Charlotte Lucas: Fünf Sterne für dich [Rezension]

Cover Charlotte Lucas Fünf Sterne für dich
Cover © Bastei Lübbe
Für ein gutes Leben gibt es ein simples Rezept: Man muss nur alles Schlechte vermeiden.
Davon ist Konrad fest überzeugt, denn er hat schon genug Schlimmes erlebt. Seinen Lebensunterhalt verdient er, indem er bezahlte Rezensionen nach Kundenwunsch schreibt. Auch privat versieht er alles mit Sternen: die flinke Kassiererin, den lauwarmen Kaffee… und Pia, die neue Klassenlehrerin seiner Tochter. Zu hübsch, zu unsicher, nicht geeignet für den Lehrberuf. Gerade mal zwei knappe Sterne von fünf.
Als Pia davon Wind bekommt, will sie Konrad eine Lehre erteilen. Dass er zum neuen Elternvertreter gewählt wird, passt ihr da bestens ins Konzept. So kann sie ihn mit lästigen Aufgaben ordentlich ins Schwitzen bringen. Doch als einer ihrer Schüler gemobbt wird, erweist sich ausgerechnet Konrad als Hilfe… (Inhaltsangabe © Bastei Lübbe)

Charlotte Lucas‘ neuer Roman hat mich allein vom Klappentext her sofort angesprochen, denn als Bloggerin bewerte ich, ich schreibe Rezensionen und auf manchen Plattformen vergebe ich auch Sternchen. Außerdem mag ich ihren humorvollen Schreibstil und das Hamburger Setting.

Konrad Michaelsen in „Fünf Sterne für dich“ verdient sein Geld damit, Rezensionen zu schreiben. Nicht nur für Bücher, sondern für alles, was man im Internet kaufen kann. In der „Kammer des Schreckens“ stapeln sich Kaffeemaschinen, Spielekonsolen, Haarpflegeprodukte und vieles mehr. Sein Job ist ihm inzwischen in Fleisch und Blut übergangen und schon fast unwillkürlich verfasst er im Kopf kleine Rezensionen, insbesondere wenn ihm so langweilig ist, wie auf dem ersten Elternabend der Klasse seiner Tochter Mathilda, mit der er gerade nach Hamburg gezogen ist.

Doch der „Verriss“ im kleinen Notizbuch fällt der neuen Lehrerin Pia Flemming in die Hände, die angesichts der Unverfrorenheit des Vaters mehr als ungehalten ist und obendrein auch mit der Gesamtwertung (2 von 5 Sternen) und dem Prädikat „Mäuschen“ hadert. Das lässt sie nicht auf sich sitzen und glücklicherweise hat sich Konrad gerade zum Elternvertreter wählen lassen, was in Pia einen Racheplan reifen lässt.

Gleich zu Beginn wird klar, dass Pia und Konrad es nicht ganz leicht haben. Vor allem Konrad trägt ein schweres Päckchen mit sich herum, was man vor allem daran merkt, dass er als Helikopterpapa für seine Tochter Mathilda alles perfekt machen möchte, aber vor allem auch an seinen Listen, in denen er die Welt in Gut und Böse einteilt. Kleine Flashbacks und Andeutungen an die Vergangenheit lassen den Leser ahnen, dass hier etwas Schreckliches geschehen sein muss, wovon Konrad tief traumatisiert ist.

Pia hingegen ist als Quereinsteigerin neu in dem Job an der Schule und möchte alles richtig machen, dabei übertreibt sie maßlos, aber mit guter Absicht und Idealismus, der oft an Schulen fehlt. Als das Thema Mobbing in der Klasse auftaucht, ist sie im Grunde hilflos und meiner Meinung nach auch vollkommen naiv. Den Avancen ihres Kollegen Tom, der von Konrad treffend als „Luftpumpe“ bewertet wird, kann sie sich ganz gut erwehren. Seinen Rat als erfahrener Lehrer nimmt sie dann auch gern mal an.

Mir hat vor allem der Humor des Romans gefallen und ich hatte viel Spaß beim Lesen. Charlotte Lucas schreibt leicht und unterhaltsam. Die Dialoge sind spritzig und lebendig. Zwar sind die Figuren etwas sehr klischeehaft geraten, aber das ist bei dieser Art von Romanen ja nichts Ungewöhnliches und so hat es mich nicht weiter gestört. Überrascht hat mich dann der Fokus auf dem Thema Mobbing, was ich im Kontext Schule sehr wichtig finde und was mich deshalb zunächst auch gefreut hat.

Doch zunehmend habe ich mich dann über den Umgang von Schule und Lehrern mit dem Thema Mobbing gewundert. Zwar scheint es mir äußerst realistisch zu sein, dass ganz offensichtliches Mobbing schöngeredet wird, nur wird diese Einstellung meines Erachtens in dem Buch zudem auch als normal hingestellt, so dass man es gar nicht in Frage stellen müsste. Meiner Meinung nach hätte hier sofort gehandelt werden müssen. Es gibt da Fachleute und ggf. auch das Präventionsteam der Polizei, die den Schülern mal klar gemacht hätten, dass das, was sie da, tun überhaupt nicht geht. Die Lösung, die im Buch geboten wird, ist mehr ein Zufallsprodukt und am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf. Das ist für einen Liebesroman okay, aber nicht für dieses ernste Thema. Das war wohl eine Nummer zu groß.

Insgesamt hat mich „Fünf Sterne für dich“ gut unterhalten, auch wenn mir Probleme zu leicht gelöst wurden. Als leichtes Urlaubsbuch kann ich es empfehlen und vergebe, weil es so gut passt, knappe vier von fünf Sternen.

© Tintenhain


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Einzelband
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (31. Mai 2019)
ISBN-10: 3431041140
ISBN-13: 978-3431041149
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
Preis: € 18,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Charlotte Lucas Fünf Sterne für dich
Cover © Bastei Lübbe

3 Kommentare

  1. Hallo liebe Mona,

    hm, ….knappe 4 von 5 Sternen..trotzdem sollte .mit Mobbing nicht leichtfertig umgegangen werden..dazu gibt es überall zu viele Opfer……

    Dazu ist es zu ernst…LG..Karin..

  2. Einen wunderschönen guten Abend,

    Charlotte Lucas hat in diesem Roman wohl versucht den Geist der Zeit einzufangen. Sterne-Rezensionen, Schnelllebigkeit, Quereinsteiger, Mobbing. Vielleicht zu viel des Guten? Ich habe bisher nur „Wir sehen uns beim Happy End“ gelesen, fand den Roman amüsant, aber dann auch too much bzw. wurden nicht alle angesprochenen Aspekte gut herausgearbeitet. Vielleicht ist es hier ähnlich?

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Ich fand den Roman gar nicht schlecht konzipiert. Das mit den Bewertungen hat vor allem viel Spaß gemacht.
      Ich denke nur, dass sie sich mit dem Thema Mobbing zu leicht getan hat. Für mich fühlte sich die Lösung ein wenig wie gemogelt an.

      Liebe Grüße
      Mona

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