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Mario Bekeschus: Gaußberg (Niedersachsen-Krimi) [Rezension]

Cover Mario Bekeschus Gaußberg Niedersachsen-Krimi
Cover © Gmeiner

Eine Tote im Mittellandkanal ruft Kommissar Wim Schneider auf den Plan. Die Ermittlungen führen den Hannoveraner, der mit seinem übermäßigen Ouzo-Konsum und gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, ausgerechnet in seine Heimatstadt Braunschweig. Dort trifft er auf einen unliebsamen Ex-Kollegen und den Lebensgefährten der Toten, der etwas zu verbergen scheint. Der Druck auf die Ermittler wächst, als ein Kind verschwindet und eine zweite Leiche auftaucht. Was hat eine geheimnisvolle Villa am Gaußberg mit den Ereignissen zu tun? (Inhaltsangabe © Gmeiner Verlag)

Am Mittellandkanal in Hannover wird die Leiche einer Frau gefunden. Ihr Tattoo vom Fußballverein Eintracht Braunschweig führt die Ermittler schnell auf die Spur in die Löwenstadt. Kommissar Wim Schneider wird als Ex-Braunschweiger auf den Fall angesetzt, immerhin kennt er sich dort aus. In Braunschweig trifft Schneider auf seinen früheren Freund und Kollegen Manfred Wiegand und schnell sind die alten Rivalitäten wieder da. Nur jeweils die Kolleginnen scheinen sich gut zu verstehen und so die städteübergreifenden Ermittlungen kooperativ voranzutreiben. Alle Spuren führen zu einer alten Villa am Gaußberg, wo die Schatten der Nazi-Vergangenheit noch für weitere Leichen sorgen werden.

“Gaußberg” ist der Debütroman von Mario Bekeschus und ich habe in erster Linie zu dem Krimi gegriffen, weil er in Braunschweig spielt, wo ich seit mehr als 20 Jahren wohne – übrigens in den ersten Jahren sogar ganz in der Nähe des Gaußberges. So hatte ich auch bei allen Schauplätzen immer sofort reale Bilder vor Augen, was mir viel Spaß gemacht hat. Allerdings weiß ich nicht, wie mir das recht häufige Einstreuen der Namen von Straßen und Plätzen gefallen hätte, wenn mir die Stadt völlig unbekannt gewesen wäre.

Wim Schneider ist ein eher unangenehmer und leider auch schablonenartiger Zeitgenosse. Kinder kann er nicht leiden, natürlich trinkt er regelmäßig Alkohol, steht mit dem Internet auf Kriegsfuß und seine Kollegin Biggi wird auch nicht gerade wertschätzend von ihm behandelt, es sei denn es fällt ihm gelegentlich selbst mal auf, dass er eigentlich ein ziemlich unleidlicher Typ ist. Auf jeden Fall wird er mir als der Polizist mit der kranken Blase in Erinnerung bleiben, der gefühlt fast mehr Zeit auf Toiletten als mit Ermittlungen verbringt.

Der Kriminalfall ist solide, wenn auch nicht so spektakulär wie zwischenzeitlich vermutet, dafür jedoch erfreulicherweise so konstruiert, dass man die Lösung nicht im Voraus ahnen kann. Zwar gibt es einige Hinweise und Verdachtsmomente, diese lassen aber nicht vollständig auf die Lösung schließen, sodass ich am Ende doch noch überrascht werden konnte. Nur, was das “Geheimnis” betrifft, wurden bei mir anfangs größere Erwartungen geschürt als die Auflösung nachher halten konnte.

Sehr merkwürdig fand ich das entführte Kind des ersten Opfers, das irgendwie am Rande eine Rolle spielte, zunächst aber von der Polizei komplett ausgeblendet wurde. Es verhält sich ganz ruhig und nimmt sein Schicksal klaglos an, sodass es auch vom Autor weitgehend ignoriert werden kann und begrüßt dann die Polizistin mit “Hallo, auch von mir, ich bin Marta.” Total normales Verhalten einer Siebenjährigen, die tagelang allein in einem dunklen Keller eingesperrt war.

Die Art und Weise, wie der Fall letztendlich bis ins letzte Detail geklärt wurde, war zwar für die Neugier befriedigend, jedoch für meinen Geschmack zu plump. Das ganze abschließende Szenario des vollumfassenden Geständnisses war für mich nicht nachvollziehbar und merkwürdig konstruiert. Dafür weiß man dann aber genau Bescheid, warum und wie alles geschah.

Insgesamt lässt sich “Gaußberg” sehr gut lesen und ist dabei unterhaltsam. Flotte Dialoge und schnelle Szenenwechsel treiben die Handlung voran und ab und an blitzt ein wenig Humor durch. Ähnlich nervig wie in der Realität fand ich allerdings die ständigen Anspielungen auf die Rivalität zwischen Braunschweig und Hannover. Peine-Ost (Hannover), Peine-West (Braunschweig), verbotene Stadt… Gähn!

Weitere Krimis von Mario Bekeschus würde ich wahrscheinlich nur lesen, wenn sie in Braunschweig spielen. Einfach, weil es so schön ist, literarisch durch Braunschweig zu spazieren. Ich finde, Braunschweig kommt viel zu selten in Romanen vor.

© Tintenhain


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Einzelband
Broschiert: 345 Seiten
Verlag: ‎ Gmeiner-Verlag (9. Februar 2022)
ISBN-10: 3839201365
ISBN-13: 978-3839201367
Preis: € 14,00 [D]
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