genau weiß, woran man ist. Interessant und vor allem auch sehr realistisch ist der kleine Sohn Danny, der an einer besonderen Form des Autismus leidet. Hier bringt der Autor auch persönliche Erfahrungen mit seinem eigenen Sohn mit ein. Der Schwerpunkt liegt übrigens nicht auf der künstlichen Intelligenz und es handelt sich nicht um einen Science-Thriller. Vielmehr steht das Rätsel um die Vergangenheit im Vordergrund und ich habe atemlos mitverfolgt, wie Abbie so langsam sich selbst auf die Spur kommt. Dabei konnte JP Delaney mich durchaus überraschen. Ich hatte zwischenzeitlich die krudesten Ideen, aber auf die naheliegendste kam ich dann nicht.

Für mich ist „Tot bist du perfekt“ der bisher beste Roman des Autors und ich freue mich auf weitere.

© Tintenhain


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Einzelband
Broschiert: 448 Seiten
Verlag: Penguin Verlag (9. März 2020)
Originaltitel: The Perfect Wife (2019)
Übersetzung aus dem Englischen: Sibylle Schmidt
ISBN-10: 3328104593
ISBN-13: 978-3328104599
Preis: € 13,00 [D]
Rezensionsexemplar
JP Delaney Tot bist du perfekt
Cover © Penguin Verlag

2 Kommentare

  1. Hey Mona,
    ich habe das Buch heute beendet und mir hat es auch richtig gut gefallen! Die Erzählweise fand ich wirklich großartig und sie hat mich auch zu unglaublich vielen Theorien verleitet. Es war wirklich ein tolles Leseerlebnis!
    Liebe Grüße!
    Anna

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