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Lilja Sigurðardóttir: Die Schlinge (2) [Rezension]

Cover Lilja Sigurðardóttir Die Schlinge
Cover © Dumont Verlag

Die junge Mutter Sonja glaubt, dass sie endlich dem Netz entkommen ist, in das sie von skrupellosen Drogenbaronen gelockt wurde. Im fernen Florida ist sie mit ihrem kleinen Sohn Tómas untergetaucht. Doch das Glück währt nur kurz: In einem unachtsamen Moment verschwindet Tómas. Sonja ist sich sicher, dass ihr Ex-Mann dahintersteckt, und macht sich verzweifelt auf den Weg nach Reykjavík, zurück in die Welt der Kriminalität. Sie schwört sich: Diesmal wird sie nicht nur alles tun, um ihren Sohn zurückzubekommen, sondern sich auch an denen rächen, die ihr das Leben zur Hölle machen. Diesmal ist sie zu allem bereit. (Inhaltsangabe © Dumont Verlag)

Der erste Teil der Islandkrimi-Trilogie „Das Netz“ von Lilja Sigurðardóttir hat mich gefesselt und an dem düsteren Szenario und dem Leiden der Figuren verzweifeln lassen. Mit geradezu atemloser Spannung verfolgte ich den aussichtslos erscheinenden Weg von Agla, Sonja und Bragi, dem Sumpf aus Drogen, Wirtschaftskriminalität und Erpressung zu entkommen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht, als Sonja mit Tómas zum Schluss in die USA fliehen kann. Ein erstes Aufatmen. Doch es wäre wohl keine Trilogie, wenn das Schicksal Sonja so leicht aus seinen Fängen entlassen würde.

So dauert es auch nicht lange, bis Sonja und Tómas aufgespürt werden. Tómas fällt auf den einfachsten Trick von Kindesentführung herein und schon sitzen alle wieder im Flieger nach Reykjavík, wo sich das Karussell erneut zu drehen beginnt. Doch Sonja ist fest entschlossen, ihrem Ex-Mann Adam einen Strich durch die Rechnung zu machen und sich endgültig aus dem Netz des Drogenkartells zu befreien. Auch Agla hat eine brillante Idee, wie sie der Bankenschlammassel entkommen kann, doch rechnet sie nicht damit, dass man ihr bereits auf der Spur ist. Bragi hingegen wird das Abkommen mit Sonja langsam zu heiß. Eigentlich wollte er doch nur seiner Frau einen friedvollen Lebensabend ermöglichen und nun zieht sich auch um ihn die Schlinge immer enger.

Entgegen meiner Erwartung war ich auch mit einer Wartepause von fast fünf Monaten sofort wieder mitten im Geschehen. Das ist sicher den hervorragend lebendig gezeichneten Figuren Lilja Sigurðardóttirs zu verdanken, die mir sehr eindrucksvoll in Erinnerung geblieben sind. Hilfreich ist dabei sicher auch, dass die Anzahl an Figuren immer überschaubar bleibt. Wieder einmal packte mich die Autorin mit ihrem fesselnden, klaren Schreibstil und den kleinen Wendungen, die der Handlung immer wieder neuen Fahrtwind verleihen. So flog Seite um Seite in atemloser Spannung und fassungslosem Entsetzen – so ganz ohne brutale Gewalt und perfide Manipulation geht es auch dieses Mal nicht vonstatten.

Mehr denn je bin ich gespannt, ob und wie die drei Protagonisten ihr Leben wieder in gesetzestreue Bahnen lenken können. Der Titel des dritten Bandes „Der Käfig“, der im März 2021 erscheinen wird, lässt Schlimmes ahnen. Merkwürdig, wie man Kriminellen die Daumen drückt, dem Gesetz entwischen zu können und gleichzeitig allen Gerechtigkeit widerfahren soll. Bleiben wir gespannt!

© Tintenhain


Die Island-Trilogie
1. Das Netz
2. Die Schlinge
3. Der Käfig (März 2021)


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Trilogie, Band 2
Taschenbuch: 350 Seiten
Verlag: DuMont Verlag (13. Oktober 2020)
Originaltitel: Netið (2019)
Übersetzung aus dem Isländischen: Tina Flecken
ISBN-13: 978-3-8321-6520-8
Preis: € 10,99 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Lilja Sigurðardóttir Die Schlinge
Cover © Dumont Verlag

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