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Veronica Roth: Die Erwählten – Tödliche Bestimmung [Rezension]

Cover "Die Erwählten - Tödliche Bestimmung" - Veronica Roth
Cover © Blanvalet

Es ist fünfzehn Jahren her, dass fünf gewöhnliche Teenager durch eine Prophezeiung erwählt wurden, eine unglaublich mächtige dunkle Macht zu besiegen, die in ganz Nordamerika Chaos und Zerstörung angerichtet hat. Die Erwählten, wie die Teenager genannt wurden, gaben alles, um ihn zu besiegen.

Nachdem der Dunkle gefallen war, normalisierte sich die Welt wieder… für alle außer sie. Wie geht es weiter, wenn man die Welt gerettet hat? Wenn die einzige Ausbildung, die man genossen hat, die in magischer Zerstörung war und der Lebenszweck jetzt erfüllt ist?

Anlässlich des zehnten Jahrestages des Sieges über den Dunklen soll nun ein Denkmal eingeweiht werden. Während Sloane sich immer noch fragt, ob das alles im Leben gewesen sein soll, sonnt sich Matt, der ehemalige Anführer der fünf, im Ruhmesglanz. Esther posiert für ihre riesige Followerzahl auf Instagram und Albie und Ines schauen, wie sie klarkommen. Doch kurz darauf wird ihre Welt erneut auf den Kopf gestellt, denn der Dunkle scheint noch nicht besiegt und offenbart sich in ganz anderer Weise.

Veronica Roth startet mit einem ungewöhnlichen Auftakt ihrer neuen Urban-Fantasy-Dilogie da, wo die meisten Romane enden – mit dem Sieg der jugendlichen Helden über den mächtigen dunklen Feind. Was den nun erwachsenen Helden bleibt, sind posttraumatische Belastungsstörungen, verblassender Ruhm und ein ziemlich perspektivloses Leben. Die einzige Ausbildung, die sie genossen haben, diente dem Besiegen eines mächtigen Feindes. Und nun?

Aus Sloane und Matt ist ein Paar geworden, misstrauisch beäugt von Matts weiblichen Fans und der Klatschpresse. Während Matt es noch immer die bevorzugte Behandlung genießt, die den Weltenrettern von damals zukommt, hadert Sloane mit ihrem Leben. Es fühlt sich einfach nicht richtig an, sinnentleert. Mit den Erlebnissen des Kampfes gegen ihren dunklen Widersacher hat sie noch immer nicht abgeschlossen. Viel zu oft erwacht sie aus Albträumen von der Entführung, die sie mit Albie nur knapp überlebt hat. Alpträume, in denen sie sich dem Dunklen wieder gegenübersieht.

Doch das ist nur der Anfang des etwas speziellen Beginns einer neuen Geschichte, denn kurz nach der Einweihung des Denkmals anlässlich des zehnten Jahrestages des Sieges über den Dunklen, begeht Albie Suizid und Sloane hört seinen Ruf.

Den ersten Teil des Romans empfand ich als ziemlich langatmig, auch wenn das Konzept, nach dem Heldenkampf zu starten, natürlich schon etwas Besonderes ist. Es fehlte mir der Zugang zu den Figuren, die mir zudem alle nicht sonderlich sympathisch waren. Auch hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Geradeso als sei ich versehentlich zu spät in die Geschichte eingestiegen. Spannend wird es erstmals im zweiten Teil, der mit einem besonderen Twist startet, der zwar im Klappentext verraten wird, den ich hier aber absichtlich unterschlage. Roth entwickelt eine interessante Welt, eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction, wobei sie mit Begrifflichkeiten hantiert, die in ihrer Beschreibung etwa vage bleiben.

Das letzte Drittel hat mich dann noch richtig gefesselt und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Die Wendungen und der Showdown haben mich komplett überzeugen können und machen mir jedenfalls sehr große Lust auf den zweiten Teil der Dilogie. Dabei hatte ich am Anfang echt überlegt, ob ich es abbrechen sollte, da ich in Rezensionen gelesen hatte, dass nur der Anfang spannend sei. Das kann ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen und so wird es wohl ein Buch sein, dass die Leserschaft spaltet.

“Die Erwählten” wird vom Verlag als Roman für Erwachsene beworben, allerdings liest es sich wie ein Jugendbuch. Die Charaktere sind um die 30, verhalten sich aber eher wie höchstens um die 20. Jedenfalls war ich immer wieder überrascht, wenn erwähnt wurde, wie alt Sloane und ihre Freunde tatsächlich sind.

© Tintenhain


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Dilogie
Verlag: Penhaligon Verlag (28. September 2020)
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Originaltitel: Chosen Ones (2020)
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Petra Koob-Pawis
ISBN-10:  3764532440
ISBN-13:  978-3764532444
Preis: € 18,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover "Die Erwählten - Tödliche Bestimmung" - Veronica Roth
Cover © Blanvalet

 

4 Kommentare

  1. Mit diesem Buch habe ich so meine Probleme. Habe es hier schon eine Weile liegen, doch auch ich finde den Anfang so schrecklich langweilig, dass ich erstmal abgebrochen und es zur Seite gelegt und vergessen habe. 😀
    Ab welchem Kapitel beginnt denn Teil 2, wo es spannend wird? Vielleicht gebe ich dem Buch dann doch noch eine Chance. Das mit dem Alter kann ich auch absolut bestätigen. Denn ich habe mich auch deshalb dafür entschieden, da es KEIN Jugendbuch sein soll, doch die Protagonisten sind für mich gefühlt jünger als sie sein sollen.
    GlG, monerl

    1. So, ich habe mal nachgeschaut, der zweite Teil beginnt mit Kapitel 16. Ich finde, die Protagonisten verhalten sich auch so als seien sie als Teenager in ihrer Entwicklung stehengeblieben. Vielleicht ist das ja Absicht, als Ausdruck ihres Traumas? Keine Ahnung. Ich war nur immer wieder überrascht, wenn mir klar wurde, dass sie ja um die 30 sein müssen. Ich finde die Welt ziemlich speziell, aber eigentlich auch cool und “abgespacet” – man muss sich schon sehr darauf einlassen können.

  2. Hallo Mona,
    bei mir hast du es ja wahrscheinlich gelesen. Danke fürs Verlinken meiner Rezension!
    ich bin so unglaublich enttäuscht von diesem Buch. Die Grundidee ist mega, aber die Umsetzung leider einfach nur schlecht.
    Sehr schade!
    Ich wünsche dir eine schöne Woche
    LG
    Yvonne

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