Alina Bronsky: Spiegelriss (2) [Rezension]

Dass mir der zweite Band einer Trilogie besser gefällt als der erste, passiert mir nicht oft. „Spiegelriss“ hat es geschafft.
Cover
Nach einem schrecklichen Ereignis hat Juli keinen Zugang mehr zur Welt der Pheen, doch auch die Rückkehr in ihr altes Leben ist ihr nicht mehr möglich. In einem Rudel aus Straßenkindern, die um das nackte Überleben kämpfen, findet Juli Schutz. Bald stellt sie fest, dass nach ihr als „allgemeingefährliche Phee“ gefahndet wird und Kojote, der Anführer des Rudels, beginnt sich auffallend um sie zu bemühen.
Doch auch die Normaltität scheint bedroht zu werden, die Kontrollen werden verstärkt, die Überwachung der Viertel strenger. Juli muss sich beeilen, wenn sie ihre alten Freunde wieder finden will.

„Spiegelriss“ beginnt drei Monate nach dem Ende von „Spiegelkind„, was den Einstieg kurzzeitig verwirrend macht, da nicht gleich ganz klar ist, wie Juli zu dem Rudel gelangt ist. Dennoch ist man schnell in der Geschichte, die Handlung fesselt von der ersten Seite an. Die Spannung kann auch durchgehend gehalten werden, viele neue Fragen tauchen auf, und doch gibt es auch Antworten.
Einige Charaktere machen eine große Veränderung durch. Die Ereignisse der letzten Monate, in denen sich die Welt der Normalen zunehmend bedroht fühlt, hinterlassen ihre Spuren auch bei den vielen Haupt- und Nebenfiguren. Juli, die ihren Platz in der Gesellschaft nun schon zweimal verloren hat, einmal in der der Normalen und einmal der der Pheen, muss einen Weg finden, mehr über sich selbst herauszufinden, aber auch herausfinden, wem sie trauen kann und wem nicht. Auch die Frage nach Gut und Böse, Richtig oder Falsch muss immer wieder neu gestellt werden.
Julis Naivität, die im ersten Band noch so manches Mal genervt hat, ist natürlich noch vorhanden, zum Teil macht sie sich selbst darüber lustig. Am Ende des Buches hatte ich jedoch ein Gefühl und vielleicht sogar eine Begründung dafür, warum Juli scheinbar so weltfremd und blind für ihre Umgebung aufgewachsen ist.
Während in „Spiegelkind“ noch mehr Zeit darauf verwendet wurde, die dystopische Fantasywelt zu erklären, kommt in „Spiegelriss“ fast ausschließlich die packende Handlung zum Tragen. Es werden jedoch auch noch einige bisher unbekannte gesellschaftliche Zusammenhänge dargestellt und damit auch wieder neue Fragen aufgeworfen. Besonders interessant ist dabei das Dementio, in das Julis Mutter in „Spiegelkind“ gebracht werden sollte.
Gewohnt temporeich und mitreißend wird „Spiegelriss“ wieder mit Juli als Ich-Erzählerin im Präsens erzählt. Durch die einfachen, klaren Sätze liest sich das Buch sehr schnell und man fliegt geradezu über die Seiten.
Positiv fällt mir auf, dass die Altersempfehlung höher gesetzt wurde. „Spiegelriss“ ist aber in einigen Szenen auch härter und schonungsloser. Der zweite Band konnte mich vollends überzeugen, und er ist meiner Meinung nach noch besser gelungen als der erste.
Nun warte ich sehnsuchtsvoll auf den dritten Band der Trilogie.
© Tintenelfe
5 Faesschen

Alina Bronsky: Spiegelriss (2)Cover

Gebundene Ausgabe: 261 Seiten
Verlag: Arena (Januar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3401067990
ISBN-13: 978-3401067995
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre
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Die Spiegel-Trilogie – Homepage
1. Spiegelkind
2. Spiegelriss
3. ???
Mein Dank gilt dem Arena-Verlag für das Leseexemplar, lovelybooks sowie Alina Bronsky für das Begleiten der Leserunde.

4 Kommentare

  1. Mir hat der erste Band „Spiegelkind“ schon sehr gut gefallen, so dass ich den zweiten bei der Onleihe vorbestellt habe. Nach deiner Rezension kann ich es kaum erwarten, auch den zweiten Band zu lesen und freue mich umso mehr darauf.
    Vielen Dank für die Rezension,
    liebe Grüße,
    Iris

  2. Ich bin ja von diesem zweiten Band total enttäuscht gewesen! Ich kann dir gar nicht mehr so genau sagen warum, da es schon ganz lange her ist, dass ich es gelesen habe. Es gibt auch keine Rezi aufm Blog, habe ich festgestellt. 😉 „Spiegelkind“ fand ich super und faszinierend neu! Leider wird es keinen letzten Abschlussband geben. Der Verlag wollte das dritte Buch nicht mehr und die Autorin hat keines geschrieben. Ich hab Alina Bronsky mal über FB danach gefragt, und sie meinte doch glatt, ein dritter Band wäre gar nicht angedacht gewesen. Von Anfang an sollte es eine Dilogie sein. „Spiegelriss“ merkt man aber ganz genau an, dass er halbfertig ist und keine Antworten auf Fragen gibt, die essentiell für die Geschichte gewesen wären. Der offene und unschöne Schluss kann ebenso nicht als richtiges Ende angesehen werden. Na ja, was soll´s. Schade finde ich es, da die Trilogie ein großes Potential gehabt hat.

    GlG, monerl

    1. Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht mehr an so viel erinnern. Es sollte eigentlich eine Trilogie werden, aber die ersten beiden Bände haben sich nicht so gut verkauft, so dass der dritte Band nicht mehr veröffentlicht werden sollte. Also hat Alina Bronsky den auch nicht mehr geschrieben. Sie hat das genau so in der Leserunde auf Lovelybooks geschrieben. Sie meinte auch, dass es doch so auch rund sei, ist es aber überhaupt nicht.

      Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich kaum noch Trilogien beginnen mag.

      Liebe Grüße,
      Mona

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