Christian Huber: Solange ein Streichholz brennt [Rezension]

Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Er besitzt so gut wie nichts. Einen alten Rucksack. Geschnitzte Holzmäuse. Einen Brief, den er nicht öffnen will. Mit seinem Hund Fox kämpft er sich durch die Tage und Nächte.
Die junge, einst aufstrebende Fernsehjournalistin Alina steckt fest. Im Job und in der Angst zu scheitern. Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere scheint eine Reportage über das Leben auf der Straße zu sein.
Alina findet Bohm. Plötzlich ist da etwas zwischen ihnen. Etwas, das nicht sein kann. Und ein Geheimnis, das ans Licht drängt. (Inhaltsangabe © dtv Verlag)
Eindringliche Geschichte darüber, wie ein Leben entgleitet
Eigentlich wollte ich das Buch gar nicht lesen, da mich das Cover so überhaupt nicht ansprach. Aber dann gab es so viele positive Stimmen, dass ich dachte, ich probiere es mal. Mit einem Buch aus der Bücherei kann man ja eigentlich nicht viel falsch machen.
Die Handlung hat mich sofort gefesselt. Zuerst begegnen wir Bohm, einem Obdachlosen, der nach einer Nacht in einem Hinterhof feststellen muss, dass er keinen Schlafsack mehr hat. Nächste Szene: Die Journalistin Alina Alev wird zu einem Meeting gerufen. Sie fürchtet, dass sie heute den Job verliert. Sie hatte nie eine echte Chance. Doch statt der erwarteten Kündigung bekommt sie ein Angebot. Sie soll als Co-Autorin für eine Talkshow den entsprechenden Dokumentar-Teaser liefern. Knackig, aufregend, innovativ, aus dem Leben gegriffen und vor allem tolle Bilder. Schnell wird die Idee zur Reportage “Wie entgleitet ein Leben?” geboren und Alina macht sich auf den Weg, um einen geeigneten Obdachlosen zu finden.
Die Handlung hatte mich bereits auf den ersten Seiten gepackt. Christian Huber hat einen flüssigen, eingängigen Schreibstil, gerade heraus und ungeschminkt. So flogen dann auch die Seiten dahin. So schnell lässt einen das Schicksal von Bohm dann auch nicht los. Mit hat die Geschichte gut gefallen, ich mochte den Gegensatz von Alinas Medienwelt und Bohms Leben am Rande der Gesellschaft. Die Brüche werden gut dargestellt, besonders bei den Szenen in der Straßenbahn oder auf dem Rummelplatz.
Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass sich das Ganze zu einer Romanze entwickelt. Mir war das ein bisschen too much. Aber am Ende ergab es dafür einen runden Abschluss.
© Tintenhain
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: dtv Verlag (26. März 2026)
ISBN-13: 978-3-423-28540-7
Preis: € 23,00 [D]
auch als E-Book
Bibliotheksbuch

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