Petra Hülsmann: Meistens kommt es anders, wenn man denkt [Rezension]

Cover Petra Hülsmann Meistens kommt es anders, wenn man denkt
Cover © Bastei Lübbe

Nele hat von der Liebe die Nase gestrichen voll. Ihr neuer Job bei einer angesagten Hamburger PR-Agentur soll ab jetzt an erster Stelle stehen. Inhaber Claas betraut sie mit der Imagekampagne für den Politiker Rüdiger Hofmann-Klasing, dessen Umfragewerte tief im Keller sind – aus gutem Grund, wie sie bald herausfindet. Darüber hinaus beschließt ihr kleiner Bruder Lenny, der das Down-Syndrom hat, sich eine eigene Wohnung zu suchen. Ausgerechnet Nele soll ihn im Kampf mit den besorgten Eltern unterstützen, dabei ist sie doch insgeheim die größte Glucke von allen. Um das Chaos perfekt zu machen, stellt Nele fest, dass Claas mehr als nur ein netter Chef für sie ist und dass er ihr Herz ganz schön zum Stolpern bringt. Aber soll sie sich von der Liebe etwa schon wieder einen Strich durch die Rechnung machen lassen? (Inhaltsangabe © Bastei Lübbe)

In Petra Hülsmanns neuem Hamburg-Roman „Meistens kommt es anders, wenn man denkt“ begegnen wir zwei Personen, die bereits in anderen Hülsmann-Romanen eine Rolle gespielt haben. Einmal ist da Claas aus „Hummeln im Herzen“. Ihr wisst nicht mehr, wer das genau sein soll? Das ist der Inhaber der Agentur, bei dem sich Lena bewirbt, nicht ohne ihm vorher an der Imbissbude was über den Latz zu kippen und dann beim Vorstellungsgespräch auf dem Hintern zu landen. Fällt es euch wieder ein? Lena nimmt den Job dann nicht an, aber dafür Nele, und zwar gleich zu Beginn des neuen Romans, um den es hier gehen soll. Nele ist die Mitbewohnerin der Musiklehrerin Annika aus „Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ und es ist so wunderbar, sie hier wiederzutreffen und endlich mehr über sie zu erfahren. Netter Nebeneffekt: wir bekommen auch noch mit, was bei Annika und Sebastian los ist. Aber wirklich nur am Rande.

Nele und Claas sind dieses Mal zwei Personen, die nicht so viel Ballast mit sich herumschleppen wie die anderen Figuren bei Petra Hülsmann. Nele ist ein wirklich lieber Mensch, der es immer versucht allen recht zu machen. Dabei vergisst sie meist sich selbst. Besonders aufopferungsvoll ist sie, wenn es um ihren jüngeren Bruder Lenny geht, der Trisomie 21 (Down-Syndrom) hat. Seit Neles frühester Kindheit dreht sich alles um den Jungen mit Handicap und sie möchte es gar nicht anders haben. Nur dass er plötzlich selbstständig werden will, eine Freundin hat und allein wohnen möchte, passt nicht so ganz in Neles Bild von ihrem hilfsbedürftigen Bruder. Doch für Lenny würde sie alles tun und so hilft sie ihm dann doch auch gegen den Widerstand der Eltern, sich auf den Weg in ein selbstbestimmteres Leben zu machen.

Claas ist mit seiner Agentur, die er zusammen mit seinem Bruder hat, ziemlich erfolgreich. Er sieht sofort Neles Potenzial und traut ihr eine Menge zu. Ganz zum Leidwesen von Julius, der seine eigenen Aufstiegschancen in der Firma gefährdet sieht. Claas fühlt sich sofort von Nele angezogen, was zu beider Glück auf Gegenseitigkeit beruht. Natürlich gibt es Verwicklungen, wenn der Chef mit der Angestellten was anfängt und Nele sträubt sich mit Händen und Füßen gegen ihre Gefühle.

„Meistens kommt es anders, wenn man denkt“ ist bereits der sechste Teil der Hamburg-Reihe, bei der bisher allein der Taxifahrer Knut mit seinen Lebensweisheiten ein verbindendes Element schuf. Na ja, abgesehen von der Stadt Hamburg, die man von Mal zu Mal ein bisschen besser kennen und lieben lernt.

Ich hatte mal wieder ein großartiges Lesevergnügen. Besonders gut gefallen hat mir, dass dieses Mal beide wissen, was sie wollen und vor allem Claas sich nicht scheut, seinen Wünschen und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Ich mochte seine geradlinige Art sehr gern und es war geradezu erholsam, die beiden miteinander zu erleben. Petra Hülsmann schreibt wie immer mit leichter Feder, witzig und romantisch zugleich. Mir gehen ihre Romane unter die Haut, wenn auch nur für den Augenblick, aber diesen genieße ich dann besonders.

Ich weiß nicht, wie gut das Thema Trisomie 21 recherchiert und umgesetzt ist. Lenny ist ziemlich reif, fit und sehr selbstbestimmt. Um das einordnen zu können, kenne ich mich zu wenig aus. Auf jeden Fall regt es zum Nachdenken an, da ich finde, dass das Thema geistige Behinderung im Erwachsenenalter nicht so viel Beachtung findet wie bei Kindern.

Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

© Tintenhain


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Leseprobe


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Einzelband
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (31. Mai 2019)
ISBN-10: 3404178238
ISBN-13: 978-3404178230
Preis: € 12,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Petra Hülsmann Meistens kommt es anders, wenn man denkt
Cover © Bastei Lübbe

9 Kommentare

  1. Hallo,

    ich lese sehr gern die Romane von Petra Hülsmann und bin schon sehr auf das neue Buch gespannt. Daher versuche ich mal mein Glück beim Gewinnspiel. 😉

    Liebe Grüße
    SaBine

  2. Ich lese die Bücher von Petra Hülsmann auch seit der ersten Stunde und liebe sie. Leider muss ich sagen, dass dieser Band der schwächste ist. Ich bin noch nicht am Ende, aber es gibt bereits einige Sachen, die mir nicht gefallen. z.B. die Dialoge und auch die „witzigen“ Situationen (gestreifte Krawatte, beim Aussuchen des Brautkleids, …)
    Ich finde es gut, dass in dem Buch mal jemand mit Behinderung in den Vordergrund gerückt wird.
    LG
    Verena

  3. ich lese sehr gern die Romane von Petra Hülsmann und bin schon sehr auf das neue Buch gespannt.Vielen Dank für das tolle Gewinnspiel =) Sehr gerne bin ich dabei und versuche mein Glück =)

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