Stephen King: Friedhof der Kuscheltiere [Rezension]

Stephen Kind Friedhof der Kuscheltiere Cover
Cover © Heyne

Louis Creed zieht mit seiner Frau Rachel, seinen beiden kleinen Kindern und dem Kater Winston Churchill in eine kleine, beschauliche Stadt in Maine. Zu dem Stückchen Land, auf dem sie nun leben, gehört ein dichter Wald mit einem kleinen Tierfriedhof, auf dem die Kinder der Umgebung schon seit Ewigkeiten ihre verstorbenen Haustiere beerdigen. Als Kater Church auf seinen Streifzügen von einem Laster erfasst wird, soll auch er einen Platz auf dem Tierfriedhof bekommen. Doch Nachbar Jud Crandall hat eine bessere Idee. Hinter dem Friedhof liegt eine alte indianische Ruhestätte, die über die Macht verfügt, Tote zurück ins Leben zu holen. (Inhaltsangabe)

Was würdest du tun, wenn du dein geliebtes Haustier wieder zum Leben erwecken könntest? Oder gar einen geliebten Menschen? Der Arzt Louis Creed zieht mit seiner Familie nach Ludlow, um dort einen Job an der University of Maine zu beginnen. Einziges Manko an dem hübsch gelegenen Einfamilienhaus, in dem sich die Kinder Ellie und Gage mit der Katze Church gleich wohlfühlen, ist die stark befahrene Route 15. Mit dem alteingesessenen Nachbarn Jud Crandall freundet sich die Familie schnell an, für Louis fühlt es sich an, als habe er einen zweiten Vater gefunden.

Gleich am ersten Arbeitstag erwartet Louis ein schockierendes Erlebnis. Der Student Victor Pascow wird angefahren und stirbt auf der Krankenstation. Im Traum erscheint Victor dem Arzt und führt ihn auf den Tierfriedhof, der hinter dem Haus  der Creeds liegt und den sie bereits mit Jud Crandall besucht haben. Victor spricht eine deutliche Warnung aus und als Louis am nächsten Morgen mit schmutzigen Füßen erwacht, ist er nicht mehr sicher, was Traum und was Wahrheit ist.

Das Drama kommt ins Rollen, als Ellies Kater Church von einem Laster getötet wird. Louis weiß nicht, wie er es seiner Tochter erklären soll. Insbesondere seine Frau Rachel steht der Akzeptanz von Tod und Vergänglichkeit ablehnend gegenüber. Doch da erzählt Jud, dass es hinter dem Friedhof noch weitergeht – zu einer indianischen Begräbnisstätte. Hier könnte die Lösung für Louis‘ Problem liegen. Doch ist es wirklich Church, der am nächsten Tag vor der Tür steht?!

„Friedhof der Kuscheltiere“ war vor fast 30 Jahren das erste Buch, das ich von Stephen King las. Es sollten noch sehr viele folgen. Anlässlich der Neuverfilmung des Stoffes unter der Regie von Kevin Kölsch und Dennis Widmyer habe ich den Roman nun noch einmal gelesen. Inzwischen mit einem veränderten Blick, aber immer noch mit ein wenig wohligem Grusel.

Stephen King zeichnet das Bild einer gut situierten, kleinen Familie an einem Ort, an dem die Welt noch in Ordnung ist. Bis die vermeintliche Idylle drastisch gestört wird. Ein wiederkehrendes Motiv des Autors, der mit seinen Romanen und Geschichten auch immer eigene Ängste verarbeitet. So lebte King selbst mit seiner Familie an einer stark befahrenen Straße und es war sein Sohn Owen, der einem steigenden Drachen nachlief.

In „Friedhof der Kuscheltiere“  ist  der Tod das zentrale Thema. Rachel leidet unter einem Kindheitstrauma, seit ihre schwer kranken Schwester Zelda starb, während die kleine Rachel allein mit ihr war. Seither weigert sie sich über den Tod zu sprechen und auch von ihren Kindern möchte sie das Thema möglichst fern halten. Ganz anders geht der ältere Nachbar Jud, der schon viele Menschen hat gehen lassen müssen, mit dem Thema um. Louis selbst ist gefangen zwischen seinem medizinischen Wissen und seinen Erfahrungen als Arzt und dem Wunsch, Rachel zu unterstützen.

Der Roman ist im typischen frühen King-Stil geschrieben und spielt mit dem Gedanken von Tod, Trauer und Wiederauferstehung. Dabei verwendet King sowohl biblische Motive als auch die indianischen Legenden um den Wendigo. Die Geschichte ist ziemlich vorhersehbar, büßt dabei aber nichts von ihrem Schrecken ein. Ein wenig empfand ich die Story dieses Mal als gedehnt und unnötig ausgeweitet.

Nach wie vor beeindruckt mich die Figurenzeichnung bei Stephen King. Die Personen waren mir trotz der langen Zeit sofort wieder vertraut. Es war auch nach fast 30 Jahren als ob ich alte Bekannte wiedertreffen würde. Den Film werde ich mir auf jeden Fall anschauen. Filmstart in Deutschland ist der 4. April 2019.

© Tintenhain


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Stephen King: Friedhof der Kuscheltiere

Einzelband
Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (11. März 2019)
Originaltitel: Pet Sematary (1983)
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Christel Wiemken
ISBN-10: 3453435796
ISBN-13: 978-3-453-50407-3
Preis: € 10,99 [D]
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Cover Filmausgabe Stephen King Friedhof der Kuscheltiere
Cover © Heyne Verlag

9 Kommentare

  1. Hallo und guten Tag,

    ja, ich besitze auch noch die alte Ausgabe und habe mir gestern auch im TV die alte Variante angeschaut.
    Wer hat Stepen King im Film erkannt?
    Es ist halt der Grusel , der damaligen Zeit….bin daher gespannt mit welchen Mitteln im neuen Kinofilm gearbeitet wird….

    LG..Karin…

    1. Bei mir ist der erste Film schon ewig her. Ich kann mich kaum erinnern. Aber beim Buch war ich sofort wieder drin.
      Der Film wird vermutlich sehr viel mit Splatter und Schock arbeiten, ich fand das bei „Es“ schon zuviel, um die Story überhaupt noch zu erkennen.
      Ich bin auf jeden Fall gespannt!

  2. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass es eine Neuverfilmung gibt, habe das Buch auch vor ungefähr 25 Jahren gelesen und wollte es schon lange mal wieder rauskramen. Gute Gelegenheit!

    1. Ich bin schon gespannt auf den Film, wobei ich mal vermute, dass er vorwiegend aus Schockeffekten bestehen wird. Dann muss ich eher lachen. Bei „Es“ fand ich die Neuverfilmung auch schon weniger gruselig.

  3. Das war damals der Fortsetzungsroman im Stern. Ich habe ihn gelesen, muss in der 7. oder 8. Klassen gewesen sein und musste dann zur Lehrerin, weil ich die Geschichte in Kurzform nachts auf Klassenfahrt erzählt habe. Den Film würde ich mir nicht angucken, aber ich glaube, das Buch lese ich bald nochmal.

    1. Oh, ich wusste gar nicht, dass es das Buch als Fortsetzungsroman gab.
      Ich hab das Buch in der 9. Klasse gelesen. Da kursierte es auf dem Schulhof. Wofür Schule doch alles gut ist!

  4. Hallo Mona,

    es war mein allererstes Buch von King und ich habe es nach Jahrzehnten gehört. Es hat mich genau wie damals gepackt. Es ist definitiv mein Lieblingsbuch vom Meister – und ich finde es verdammt gruselig.

    Liebe Grüße,
    Nicole

  5. Hallo Mona,

    ein re-read von „Friedhof der Kuscheltiere“ ist eine gute Idee! Es war zwar nicht mein allererstes Buch von Stephen King, das war „ES“, aber es ist ungefähr gleich lang her (oh weh, wir werden alt…)
    Mein Vater hat mir damals 50 Mark angeboten damit ich mir etwas anständiges zu lesen kaufen kann, wenn ich „Es“ in die Bibliothek zurückbringe.
    Liebe Grüsse Vera

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