Wir lesen und besprechen… #17 [Lesekreislektüre] – Han Kang: Die Vegetarierin

VegetarierinNachdem wir unser Maitreffen kurzfristig in den Juni vertagt hatten, traf sich unser Buchclub an einem lauschigen Abend im Garten, um über „Die Vegetarierin“ von Han Kang zu sprechen.

Dieses Mal hatten alle das Buch gelesen, was nicht immer vorkommt und vielleicht auch damit zu tun haben könnte, dass das Buch nicht besonders dick ist.

Die Meinungen zum Buch fielen recht unterschiedlich aus. Einige konnten mit dem Buch eher weniger anfangen und empfanden es als verstörend. Umso mehr gab der Roman dann aber an Diskussionsstoff her. Ich fand es interessant, wie Han Kang ihrer stillen Protagonistin mit ihrem plötzlich einsetzenden Veganismus die Möglichkeit verleiht sich auszudrücken. Ganz klar erschien mir hier die Verarbeitung einer traumatischen Kindheit und Ehe, die stets Angepasstheit und Gehorsam voraussetzen. Immer wieder gibt es Andeutungen sowohl in den Träumen als auch in Bemerkungen der anderen Erzähler, dass Yeong-Hye unter der Behandlung (oder sollte ich Misshandlung sagen) der Männer in ihrem Leben, aber auch der erdrückend sanktionierenden Gesellschaft leidet. Da Han Kang viel mit Andeutungen und Metaphern arbeitet, sind dies Aspekte, die vor allem in unserer Diskussion aufgearbeitet wurden und sich mancher dann auch erst in ihrer vollen Tragweite am Lesekreisabend erschloss.

„Die Vegetarierin“ ist sicher kein „schönes“ Buch, aber durchaus eins, über das sich in Lesekreisen hervorragend diskutieren lässt.

Han Kang: Die Vegetarierin

Cover Die Vegetarierin
Cover (c) Aufbau Verlag

Klappentext:
Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet. (© Aufbau Verlag)


Werbung

Gebundene Ausgabe: 190 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag (15. August 2016)
Originaltitel: The Vegetarian
Übersetzung aus dem Koreanischen: Ki-Hyang Lee
ISBN-10: 3351036531
ISBN-13: 978-3351036539
Preis: € 18,95 [D]
Bücherei

Cover Die Vegetarierin
Cover (c) Aufbau Verlag

3 Kommentare

  1. Ich gehörte zu der Kategorie die dieses Buch mochten. Noch heute ist mir diese Geschichte präsent. Ich finde auch, dass sie sich hervorragend für eine Leserunde eignet.

    Liebe Grüße

    1. Ich mochte das Buch auch, wobei es anfangs wie ein Sog war, dann aber leider nachließ. Aber es ist auf jeden Fall interessant und diskussionswürdig.

      Liebe Grüße,
      Mona

  2. Liebe Mona,
    so, nun komme ich endlich dazu, dir hier ein paar Zeilen zu lassen! 🙂

    Dieses Buch kann ich mir total gut als Buchkreis-Buch vorstellen! Ich hätte auch gerne intensiv mit jemandem persönlich darüber gesprochen. Es ist so kurz, so direkt in der Thematik und doch so schwammig in der Sprache, dass es gut getan hätte, darüber zu reden.

    Erst hatte ich mich lange gesträubt das Buch zu lesen, doch dann passte es so wunderbar in die #Weltenbummler-Challenge, sodass ich mich doch dafür entschied. Und, es hat mir gefallen, so krass es auch ist. Gefallen, im Sinne von, es ist so wundersam anders und verstörend.
    GlG und ein schönes Wochenende,
    monerl

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.