Harlan Coben: Honeymoon [Rezension]

Cover Harlan Coben Honeymoon
Cover © Goldmann Verlag

Für Exmodel Laura und Basketballstar David war es Liebe auf den ersten Blick. Nach der Hochzeit scheint das Glück perfekt – bis es auf der Hochzeitsreise zur Katastrophe kommt: Bei einem morgendlichen Ausflug zum Strand verschwindet David spurlos und wird nach vergeblicher Suche zum Opfer der tückischen Strömung erklärt. Laura ist ebenso fassungslos wie ungläubig. David war Leistungssportler, ist er wirklich ertrunken? Oder steckt etwas anderes hinter seinem Verschwinden? Hat sie dem falschen Mann vertraut? Laura stellt eigene Nachforschungen an und kommt einer Verschwörung auf die Spur, die mehr als nur ein Opfer fordern wird… (Inhaltsangabe © Goldmann Verlag)

Schon wieder Harlan Coben mit einer Neuerscheinung im Tintenhain! Doch halt, bei „Honeymoon“ handelt es sich zwar um eine deutsche Erstveröffentlichung, jedoch erschien der Thriller bereits 1990 mit dem Titel „Play dead“ und ist damit Harlan Cobens erster veröffentlichter Roman in den USA. In einem Vorwort bittet der Autor daher auch um Nachsicht, denn auch wenn er heute einiges anders machen würde, so hat er sein Frühwerk nicht überarbeitet. Ob man es dem Thriller anmerkt?

Es geht um das Ex-Model Laura, das sich in den Flitterwochen mit Basketballstar David Baskin in Australien befindet. Es ist die große Liebe, das perfekte Glück. Doch dann kommt David von einem Ausflug ans Meer nicht zurück. Die Suche zieht sich hin und Laura ruft Davids besten Freund und Polizisten T.C. zu Hilfe. Kurz darauf wird eine Leiche gefunden und T.C. kann zu Lauras großem Entsetzen David identifizieren. Als Laura nach Boston zurückkommt, wurde bei ihr eingebrochen. Immer mehr Ungereimtheiten tauchen auf und es verdichten sich die Hinweise, dass hinter Davids Tod mehr stecken muss. Laura kommt einer Verschwörung auf die Spur, die ihren Anfang in einem College in den 60er Jahren findet.

„Honeymoon“ hat mich sehr schnell fesseln können und obwohl recht früh klar wird, dass hinter Davids Verschwinden ein abgekartetes Spiel steckt, entwickelt sich der Thriller schnell zum Pageturner. Ich liebe Cobens Erzählstil, der schnell, klar und sehr bildhaft ist. Zeitweise hat man regelrechte Filmszenen vor Augen, die dramaturgisch gut aufgebaut sind. Die Rückblenden sind vom Erzählstil allerdings etwas merkwürdig. Kursiv gesetzte Absätze, zum Teil durchsetzt mit Gedanken aus der Gegenwart. Das lässt sich sicher auch besser gestalten.

Sehr genervt war ich vom Frauenbild in „Honeymoon“, da scheinen die Hormone mit dem Autor durchgegangen zu sein. Die Frauen sind allesamt wunderschön – eine schöner als die andere. Die Männer sabbern geradezu, wenn eine von ihnen auftaucht. Dabei ist im Übrigen unerheblich, ob die Frau jung oder alt, Model oder Sekretärin ist.
Davon abgesehen mochte ich die Charakterzeichnung der Figuren. Sie sind lebendig, bildhaft und authentisch. Auch haben sie meist Ecken und Kanten, und vor allem verhalten sie sich glaubhaft. Okay, bis auf Stan, Davids Bruder, der durch die Liebe gewandelt wird. Das ist irgendwie bescheuert, jedenfalls bei so einem A**loch wie diesem hier.

Großen Raum nimmt bei Coben das Basketballspiel ein, hier merkt man, dass ein Profi erzählt. In „Honeymoon“ merkt man das besonders stark, natürlich auch, weil David Basketballspieler ist/war. Es ist einerseits interessant, aber wenn man sich nicht besonders für Sport und die NBA interessiert, kann es auch zu detailliert werden. Ein Punkt, der mich bisher von seiner Myron-Bolitar-Reihe abgehalten hat.

Die Handlung des Thrillers ist jedoch gut konstruiert, vielleicht auch schon mit etwas zu vielen Wendungen. Obwohl für den Leser recht schnell klar ist, was mit David passiert, bleiben die Gründe dafür lange im Unklaren. Hier wartet Coben vor allem zum Ende hin immer wieder mit Überraschungen auf, die die Seiten nur so dahin fliegen lassen.

Trotz des überstrapazierten Wortes „Schönheit“ und kleinerer Schwächen hat mich „Honeymoon“ unglaublich gefesselt, so dass ich das Buch an einem Tag gelesen habe. Ich wäre Harlan Coben auch bei seinem Erstlingswerk verfallen. Ich war geschockt, fassungslos, aufgeregt und gerührt im Wechsel.

Ich finde es toll, dass Goldmann das Buch auch im Deutschen veröffentlicht hat, auch wenn deutlich ist, dass Harlan Coben sich in seinen späteren Büchern deutlich gesteigert hat. Für Fans trotzdem ein Muss!

© Tintenhain


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Einzelband
Taschenbuch: 640 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (15. Juli 2019)
Originaltitel: Play Dead (1990)
Übersetzung aus dem Amerikanischen:
Charlotte Breuer, Norbert Möllemann
ISBN-10: 3442484642
ISBN-13: 978-3442484645
Preis: € 10,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Harlan Coben Honeymoon
Cover © Goldmann Verlag

3 Kommentare

  1. Hallo

    HILFE! Jetzt habe ich doch gerade erst „Suche mich nicht“ gelesen & gedacht, dass ich im nächsten Frühling dann wieder Nachschub kriege, aber jetzt ist schon wieder was erschienen. Jetzt muss ich es lesen & mein SuB verträgt das nicht mehr…

    Herzlich & danke für die Rezension & das Aufmerksam machen

    Josia

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