Harlan Coben: Suche mich nicht [Rezension]

Cover Harlan Coben Suche mich nicht
Cover © Goldmann Verlag

Für Simon wird ein Alptraum wahr, als seine Tochter Paige von einem Tag auf den anderen verschwindet. Hinterlassen hat sie eine Botschaft, in der sie klar macht, dass sie nicht gefunden werden will. Panisch begibt sich Simon auf die Suche, und als er Paige im Central Park tatsächlich entdeckt, erkennt er seine Tochter nicht wieder. Denn diese junge Frau ist völlig verstört und voller Angst. Sie flieht vor ihm, und Simon hat nur eine Chance, wenn er sie retten will: Er muss ihr in die dunkle und gefährliche Welt folgen, in deren Sog sie verloren ging. Und was er dort entdeckt, reißt ihn und seine gesamte Familie in einen Abgrund … (Inhaltsangabe © Goldmann Verlag)

Ich freue mich auf jedes neue Buch von Harlan Coben wie ein Kind auf Weihnachten. Ich liebe seine Art zu schreiben und lasse mich jedes Mal aufs Neue von seinen Geschichten fesseln. Seit „Ich finde dich„, auf das ich zufällig vor fast drei Jahren aufmerksam wurde, liebe ich seine Bücher. Auch seine beiden Miniserien fürs Fernsehen „Safe“ und „The Five“ habe ich mir angeschaut. Mehrfach habe ich in sozialen Netzwerken die Kritik gelesen, dass Cobens Bücher einander ähneln. „Kennst du eines, kennst du alle!“ In gewisser Weise ist das richtig. Meist verschwinden Personen oder sie werden längst für tot gehalten, bis es Hinweise gibt, die Zweifel säen. Eine Lawine kommt ins Rollen und am Ende ist alles anders als gedacht.

Und genau das liebe ich so an den Büchern! Ich bin jedes Mal – mal mehr, mal weniger – entsetzt, was den Protagonist*innen zustößt und genieße es, auf einer Achterbahn der Gefühle und Verdachtsmomente, das Geheimnis dahinter zu lüften.

In Harlan Cobens neuem Thriller „Suche mich nicht“ geht es mit Simon Greene um einen Vater, dem die erwachsene Tochter entgleitet. Seit sie die Familie verlassen hat, ist sie spurlos verschwunden. Doch dann sieht Simon Paige im Central Park, wo sie mit Gesang ein paar Dollar verdienen will. Simon ist entsetzt. Man sieht der jungen Frau an, dass sie Drogen nimmt, sie ist abgerissen und er hat sie kaum erkannt. Schuld an allem gibt er ihrem Freund Aaron, der einen schlechten Einfluss auf das Mädchen hat und mit dem er beinahe in eine Prügelei gerät. Wieder ist Paige verschwunden. Bis die Polizei an der Tür klingelt. Ein Mord ist geschehen und Paige scheint darin verwickelt zu sein. Simon und seine Frau Ingrid versuchen herauszufinden, was geschehen ist und vor allem müssen sie Paige finden. Ihr Weg führt sie durch einen Sumpf aus Drogen und Gewalt, einer Sekte und einem Geheimnis, das ihr Leben bedroht.

Mich hat Harlan Coben wieder einmal bereits auf den ersten Seiten abgeholt und nicht wieder losgelassen. Das Ausgangsszenario klingt vielleicht banal, doch schnell zeigt sich, dass hier viel mehr dahinter steckt als nur der Ausflug einer in Wohlstand aufgewachsenen College-Studentin ins Drogenmilieu. Dass dieses jedoch nicht ganz ohne ist, müssen Simon und Ingrid schnell und auf die harte Tour kennen lernen. Auch wenn ich bei Coben sehr zu schätzen weiß, dass er eine gewisse Grenze bei Beschreibungen von Ekel und unnötigen Grausamkeiten nicht überschreitet, ist es unerlässlich, die „Gesetze der Straße“ realistisch zu beschreiben.

Spannung ergibt sich auch durch einen zweiten, auf den ersten Blick unabhängigen, Handlungsstrang, in dem ein junges Pärchen Auftragsmorde begeht, von denen weder klar ist, wer sie gegeben hat, noch was dahinter steckt. Schnell entwickelt sich der Thriller in eine ungeahnte Richtung mit einem spannenden Hintergrund. Da ich nicht spoilern will, müsst ihr mir jetzt einfach mal glauben.

Was mich neben den ungeahnten Wendungen und interessanten Themen immer wieder zu Cobens Büchern greifen lässt, ist einmal sein packender Schreibstil, aber auch die wirklich immer sehr gut ausgearbeiteten, lebendigen und authentischen Figuren. Inzwischen würde ich sagen, dass ich seine Texte am Stil erkennen kann, ein Grundton, der mir das Gefühl von „Heimkommen“ vermittelt. So geht es mir eigentlich sonst nur bei Stephen King, ohne die beiden miteinander vergleichen zu wollen. Ich mag die lebendigen Dialoge und bildhaften Beschreibungen.

Cobens Figuren haben stets Tiefgang und dabei ist es unerheblich, ob sie sich auf der Seite der „Guten“ oder der „Bösen“ befinden. Man kann sich schnell mit den Personen identifizieren und ihre Handlungsweisen sind nachvollziehbar, ob in die eine oder in die andere Richtung. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Sache wohl eher der Polizei überlassen hätte. Ich habe wohl eher nicht das Potenzial eine Buchheldin zu werden. Wobei, dabei fällt mir ein: Harlan Coben bietet seinen Leser*innen an, im Gegenzug für eine Spende an eine Wohltätigkeitsorganisation seiner Wahl, ihren Namen in einem Buch zu verwenden. Diese werden dann in der Danksagung noch einmal erwähnt.

Also, ihr habt es schon gemerkt: Ihr lest hier von einem Fan und mir hat das Buch wieder richtig gut gefallen, vielleicht nicht mehr ganz so geflasht wie beim ersten Mal, aber wieder einmal schnell und gern gelesen. Und ja, er hat mich auch dieses Mal wieder mit einem überraschenden Ende verblüffen können, auch wenn ich dachte, ich wäre schon frühzeitig auf der richtigen Spur gewesen.

© Tintenhain

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Einzelband
Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (18. Juni 2019)
Originaltitel: Run Away (2019)
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Gunnar Kwisinski
ISBN-10: 344220545X
ISBN-13: 978-3442205455
Preis: € 15,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Harlan Coben Suche mich nicht
Cover © Goldmann Verlag

10 Kommentare

  1. Ach, schön, dass du so begeistert bist. Ich habe das Buch gerade am Donnerstag in einer Buchhandlung entdeckt und mit nach Hause genommen.
    Ich habe deine Rezension jetzt erstmal nur querüberflogen, aber freue mich nun noch etwas mehr auf das Lesen!

    Liebe Grüße, Tine

  2. Hallo Mona,
    das klingt total spannend 😍 Ich bin seit einiger Zeit auf der Suche nach einem richtig guten Thriller – „Suche mich nicht“ setze ich somit auf meine Liste. Die Inhaltsangabe alleine hätte mich nicht wirklich neugierig machen können auf das Buch (irgendwie ähnelt sich alles immer ein bisschen), deine Rezension hat es jedoch geschafft. Deine Begeisterung für das Buch merkt man richtig 😊

    Viele Grüße
    Kristin

    1. Hallo Kristin,

      es ist wahrscheinlich gar nicht so einfach für seine Bücher einen Klappentext zu schreiben, dabei neugierig zu machen und nicht zu viel zu verraten. Ich kann dir auch „Ich finde dich“ oder „Das Grab im Wald“ sehr empfehlen. Da hat man auch dieses Ausgangsszenario, das mich jedes Mal (bildlich) mit offenem Mund da sitzen lässt und man fragt sich „Und jetzt?“

      Liebe Grüße
      Mona

  3. Das mit mir und Coben hatten wir ja schon mal 😀 Fein, wenn der Autor dich immer wieder begeistern kann! Ich glaube ein Titel von ihm hab ich noch *grübel – also noch eine Chance für ihn, mal sehen ob er mich damit besser abholen kann (wenn ich denn wirkliche in Buch noch hier habe, frag mich also gar nicht erst nach dem Titel *lach)

    Hab einen mukkeligen Montagabend!

    1. Ja, unser Austausch auf Twitter und die immer wiederkehrenden Kommentare in der Thriller-Facebook-Gruppe haben dazu beigetragen, dass das hier keine typische Rezension geworden ist. 😀
      Guck mal nach, welches Buch du da hast! Ich fand „Ich finde dich“ und „Das Grab im Wald“ besonders gut. Alle habe ich aber auch noch nicht gelesen. Zu viele hintereinander könnten tatsächlich langweilig werden.

      Liebe Grüße
      Mona

  4. Hallo Mona,
    ich freue mich. das ich gerade über deine Rezension gestolpert bin. Bin schon ein paar Mal an dem Buch vorbei gelaufen und habe jetzt lange genug überlegt und werde es lesen. Du hast mich überzeugt.
    Ich dachte auch, der Klappentext klingt so lapidar und irgendwie nach genau dem was man von ihm kennt, das wird bestimmt ein Abklatsch. Nach Beenden des Buches kann ich deine Meinung hoffentlich teilen und mich in Zukunft wieder auf neue Harlan Coban freuen.

    Viele liebe Grüße
    Rena

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