Neal Shusterman & Jarrod Shusterman: Dry [Rezension]

Cover Neil Shusterman Dry
Cover © Fischer Sauerländer

Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr.
Niemand glaubte, dass es soweit kommen würde. Doch als Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, passiert nichts. Es kommt nicht ein Tropfen. Auch nicht bei den Nachbarn. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr. Die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht. Jetzt geht es ums Überleben.(Inhaltsangabe © Fischer Sauerländer)

Wer bisher keine Angst vor dem Klimawandel und seinen Folgen hatte, wird es nach der Lektüre dieses Buch anders sehen. Ich hatte jedenfalls ständig Bilder davon im Kopf, wie ich meinen Keller mit Wasservorräten bestücken würde. Nun ist es in Deutschland vielleicht (bisher) nicht ganz so krass wie in Kalifornien. Aber letzten Sommer hatten wir ja schon mal einen kleinen Vorgeschmack bekommen, wie es in Zukunft werden könnte. In Kalifornien gab es von 2011 bis 2016 eine lang anhaltende Dürre, von der vor allem die Landwirtschaft stark betroffen war. Die Bevölkerung wurde zum Wassersparen aufgerufen. Auch in normalen Niederschlagsjahren ist in Kalifornien der Wasserverbrauch höher als die natürliche Zulieferung, so dass der Grundwasserspiegel abnimmt.

In „Dry“, das Neil Shusterman gemeinsam mit seinem Sohn Jared Shusterman geschrieben hat, wird ein Szenario entworfen, in dem es von einem Tag auf den anderen kein Wasser mehr gibt. Die Nachbarstaaten Arizona und Nevada drehen Kalifornien den Hahn ab. Das geht so plötzlich, dass man nicht einmal mehr die Zeit hat, die Wanne volllaufen zu lassen oder Kanister zu befüllen. Tap Out!

Während Keltons Familie sich bereits seit Jahren auf den „Ernstfall“ vorbereitet, kommt der Tap Out für die meisten Familien überraschend. So auch für Alyssa und ihre Familie. Als die Eltern sich auf den Weg zum Strand machen, wo Entsalzungsanlagen Trinkwasser versprechen, bleibt Alyssa mit ihrem jüngeren Bruder Garret allein zurück. Inzwischen dreht die Bevölkerung durch, Wasserzombies sind unterwegs und dürsten nach einem Tropfen Wasser während die Sonne unbarmherzig brennt. Zusammen mit Kelton machen sie sich auf den Weg, die Eltern zu suchen, die nicht mehr erreichbar sind.

Alyssa und Kelton sind ein ungleiches Paar. Er ist ein Nerd, ein Prepper (Leute, die sich auf Katastrophen mittels Selbstversorgung und Selbstverteidigung vorbereiten), und schon seit Jahren in seine Nachbarin Alyssa verliebt. Alyssa hingegen ist sportlich und beliebt und hört öfter auf ihr gutes Herz, als für das eigene Überleben geboten wäre. Garret als Jüngster im Bunde ringt stets um die Anerkennung der anderen. Auf ihrer Odyssee nach einem Zufluchtsort begegnet das Trio noch weiteren Jugendlichen: der Trebegängerin Jacqui, die sich irgendwie durchschlägt und deren Lebenserfahrung jetzt genau richtig kommt und Henry, einem ziemlich undurchsichtigen, aufs eigene Wohl bedachten Schaumschläger. Sie sind aufeinander angewiesen und wissen das. Gemeinsam müssen sie überleben, so lange es kein Wasser gibt.

Erzählt wird zunächst abwechselnd aus der Perspektive von Alyssa und Kelton, später auch von Jacqui und Henry. So bekommt man einen guten Einblick in die unterschiedlichen Lebens- und Herangehensweisen der Figuren. Ergänzt wird die Story immer noch von sogenannten Snapshots, in denen man erfährt, was außerhalb der Wahrnehmung der Jugendlichen passiert.

Shusterman & Shusterman fokussieren sich anfangs vor allem auf psychologische Betrachtungsweisen des aufgrund der lebensbedrohlichen Situation veränderten Verhaltens der Menschen. Mit Keltons Stimme, der sich als Prepper damit bereits beschäftigt hat, werden hier Theorien genannt, wie Menschen in solchen Szenarien reagieren, was ich sehr interessant fand.

Wie die Regierung reagiert und handelt, wird jedoch bis auf Auffanglager und eine Wasser-Luftbrücke mit Helikoptern und Flugzeugen nicht weiter eingegangen, wobei mir auch unverständlich blieb, warum die US-Regierung die Nachbarstaaten Arizona und Nevada nicht zwingt, die Stauseen wieder aufzumachen. Stattdessen wird Wasser tröpfchenweise mit dem Helikopter eingeflogen, wobei klar ist, dass es nicht für alle reicht.

„Dry“ ist von der ersten Seite an spannend und man bekommt jede Menge zum Nachdenken. Interessant ist es, ein Fluchtszenario in den USA zu erleben, einem Land, das sich vehement dagegen wehrt, Flüchtlinge aufzunehmen.

Shusterman & Shusterman erzählen in hohem Tempo und abwechslungsreich. Obwohl in der Regel das Ziel des Herumfahrens klar ist, wirkt es doch manchmal konstruiert und als Mittel zum Zweck, um alles Facetten eines solchen Szenarios zu beleuchten. Der Spannung hat das jedoch keinen Abbruch getan.

Ich kann „Dry“ auf jeden Fall empfehlen. Die Thematik ist nicht nur brandaktuell, sondern auch inhaltlich und erzählerisch sehr gut umgesetzt. Als eine der wenigen Bloggerinnen, die noch nie etwas von Neal Shusterman gelesen haben, werde ich mir die bisher erschienenen Bücher dieses Autors unbedingt noch einmal vorknöpfen.

© Tintenhain


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Einzelband
Broschiert: 448 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer (22. Mai 2019)
Originaltitel: Dry (2018)
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Kristian Lutze,
Pauline Kurbasik
ISBN-10: 3737356386
ISBN-13: 978-3737356381
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Preis: € 15,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Neil Shusterman Dry
Cover © Fischer Sauerländer

8 Kommentare

  1. Hallo und guten Tag,

    also ich persönlich bin ja ein Fan von Neal Shusterman seit dem 1.Roman zu seiner Serie “ Vollenend“
    Die heuer ihren ..endlich auch Abschluss gefunden hat….
    Echt ein Autor der brandaktuelle Thematik toll mit unter auch recht brutal geschrieben umsetzt. Aber so ist das Leben…nicht immer ist alles nur Friede-Freunde-Eierkuchen..

    In diesem Sinne einen, schönen Feiertag für Alle ..LG..Karin..

  2. Oh no! Ersten Kommi einfach nicht freischalten bitte, hab nicht aufgepasst 😀

    Hier nochmal in richtig:
    Huhu (=
    Eine kritische Meinung auf die ich viel Wert lege (Iris vom SchurkenBlog) und nun deine positiven Eindrücke – ihr macht mich feddich

    Mukkelige Grüße :-*

  3. Hallo Mona,
    das Autorenduo ist mir bisher nicht untergekommen, aber das Thema fasziniert mich sehr. Wie verhalten sich die Menschen, wenn die dünne Schicht Zivilisation und perfekte Versorgung in einer Industrienation plötzlich wegbricht? Ich habe bisher nur positive Meinungen zu diesem Buch gelesen und es steht schon auf meiner Leseliste. Deine Rezension hat nur noch ein weiteres Mal bestätigt, dass ich das Buch lesen möchte.
    Vielen Dank auch für die Prepper-Links. Da gehe ich doch gleich mal stöbern.
    LG Gabi

    1. Hallo Mona,
      das hört sich dank deiner Rezension sehr spannend an, werde das Buch wohl doch lesen müssen.
      Interessantes Thema auch angesichts des Megasommers letztes Jahr. Die Vorstellung kein Wasser zu bekommen ist schon arg furchterregend. Bin sehr gespannt auf das Buch und gehe mal shoppen 🙂
      Liebe Grüße
      Kerstin

  4. Hi Mona,

    freut mich sehr dass dich das Buch begeistern konnte! Es gibt natürlich kleine logische Fehler, die ich auch schon in anderen Rezensionen kritisiert gesehen habe – aber ich finde auch, auch wenn es „nur“ zur Handlung beitragen soll, wurde es sehr gut umgesetzt und super spannend aufgebaut und ich denke, das Ziel wurde erreicht: sich über ein solches Szenario bewusst zu werden und eben auch darüber nachzudenken, wie man sich selber verhalten würde.

    Es würde mich wirklich freuen wenn du auch zu den anderen Büchern von ihm greifst, ich selber bin ja von der Vollendet und der Scythe Reihe total begeistert! 😀

    Lieben Dank natürlich auch fürs Verlinken meiner Rezension <3

    Liebste Grüße und noch einen schönen Feiertag heute!
    Aleshanee

  5. Die Vollendet-Reihe von Shusterman gehört zu meinen absoluten Top-Dystopien (wenn man das so sagen kann 😉 ). Deshalb zweifele ih nicht daran, dass er und sein Sohn auch Dry sehr realistisch und furchteinflößend umgesetzt haben. BIn sehr gespannt. Deine Rezension hört sich vielversprechend an.

  6. Hallo Mona,
    vielen lieben Dank für die Verlinkung! Wenn dir DRY schon so gut gefallen hat, dann wirst du VOLLENDET lieben! Die Reihe ist meiner Meinung nach, besser gelungen, auch wenn die Thematik eine ganz andere (aber keinesfalls weniger erschreckend – im Gegenteil) ist.
    SCYTHE habe ich selbst noch ungelesen hier, wird aber sicher demnächst gelesen. Die Reihe soll auch mega sein.
    Einen schönen Start ins Wochenende dir! Liebe Grüße, Iris

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