Nina George: Die Schönheit der Nacht [Rezension]

© Droemer Knaur Verlag
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Vor der beeindruckenden Kulisse der bretonischen Küste lässt Bestseller-Autorin Nina George zwei Frauen sich selbst neu entdecken: ihre Wünsche und Träume, ihre Sinnlichkeit, ihr Begehren. Die angesehene Pariser Verhaltensbiologin Claire sehnt sich immer rastloser danach, zu spüren, dass sie lebt und nicht nur funktioniert. Die junge Julie wartet auf etwas, das sie innerlich in Brand steckt – auf des Lebens Rausch, auf Farben, Mut und Leidenschaft. In der glühenden Sommerhitze der Bretagne, am Ende der Welt, entdecken die beiden unterschiedlichen Frauen Lebenslust und Leidenschaft neu – und werden danach nie wieder dieselben sein. (Klappentext)

Gestohlene Momente im Stundenhotel, das Gefühl, nicht das aus ihrem Leben gemacht zu haben, was hätte sein können – die renommierte Verhaltensbiologin Claire ist sich nicht sicher, ob das was ist, was sie und ihr Mann Gilles seit Jahren miteinander, nebeneinander haben, alles gewesen sein soll. Als ihr Sohn Nicolas seine Freundin Julie vorstellt, lädt das Ehepaar die jungen Leute ein, den Sommer mit ihnen an der Betonischen Küste zu verbringen. Hier hat Claire mit elf Jahren zum ersten Mal zu sich selbst gefunden, immer wieder kehrt sie seitdem ans Meer zurück. Julie hingegen ist zum ersten Mal am Meer und gemeinsam mit Claire, mit der sie sich verbunden und vertraut fühlt, entdeckt sie sich selbst neu. Zwei Frauen auf der Suche nach dem Glück und nach sich selbst.

Nina Georges neuer Roman beschäftigt sich mit der Frage nach dem Sein, nach dem Sinn und dessen, was ein erfülltes Leben ausmacht. Dabei bedient sie sich in geradezu philosophischer Manier Metaphern über das Meer und das Leben. Der Roman lebt von der wohlgeschliffenen, überbordenden Sprache und dem französischen Flair, das mit eingestreuten Vokabeln untermalt wird. Es ist ein Balanceakt zwischen Poesie und Schwülstigkeit, der fast immer gelingt. Nur manchmal fühlte ich mich von wohlgesetzten, geradezu bedeutungsschwangeren Sätzen geradezu gepeitscht. Zu sehr drängte sich das Gefühl auf, belehrt zu werden und eine Lebensphilosophie aufgedrängt zu bekommen. Vor allem zu Beginn war ich auf der Suche nach der Geschichte inmitten verschwurbelter, sinntragender Sätze, die, um ihre Bedeutung noch zu unterstreichen, zuweilen kursiv gesetzt werden.

Mit Claire konnte ich mich kaum identifizieren, obwohl wir doch sicher alle auf der Suche sind. Trotz aller betonten Sinnlichkeit konnten mich ihre Gefühle kaum überzeugen. Sie blieb für mich unnahbar, keine ihrer Beziehungen, sei es die zum Mann, zum Sohn oder zu Julie, konnte mich berühren. Vielleicht lag es auch daran, wie sehr sie das Muttersein ablehnt und wie sie immer über allen Dingen zu schweben scheint. Keine Vorwürfe, keine Verletzungen angesichts der Untreue von Gilles.
Claires Midlife-Crisis konnte mich nicht abholen, obwohl wir fast im selben Alter sind. Es geht um die Vergänglichkeit und Begehrlichkeit der Jugend, um Sinnlichkeit im Alter, Begehren und stets die Frage, wer man sein können und ob es dafür zu spät ist. Grundtenor ist durchgehend das Thema Sex, der Genuss von Wein, Gerüche und das Meer.

Auch wenn ich das Buch sehr gut lesen konnte und ich die sprachliche Gewandtheit Nina Georges einerseits sehr bewundere, ihre kunstvollen Formulierungen mir jedoch hin und wieder auch ein wenig too much sind, wird „Die Schönheit der Nacht“ nicht eines meiner Lieblingsbücher werden. Vielleicht komme ich in meinem Leben an die Stelle, an der ich das Buch nochmal lesen möchte. Sehr gefallen hat mir das Nachwort, in dem die Autorin erzählt, wie der Roman entstanden ist und was sie dabei getrieben hat.

Gespannt bin ich auf die Lesung mit Nina George am 17. Mai in der Buchhandlung Graff, für die ich mir bereits eine Karte geholt habe.

© Tintenhain

Leseprobe

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Nina George: Die Schönheit der Nacht

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Knaur HC (2. Mai 2018)
ISBN-10: 3426654067
ISBN-13: 978-3426654064
Preis: € 18,99 [D]
Rezensionsexemplar

© Droemer Knaur Verlag
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6 Kommentare

  1. Hallo Mona,
    das Cover dieses Buchs ist mir online schon ein paar mal begegnet, ich habe mich aber nie näher damit beschäftigt. Deine Rezension gefällt mir sehr gut. Und trotz deiner Kritikpunkte bin ich jetzt neugierig auf das Buch, so dass ich mir den Titel auf jeden Fall mal merken werde. Danke also fürs vorstellen.
    Liebe Grüße
    Julia
    #litnetzwerk

    1. Hallo Julia,

      bitte schau dir das Buch unbedingt an! Wärst Du bei der Lesung gewesen, hättest du es vielleicht sofort gekauft. Nina George ist eine wunderbare, charismatische Frau – nur hat sie mit dem Thema bei mir keinen Nerv getroffen.

      Liebe Grüße,
      Mona

    1. Hallo Daggi,

      Nina George hat einen ganz besonderen Schreibstil, wie ich finde. Du solltest Dir auf jeden Fall mal eine Leseprobe zu Gemüte führen. Am bekanntesten ist ja ihr „Lavendelzimmer“, das ich trotz meiner anfänglichen Begeisterung (vor allem auch für die Sprache) irgendwann abgebrochen habe, weil ich die Sprache zu angestrengend empfand. Ein Buch, bei dem man bei jedem zweiten Satz denkt „Oh, welche Weiheit! Sollte ich mir anstreichen.“ ist irgendwann kein Lesegenuss mehr. Aber das ist natürlich Geschmackssache und der Erfolg gibt Nina George recht, die im Übrigen eine ganz tolle Frau ist. Die Lesung mit ihr war jedenfalls richtig toll. Sie hat auch mit ihrem Mann zusammen Krimis geschrieben und als Anne West auch Erotik.

      Liebe Grüße,
      Mona

  2. Guten Morgen Mona,
    ich hoffe es ist ok, ich hätte eine Frage zum Layout der Rezenssion.
    Am Ende steht eine Anzeige des Verlags für das besprochene Buch, die auch als Anzeige gekennzeichnet ist. Kannst Du die in dieser Art selbststädnig einfügen oder macht das wordpress automatisch?
    Vielen Dank und liebe Grüße
    J. Freitag

    1. Hallo J.,

      ich mach das ganz simpel über eine Tabelle, da ich vorher bei wp.com nicht die Möglichkeit hatte, etwas über ein Plug-in oder so zu formatieren. Keine Ahnung, ob es da was gibt. Gibt bestimmt noch schönere Lösungen. 😄

      Liebe Grüße,
      Mona

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