Tintenhain – Der Buchblog

Katrin Zipse: Moosland [Rezension]

Cover Katrin Zipse: Moosland
© Dumont Verlag

1949: Als Elsa in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Man hofft auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, da viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, und sie trauert um ihre Freundin Sola. Dennoch entsteht zwischen leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die zwischen den Bauernsöhnen. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird … (Inhaltsangabe © Dumont Verlag)

In ihrem historischen Roman „Moosland“ beleuchtet Katrin Zipse ein vergessenes Kapitel der Nachkriegszeit: Im Sommer 1949 reist die junge Deutsche Elsa mit Hunderten anderen Frauen nach Island, wo die dortigen Landwirte dringend Arbeitskräfte und Ehefrauen suchen. Elsa ist von den Schrecken des Krieges so tief traumatisiert, dass sie vollständig verstummt ist. Doch inmitten der rauen isländischen Natur und konfrontiert mit einem düsteren Familiengeheimnis auf einem abgelegenen Hof findet sie langsam einen Weg aus ihrer inneren Isolation zurück ins Leben.

Ich fand das Thema wahnsinnig spannend, weil ich bis dahin noch nie etwas von der Anwerbung deutscher Landarbeiterinnen in Island nach dem 2. Weltkrieg gehört hatte. Man lernt Elsa und Gerda kennen, wie sie mit dem Schiff ankommen und auf ihre Höfe verteilt werden.
Elsa ist tiefst traumatisiert, spricht nicht, wird aber dankbar auf ihrem Hof aufgenommen. Der Bauer, die Bäuerin, zwei Söhne und ein Knecht. Und dann ist da noch ein Foto mit einem Mädchen, über das niemand spricht. Die Arbeit ist hart, die Erträge sind karg, mit ab und an frisch gefangenem Fisch kann man die Familie über die Runden bringen. Langsam findet Elsa sich ein. Sie lernt ihre ersten isländischen Wörter. Aus seltsam klingenden Sprachfetzen werden Worte mit Bedeutung.

Katrin Zipses Schreibstil ist außergewöhnlich. Die Sprache ist ruhig, die Emotionen karg – so karg wie die Landschaft Islands.
Man kann sich sehr gut in die Situation der deutschen Frauen einfühlen und bekommt ein Gespür für die wilde Rauheit des Landes. Durch die verknappte Erzählweise muss man allerdings oft raten, was passiert und vor allem auch, was in Elsas Vergangenheit passiert ist. Anfangs fand ich auch schwierig, dass die isländischen Worte in Lautsprache geschrieben wurden (so wie Elsa sie hört). Dadurch sahen sie merkwürdig aus und ich habe mich anfangs sehr gewundert. Kleine Gesten unter den Bewohnern des Hofes zeigen Herzlichkeit und Wohlwollen. Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie Katrin Zipse es schafft, mit dieser verknappten Sprache so viel auszudrücken. Allerdings fällt es dadurch auch deutlich schwerer, sich in die Personen einzufühlen.
Auf jeden Fall ein lesenswerter Roman, der sprachlich etwas herausfordernd und etwas Besonderes ist.

© Tintenhain


Leseprobe

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Einzelband
Hardcover: 224 Seiten
Verlag: dtv (10. März 2026)
ISBN-13: 978-3-7558-0071-2
Preis: € 24,00 [D]
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Cover Katrin Zipse: Moosland
© Dumont Verlag

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