Diana & Jessica Itterheim: Schloss der Engel (1) [Rezension]

Nachdem ich auf vielen Blogs schon oft positive Rezensionen zu „Schloss der Engel“ gesehen hatte, wollte ich das Buch nun endlich selbst mal lesen. Was für eine Herausforderung an meine Geduld!
Schloss der Engel - Cover (c) Aufbau Verlag
Linde, die sich ausbittet, ausschließlich Lynn genannt zu werden, wechselt aus Italien in ein deutsches Internat, in dem sie nicht besonders willkommen geheißen wird. Doch schon schnell ändert sich die Situation, denn auf unbekannte Weise gelangt sie in eine Ausbildungsstätte für Schutz- und Wächterengel. Sofort verliebt sie sich in den unnahbaren Christopher, der ihre Gefühle schon bald zu erwidern scheint. Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, denn schon bald werden die Totenwächterin und andere dunkle Mächte auf Lynn aufmerksam und beginnen, ein grausames Spiel zu treiben.

Ich habe mich mit dem Buch ziemlich schwer getan. Schon der Einstieg, bei dem Lynn jeden und immer wieder darauf hinweist, dass sie nicht Linde genannt werden möchte, hat mich so genervt, dass ich mich fragte, warum die Autorinnen sie nicht gleich einfach Lynn genannt haben. Der Übergang vom normalen Internat in das Schloss der Engel ist fließend und Lynn bekommt davon nichts mit. Sie wundert sich auch nicht, warum die bisherigen Mitschüler nicht mehr da sind und statt dessen vollkommen andere Schüler auftauchen. Auch Unterrichtsfächer wie „Mentaltraining“, „Lanzentraining“ oder „Kräuterkunde“ lassen sie nicht innehalten oder einfach nur mal nachfragen.
Ihr Verstand scheint vom Anblick des überirdisch schönen Christopher vernebelt zu sein, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Natürlich verliebt er sich auch in sie, merkt nicht, dass sie ein Mensch und kein Engel ist. Nachdem Lynn endlich mitbekommt, dass sie in einem Internat für Engel gelandet ist und sie deshalb tot sein muss, erholt sie sich innerhalb von zwei Sätzen vollkommen von dieser Nachricht und wendet ihre Gedanken wieder Christopher zu.
Lynn als Ich-Erzählerin kommt mir unglaublich oberflächlich, naiv und selbstsüchtig vor. Sie handelt impulsiv, stets unter dem Deckmantel ihrer unsterblichen Liebe, die dafür jedoch erstaunlich blass bleibt. Außer dem wiederholt beschriebenen Duft nach Sommergewitter, den Christopher verströmt und seinen sich in allen Grünschattierungen verändernden Augen, wenn sich sein Blick nicht gerade mal wieder verhärtet, ist nicht viel hängen geblieben. Warum Christopher sich nun in Lynn verliebt, ist mir genauso schleierhaft wie ihr. Die beiden haben sich kaum mal unterhalten, abgesehen von Christophers Erzählung über seine dramatischen, prägenden Erlebnisse als Mensch und den Liebesbeteuerungen bzw. seinen Versicherungen, er wäre nicht der Richtige für sie.
Die Nebencharaktere in der Realwelt wie in der Welt der Engel sind komplett austauschbar, unterscheiden konnte ich sie nur am Namen, mal abgesehen von der fiesen Hannah. Eine wirkliche Beziehung baut Lynn nicht zu ihnen auf, vielmehr versteht sie es, ihre Freunde immer wieder vor den Kopf zu stoßen.
Spannender wird die Geschichte ab der Hälfte des Buches dann aber doch noch. Auch wenn Lynn oft unvermittelt von Szene zu Szene springt und ich oft noch mal zurückgeblättert habe, weil ich dachte, ich müsse versehentlich eine Seite überblättert haben, vermag die endlich in Schwung kommende Handlung doch noch zu fesseln.
„Schloss der Engel“ hat mich leider ziemlich enttäuscht. Eine tolle Idee, der es jedoch an einer gelungenen Umsetzung mangelt. Ich gehe nicht davon aus, dass ich den bereits erschienen zweiten Band „Tanz der Engel“ noch lesen werde.
© Tintenelfe
2 Faesschen

Diana & Jessica Itterheim: Schloss der Engel (1)

Schloss der Engel - Cover (c) Aufbau Verlag
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746628555
ISBN-13: 978-3746628554
Preis: 12,99€
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Die Trilogie
1. Schloss der Engel
2. Tanz der Engel
3. Fluch der Engel

5 Kommentare

  1. Ich bin ganz froh, dass ich in letzter Zeit auch mal negative Rezensionen sehe, diese ganzen so positiven haben mich doch irritiert.
    Schöne Rezension, kann ich allem nur zustimmen.
    Liebe Grüße
    Chimiko

  2. Kann dir nur zustimmen. Ich fand „Lynn“ so dämlich, das konnte ich nicht ertragen. Die will Abitur machen? Mit Lanzentraining? Und denkt sich nichts dabei? Und dann ihre Launen. Zicke, hilflos, verliebt, wieder Zicke.
    Ich habe dem Buch sogar nur einen Stern gegeben, ich fand das einfach – und das ist jetzt nett ausgedrückt – grottenschlecht. Vielleicht hat der Verlag gedacht, Mutter-Tochter-Duo mit Internatsgeschichte funktioniert bei den Amis, machen wir auch mal?

  3. 🙂 Ich hab ganz vergessen zu schreiben, dass sie sich immer wieder retten lassen muss, das arme hilflose Ding. Es beruhigt mich ja sehr, dass Ihr das auch so seht.

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