Miika Nousiainen: Die Wurzel alles Guten [Rezension]

Cover Miika Nousiainen Die Wurzel alles Guten
Cover © Goldmann

Schon bei der Anmeldung ist es Pekka Kirnuvaara aufgefallen: Sein neuer Zahnarzt trägt denselben ungewöhnlichen Nachnamen wie er. Und er hat praktisch die gleiche Nase. Auf Pekkas bohrende Fragen nach Herkunft und Familie antwortet Esko seinerseits mit unablässigem Bohren. Erst kurz vor Ende der Behandlung gibt er endlich zu, dass sie Halbbrüder sein müssen – und willigt ein, mit Pekka nach dem gemeinsamen Vater zu suchen, der eine Spur von Nachkommen durch die halbe Welt gelegt hat. Eine verrückte Suche beginnt, die sie von Nordeuropa, über Asien nach Australien führt und Pekka und Esko endlich mit all ihren Halbgeschwistern vereinen soll. (Inhaltsangabe © Goldmann Verlag)

Kirnuvaara ist kein seltener Name – auch nicht in Finnland. Also ist Pekka gleich darauf fixiert, dass er mit seinem neuen Zahnarzt verwandet sein muss. Ganz unwahrscheinlich ist das nicht, denn sein Vater hat die Familie verlassen als Pekka noch klein war. Nur einen guten Rat hat er ihm mit auf den Weg gegeben: „Eine Axt haben und schneller sein, das ist bei einer Schlägerei die halbe Miete“. Zahnarzt Esko gibt nur widerwillig zu, dass er wohl ziemlich sicher Pekkas Halbbruder sein muss, denn ihnen beiden fehlen die Fünfer und das ist erblich. Auch hat er von seinem verschwundenen Vater exakt den selben Ratschlag mit ins Leben genommen.

Gemeinsam beschließen die beiden spät gefundenen Brüder, sich auf die Suche nach ihrem Vater zu begeben und treffen so auf ihre Schwestern Sari, Fai und Sunday. Die schräge und amüsante Reise führt um den halben Erdball und öffnet den Geschwistern den Blick auf ein neues Leben.

„Die Wurzel alles Guten“ ist ein witziger Roadtrip, der die Leser nach Finnland, Schweden, Thailand und Australien führt. Nicht nur die Brüder Pekka und Esko entdecken immer mehr Geschwister, auch die Leser lernen ganz nebenbei ein wenig Land und Leute kennen. Unterschwelliges Thema ist dabei immer der Umgang mit Migration, sei es die Einwanderung nach Finnland und Schweden oder die Emigration in andere Länder wie Thailand oder Australien. Es geht immer wieder auch darum, wer zuerst da war und welche Konsequenzen der Umgang mit den „Neuen“ hat. In erster Linie jedoch handelt „Die Wurzel alles Guten“ davon, was Familie ist und ob ein die Familie verlassender Vater nicht auch nachvollziehbare und verzeihbare Gründe haben kann.

Pekka und Esko, aus deren Perspektive der Roman erzählt wird, entdecken, wie schön es sein kann, Geschwister und eine gemeinsame Familiengeschichte zu haben. Auf der Suche nach dem Vater stöbern sie immer mehr Geschwister auf. Die Annäherung gerät mal laut mal leise, mal wiederstrebend, mal herzlich. Am Ende der Suche haben sich alle ein wenig verändert. Das Reisen und die Begegnung mit anderen Kulturen hilft vor allem Esko dabei, mal über den Tellerrand zu blicken und das eigene Leben in Frage zu stellen.

Miika Nousiainen erzählt lebhaft, humorvoll und mit viel Liebe für seine Protagonisten. Es ist herzerwärmend, wie der zurückhaltende, genügsame Esko sich von seinem tatkräftigen Bruder Pekka anstecken lässt und sich selbst neu entdecken kann. Die Geschwisterbeziehung wirkt dabei trotz aller Differenzen immer authentisch leicht und liebevoll, ohne kitschig zu werden. Der Originaltitel „Juurihoito“ bedeutet übrigens „Wurzelkanalbehandlung“ und der Roman ist in die Phasen der Behandlung eingeteilt und beschreibt den Prozess ausgehend vom Schmerz über die Behandlung bis zur Heilung.

Die Reise mit den beiden Halbbrüdern hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe mich mit ihnen über jedes neu gefundene Familienmitglied gefreut. Natürlich finden sie auch heraus, was eigentlich mit dem Vater geschah und warum er rund um den Erdball Nachkommen hinterlassen hat. Ich kann nur dazu raten, es selbst herauszufinden, indem ihr diesen witzigen, unterhaltsamen Roman lest. Ich kann es nur empfehlen.

© Tintenhain


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Einzelband
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (18. Februar 2019)
Originaltitel: Juurihoito (2016)
Übersetzung aus dem Finnischen: Elina Kritzokat
ISBN-10: 3442488214
ISBN-13: 978-3442488216
Preis: € 12,99 [D]
Bücherei
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4 Kommentare

  1. Hallo und guten Tag,

    bei diesem Autorennamen und der Geschichte habe ich gleich an Finland gedacht..komisch oder?

    LG..Karin..

    1. Ja, wie kommst du denn darauf?! 😀
      Tatsächlioch spielt das Buch nur zum Anfang in Finnland und dann… all around the world.
      Ich weiß gar nicht, wie ich es in die Weltenbummler-Challenge eintragen soll. 😀

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