Maja und Wolfgang Brandstetter: Perchtenjagd [Rezension]

Cover Maja Brandstetter Wolfgang Brandstetter Perchtenjagd
Cover © Servus Verlag

Auf dem Adventsmarkt in St. Wolfgang, zwischen Punschständen und Weihnachtssternen, verschwindet die fünfjährige Marie spurlos. Die verzweifelte Mutter ist sich sicher: Es hat sich jemand unter die Perchtenläufer gemischt und das Mädchen entführt. Während die Polizei im Dunkeln tappt, nimmt Gerichtspsychologe Meiberger die Fährte auf. Und bekommt es mit einem Gegner zu tun, der ein perfides Katz-und-Maus-Spiel mit ihm treibt. Die Spuren deuten auf einen Psychopathen, der zu Weihnachten ein tödliches Krippenspiel aufführen will – und dem noch vier weitere »Mitspieler« fehlen. Um die mörderischen Spielregeln des Täters zu durchschauen und die Geiseln zu finden, bevor der Weihnachtsabend anbricht, muss Meiberger an seine Grenzen gehen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. (Klappentext © Servus Verlag)

Maske mit BuchAls „Perchtenjagd“ in einem Überraschungspäckchen bei mir ankam, habe ich erst einmal einen großen Schrecken bekommen. Obenauf lag eine schaurige Maske, ähnlich der auf dem Cover. Also habe ich erst einmal recherchiert, was es mit dem Perchtenlauf auf sich hat – ein alpenländischer Brauch, der von November bis Januar in Österreich, Südtirol, der Schweiz und im Süden Deutschlands Verbreitung findet.

Bei einem solchen Perchtenlauf auf dem Adventsmarkt in St. Wolfgang verschwindet die fünfjährige Marie plötzlich spurlos. Die Mutter kann es sich nicht erklären, der Täter scheint den Trubel bei den Perchtenläufern genutzt zu haben, das Mädchen zu entführen. Thomas Meiberger, Gerichtspsychologe, wird zu dem Fall hinzugezogen und soll dem Täter auf die Spur kommen. Doch bald ist die Verwirrung groß. Der Teddy des Mädchens wird kurz darauf bei einer Leiche gefunden, die als einer der Drei Heiligen Könige gekennzeichnet ist. Ist hier ein Täter am Werk, der eine makabre Form des Krippenspiels aufführen will? Alle Zeichen deuten darauf hin, dass er die „Mitspieler“ dafür längst auserkoren hat und er ist der Polizei immer einen Schritt voraus.

Ich fand vor allem die Figur des Gerichtspsychologen Thomas Meiberger interessant, aus dessen Sicht der größte Teil des Krimis erzählt wird. Kleine Szenen schwenken auch kurz zu Marie, aber vor allem auch zu dem Täter, der sich selbst als Teufel sieht und ganz genau weiß, was er will. Die Stärke des Krimis liegt dann auch in den Einblicken in das kriminalpsychologische Denken von Meiberger, der versucht, möglichst viele Möglichkeiten einzubeziehen, um nichts Wesentliches zu übersehen. Dabei bleiben die Autoren sehr präzise und nachvollziehbar, was Erkenntnisse und Theorien aus Psychologie und Psychiatrie betrifft. Meiberger ist ein sehr genauer Beobachter und vor allem seine Kollegen von der Polizei kommen dabei oft genug gar nicht gut weg. Die meisten der Polizisten wirken unheimlich tumb und desinteressiert, so dass ich mich sehr unwohl fühlen würde, wenn diese Leute für meine Sicherheit zuständig wären.

Angesiedelt in der Salzburger Gegend rund um St. Wolfgang gelingt es dem Autorenpaar Brandstetter mit viel Lokalkolorit eine vorweihnachtliche Stimmung zu erzeugen. Auch sprachlich merkt man dem Krimi an, wo er spielt. Beim Lesen hatte meine innere Kopflesestimme geradezu einen österreichischen Einschlag, wobei Formulierungen im Dialekt eher die Ausnahme bilden. Dennoch konnte mich der Krimi ausgerechnet sprachlich nur wenig überzeugen. Dabei war es nicht der durchschimmernde regionale Zungenschlag, sondern vielmehr die Erzählweise, mit der ich mich nicht anfreunden konnte. Gar nicht mehr aus dem Kopf geht mir auch „das kleine Mädchen, deren Mutter er versprochen hatte, sie zu finden“ (S. 119). Solche grammatikalischen Fehler lassen mich nur schwer wieder in den Lesefluss finden. Die Figuren sind mir fremd geblieben und obwohl der Kriminalfall an sich spannend ist, wollte ich, dass es schnell vorbei ist. Das wiederum trat dann auch ein, da sich der Krimi tatsächlich sehr schnell lesen lässt.

„Perchtenjagd“ beruht auf den Figuren der Fernsehserie „Meiberger – Im Kopf des Täters“. Möglicherweise beeinflusste mein Informationsdefizit hier auch meinen geringen Zugang zu den Figuren, da oft auf frühere Ereignisse angespielt wird, wie das Verschwinden von Meibergers Sohn Patrik oder seine frühere Beziehung zu Karo, der hier inzwischen Ex-Frau von Kriminalkommissar Nepomuk Brandner.

© Tintenhain


Das Autorenpaar Maja und Wolfgang Brandstetter schreibt die Drehbücher für die Fernsehproduktion »Meiberger – Im Kopf des Täters« rund um den Gerichtspsychologen Thomas Meiberger. Die zweite Staffel startet im November 2019 bei Servus TV.

Leseprobe

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Buch zur Fernsehserie „Meiberger – Im Kopf des Täters“
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Servus (25. Oktober 2019)
ISBN-10: 3710402336
ISBN-13: 978-3710402333
Preis: € 14,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Maja Brandstetter Wolfgang Brandstetter Perchtenjagd
Cover © Servus Verlag

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