Sarah Pinborough: Tief ins Herz [Rezension]

Cover Tief ins Herz Sarah Pinborough
Cover © Rowohlt

Lisa ist eine überfürsorgliche Mutter, ihre Tochter Ava muss sie allein erziehen. Vor einer neuen Liebe hat sie jedoch panische Angst. Und dann sind da die Erinnerungen, über die sie mit niemandem sprechen kann: die schrecklichen Bilder von einem toten Kind.
Aber jemand scheint Lisa und Ava ganz genau im Blick zu haben. Ein Hausschlüssel verschwindet, Dinge gehen kaputt, im Radio läuft ein Lied, das Lisa aus der Fassung bringt. Denn es stammt aus der Zeit, als sie jemand ganz anderes war. Jemand, der ein Versprechen gab. Und brach. (Inhaltsangabe © Rowohlt Verlag)

Lisa lebt ein bescheidenes, unauffälliges und ruhiges Leben. Zu ruhig findet ihre sechzehnjährige Tochter Ava, die endlich etwas erleben und vor allem den Argusaugen ihrer behütenden Mutter entfliehen möchte. Was Ava für übertriebene Fürsorge hält, scheint jedoch Hand und Fuß zu haben. Lisa ist stets auf der Hut vor der Vergangenheit und diese kommt ihr wieder nahe. Ein Plüschhase, ein anonymer Wunschhit im Radio, ein verschwundenes Foto. Die immer wiederkehrenden Träume von Daniel, der als kleines Kind sterben musste. Lisa weiß, dass die Vergangenheit sie nun endlich einholen wird.

Vor etwa zwei Jahren las ich „Sie weiß von dir“ von Sarah Pinborough und als ich hörte, dass es einen neuen Psychothriller von ihr gibt, musste ich ihn auch gleich lesen. Da „Sie weiß von dir“ unerwarteter Weise zu einem Mysterythriller mutierte, war ich auch bei „Tief ins Herz“ ein bisschen auf der Hut, kann aber alle beruhigen, die von „Sie weiß von dir“enttäuscht waren. Es gibt dieses Mal nichts Übersinnliches.

Sarah Pinborough baut schnell Spannung auf, die bedrohliche Atmosphäre wird sehr gut eingefangen. Man ahnt, was in Lisas Leben passiert sein könnte und wovor sie ihre Tochter Ava so verzweifelt zu schützen sucht. Klar ist: Lisa will um keinen Preis gefunden werden. Es fällt ihr schwer, anderen zu vertrauen oder sich gar auf eine neue  Liebe einzulassen. Der erste Plottwist hat mich dann trotzdem aus den Socken gehoben.

„Tief ins Herz“ ist ein geschickt aufgebauter Psychothriller, der mit tollen Plottwists aufwartet. Die Handlung wird in erster Linie aus der wechselnden Perspektive von Lisa und Ava erzählt, später kommen noch andere Erzähler hinzu. Außerdem wird im zweiten und dritten Teil des Buches aus verschiedenen Zeitebenen (Davor, Danach und Jetzt) erzählt.

Mir hat es richtig gut gefallen, immer wieder eigene Vermutungen anzustellen und mich auch aufs Glatteis führen zu lassen. Die Spannung ließ kaum nach und zeitweise habe ich jede freie Minute genutzt, um endlich weiterlesen zu können. Pinborough schreibt flüssig und spannend, und der Aufbau des Thrillers ist logisch konsequent. Nur am Ende ist mir eine Unstimmigkeit aufgefallen, die allerdings nichts mit der Auflösung zu tun hat.

Mich konnte „Tief ins Herz“ auf ganzer Linie überzeugen. Ich habe mich hervorragend unterhalten und an der Nase herumgeführt gefühlt. Genau das, was ich von einem solchen Buch erwarte. – In meiner Thriller-Facebook-Gruppe werden garantiert wieder einige sagen: „Total vorhersehbar!“ Tja, die sind dann eben schlauer als ich.

© Tintenhain


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Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch (19. Februar 2019)
Originaltitel: Cross Her Heart
Übersetzung aus dem Englischen: Ulrike Thiesmeyer
ISBN-10: 3499276070
ISBN-13: 978-3499276071
Preis: € 10,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Tief ins Herz Sarah Pinborough
Cover © Rowohlt

4 Kommentare

  1. Hallo,

    meistens ist es mir lieber, wenn in einem Thriller nichts Übersinnliches vorkommt – warum auch immer, ich lese ja auch Fantasy und gelegentlich Mystery. „Tief ins Herz“ klingt sehr gut, schöne Rezension!

    LG,
    Mikka

    1. Ja, das war auch sehr überraschend, wobei es dann langsam eingeführt wurde, so dass man Zeit hatte, sich damit anzufreunden. Aber dieses Mal hat sie ja glücklicherweise komplett darauf verzichtet. 🙂

  2. Das Buch hört sich auf jeden Fall spannend an und die Autorin ist mir in letzter Zeit auch häufiger begegnet. Habe immer wieder Gutes über sie gehört, sodass ich auch mal eines ihrer Bücher lesen muss, bin ja ebenfalls ein großer Fan von Psychothrillern. Freut mich zu hören, dass dich das Buch auch so überraschen konnte und der Schreibstil flüssig und spannend ist. Genau das mag ich. Bin kein Fan mehr von Thriller, die sich am Anfang ziehen und erstmal 100 – 150 Seiten brauchen bis sie sich warm laufen und überhaupt was passieren. Da breche ich bei geliehenen Büchern aus der Bücherei mittlerweile sogar konsequent ab, weil ich dann meine Zeit nicht verschwenden möchte, aber gerade deshalb bräuchte ich mal wieder einen richtig guten Thriller, damit ich da auch mal wieder ein Erfolgserlebnis habe xD.

    Dankeschön auch für deine liebe Antwort.
    Das freut mich zu hören, ich will die Serie ja auch noch schauen. Habe sogar letztens festgestellt dass ich auch ein Buch von Harlan Coben gelesen habe. Das war schon etwas her und jetzt beim Ausmisten, ist mir das in die Hände gekommen. Habe mir aber fest vorgenommen mir auch mal seine neueren Werke anzuschauen, der Autor wurde mir schon von einer Freundin wärmstens empfohlen.

    Mit Comedy habe ich es ja auch nicht so, deshalb weiß ich nicht ob „Matrjoschka“ meinen Geschmack trifft. Generell habe ich ja ein paar Comedys in Netflix auf der Watchliste, aber die sind da alle schon etwas länger.

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