Florence Knapp: Die Namen [Rezension]

Kann dein Name den Verlauf deines Lebens ändern?
Es ist 1987 und Cora ist auf dem Weg zum Amt, um die Geburt ihres Sohnes anzumelden – und seinen Namen. Noch ahnt sie nicht, wie sehr dieser Moment ihr Leben und das ihres Sohnes prägen wird.
Coras Mann Gordon, ein allseits beliebter Arzt, erwartet, dass sein Sohn nach alter Tradition den Namen des Vaters bekommt – und somit den von Generationen herrischer Männer vor ihm. Ihre Tochter Maia möchte den kleinen Bruder Bear nennen, und Cora selbst bevorzugt Julian, in der Hoffnung, dass ihr Sohn sich so zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln kann.
Florence Knapps Debütroman ist die bewegende und hoffnungsvolle Geschichte von drei Namen, drei Versionen eines Lebens und den unendlichen Möglichkeiten, die eine einzige Entscheidung auslösen kann. Es ist die Geschichte einer Familie und ihrer Liebe zueinander — egal, was das Schicksal bereithält. (Inhaltsangabe © Bastei Lübbe)
Vermutlich weckt der erste Satz im Klappentext falsche Erwartungen. Denn wie ich im Social Read bei Reado immer wieder lesen musste, waren einige Leserinnen enttäuscht, dass es gar nicht um die soziologische Betrachtung der Namensgebung geht. Vielmehr handelt der Roman davon, wie Entscheidungen unser Leben verändern können. Entscheidet sich Cora für Bear, den Namen, den ihre neunjährige Tochter aussucht, bestärkt sie vor allem ihr Kind und dessen Beziehung zu dem Neugeborenen. Natürlich bietet sie ihrem traditionsbewussten, gewalttätigen Mann mit diesem “Affront” auf besonders drastische Weise die Stirn. In dem Moment, in dem sie sich für den von ihr selbst gewählten Namen entscheidet, stellt sie ihre Wünsche über die ihres Mannes – mit allen Konsequenzen. Die Entscheidung, sich dem herrischen Willen ihres Mannes zu beugen und dem Kind den Namen des Vaters zu vererben, gibt eine weitere Richtung vor, wie sich ihr Leben zukünftig gestalten wird. Denn in “Die Namen” geht es vordergründig um das Thema häusliche Gewalt.
Florence Knapp erzählt die Geschichte der drei unterschiedlich gewählten Namen in drei verschiedenen Handlungssträngen, die jeweils im Erzählabstand von sieben Jahren berichten, welche Wendungen das Leben der Familie bis dahin genommen hat. Das Buch wirkt daher sehr intensiv und man muss schon aufpassen, in welchem Leben man sich gerade befindet, da die Personen, die einander begegnen, oft dieselben sind – nur nicht immer in der gleichen Beziehung. Diesen Aspekt fand ich besonders spannend, denn auch die späteren Partnerschaften der Kinder sind von der Entscheidung und der danach folgenden Entwicklung der Kinder beeinflusst.
Der Erzählstil zeichnet sich durch eine bildhafte, klare Sprache aus. Das Thema häusliche Gewalt, das den Roman maßgeblich prägt, wird deutlich, aber einfühlsam und immer auch mit einem Hoffnungsschimmer behandelt. Einige Szenen sind nicht ganz leicht zu verkraften. Gewalt, Nötigung, Angst prägen Coras Alltag mit einem kontrollierenden, manipulativen Ehemann. Soweit ich weiß, gibt es in neueren Auflagen eine Triggerwarnung, möglicherweise aber auch nur im englischen Original.
Wir lesen das Buch aktuell in unserem Lesekreis und mir hat es richtig gut gefallen. Da ein Erzählstrang immer zwei längere Kapitel mit Abstand von 7 Jahren überspringt, muss man sich schon ein bisschen konzentrieren, was jetzt in welchem Leben passiert. Ich finde, der Roman ist extrem gut umgesetzt und hat den Bestsellerstatus absolut verdient.
© Tintenhain
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Hardcover: 352 Seiten
Verlag: Eichborn (02. März 2026)
Originaltitel: The Names
Übersetzung aus dem Englischen: Lisa Kögeböhn
ISBN-13: 978-3-8479-0229-4
Preis: € 24,00 [D]
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