Yrsa Sigurðardóttir: Sog (2) [Rezension]

Cover (c) Random House btb

Zwölf Jahre nach dem Tod und der Vergewaltigung eines Mädchens wird eine Zeitkapsel in Reykjavik gehoben. Darin enthalten: 10 Jahre alte Briefe von Schülern, die beschreiben, wie sie sich Island im Jahre 2016 vorstellen. Darunter findet sich noch etwas anderes: eine unheimliche Botschaft, die akribisch genau die Initialen von zukünftigen Mordopfern auflistet. Kurz danach werden zwei abgetrennte Hände in einem Hot Tub in der Stadt treibend gefunden. Doch noch hat keiner eine Vermisstenanzeige bei der Polizei gestellt. Schon bald taucht die erste verstümmelte Leiche auf, dicht gefolgt von einer zweiten, und es ist klar, dass die Botschaft aus der Zeitkapsel ernst zu nehmen ist. (Klappentext)

Wie sehr habe ich mich auf den neuesten Thriller von Yrsa Sigurðardóttir gefreut! Die isländische Krimi- und Thrillerautorin gehört seit einiger Zeit zu meinen liebsten Schriftstellern und ich hatte das unglaubliche Glück, sie auch in diesem Jahr wieder einmal live erleben zu können. So kam ich auch vor Erscheinungstermin bereits in den Genuss, den zweiten Teil der Reihe um Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freyja zu lesen.

Nach dem etwas verunglückten Ausgang im ersten Teil „DNA“ befinden sich Huldar und Freyja beruflich auf dem absteigenden Ast. Beide mussten ihre Führungsposition aufgeben, versuchen nun aber das beste daraus zu machen. Huldar sieht sich zunächst mit einem ziemlich langweiligen, eher unspektakulären Fall konfrontiert. Er soll überprüfen, ob die in der vor zehn Jahren vergrabenen Zeitkapsel gefundenen Briefe, von denen einer die Ankündigung mehrerer Morde beinhaltet, irgendwie ernst zu nehmen seien. Der spannendere Fall, nämlich der Fund zweier abgetrennter Hände in einem Hot Tub bleibt ihm verwehrt, obwohl er zunehmend Zusammenhänge zwischen beiden Fällen zu erkennen glaubt. Erst als weitere Morde geschehen, beginnt man ihn und Freyja, die ihn eher unwillig unterstützt, ernstzunehmen.

Der Prolog, der zwölf Jahre zuvor spielt, weist schon auf das Thema des neuen Thrillers hin: Kindesmissbrauch. Ein Thema, das ich eigentlich nicht gut lesen kann. Doch Yrsa Sigurðardóttir hat jedoch das Talent, Szenen nur anzudeuten und es allein dem Leser zu überlassen, inwieweit man das Kopfkino laufen lässt. Dies gelingt ihr auch bei sämtlichen Morden. Man weiß, was geschehen ist und auch das Wie kann man sich vorstellen. Doch die Autorin moderiert nur an und Voyeurismus bliebt außen vor, auch wenn Yrsa wieder viel Einfallsreichtum bei der Art der Morde zeigt. Auf der Lesung beim Mordsharz-Festival sagte die Autorin, dass sie beim Schreiben viel Wut im Bauch hatte. Das spürt man und ich konnte es in jedem Fall nachvollziehen.

Die Entwicklung der beiden Hauptfiguren Huldar und Freyja hat mir sehr gut gefallen. Hier passiert nichts Knall auf Fall, sondern beiden wird Zeit gegeben, ihr Leben in den Griff zu bekommen, ohne die Beziehung zwischen den beide in den Vordergrund zu setzen. Mit dem Polizisten Guðlaugur wird eine neue, überaus sympathische Figur eingeführt, von der hoffentlich auch in den nächsten Bänden mehr zu lesen ist. Sehr beeindruckt haben mich auch die Geschwister Sigrún und Þröstur.

„Sog“ ist ein spannender Thriller, in dem es förmlich nach Gerechtigkeit schreit. Dabei gibt es zwar wenige überraschende Wendungen, jedoch versteht es die Autorin, die Spannung hoch zuhalten und vor allem logisch und befriedigend die Mordfälle aufzulösen. Da Yrsa bei der Lesung sagte, dass das Buch auf einem wahren Fall beruhe, treibt mich noch immer um, was genau als Tatsache der Auslöser zu diesem Thriller gewesen ist.

Nach einem packenden Lese-Erlebnis kann ich „Sog“ auf jeden Fall weiter empfehlen und freue mich darauf, dass Haldur und Freyja noch weitere Fälle erleben werden. Yrsa Sigurðardóttir schreibt zur Zeit am vierten Fall. Wer nun Lust auf das Buch bekommen hat, sollte in den nächsten Tagen die Augen offen halten, da ich ein Exemplar verlosen werde.

© Tintenhain

weitere Rezensionen von Bloggern
KeJas Blogbuch
Zeit für neue Genres
Nisnis Bücherliebe

mehr von Yrsa Sigurðardóttir im Tintenhain
Geisterfjord
Nebelmord
Das letzte Ritual (1)
Das gefrorene Licht (2)
DNA (1)

 

Werbung

Yrsa Sigurðardóttir: Sog (2)

Teil einer Reihe
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: btb Verlag (18. September 2017)
Originaltitel: Sogið
Übersetzung aus dem Isländischen: Tina Flecken
ISBN-10: 3442756642
ISBN-13: 978-3442756643
Preis: € 20,00 [D]
Kauf

Cover (c) Random House btb

14 Kommentare

  1. Das hört sich wirklich sehr spannend an. Janna von KeJa schwärmt ja auch schon die ganze Zeit von den Büchern der Autorin 😀 Wie cool, dass du bei einer Lesung sein konntest. Ich finde es immer wieder etwas ganz besonderes, Lieblingsautoren live erleben zu können. 🙂

    1. Mein erstes Buch von ihr war „Geisterfjord“ und es war ein grandioser Einstieg. Seitdem hat mich kein Buch der Autorin enttäuscht und meine Begeisterung steigert sich von mal zu mal. Wobei ich DNA dann schon etwas heftig fand.

  2. Nachdem du uns nun schon die Lesung so schmackhaft gemacht hast, folgt mit deiner Rezi auch noch eine ansprechende Besprechung. Hach, ich möchte da nicht drumherum kommen 😉 und muss Sog unbedingt lesen.

    Liebe Grüße

    Anja

  3. Ich kann deine Worte nur unterschreiben! Ich war zu doof für den neuen Kollegin die isländische Schreibweise in meine Rezension zu bekommen 😀

    Mich hat eben dies besonders fasziniert, ihr Können Szenen/Situationen nur anzudeuten und doch hat man als Leserin die Bilder genau vor sich.

    Und natürlich lieben Dank für die Verlinkung – ich verlink dich dann auch mal schnell (=

    Hab noch einen mukkeligen Abend!

      1. Sorry, ich bin manchmal einfach überfordert. Nicht vom Blog, aber da geht dann mal was unter. Es tut mir leid.
        Ich bin eigentlich dankbar, dass ich die Bilder nicht im Kopf habe. Wenn ich an den Mord mit dem Auto denke, reicht mir komplett zu wissen, dass da jemand grausam ums Leben kam. Mehr brauche ich nicht und das weiß ich an Yrsa sehr zu schätzen. ☺

        Liebe Grüße
        Mona

      2. Kein Stress, ich kenn das doch auch :-* nur fühlte ich mich so allein *lach

        Definitiv kann Yrsa super gut (be)schreiben, ohne detalliert zu werden und die Leser dennoch mittenrein zu katapultieren

      3. Kann ich verstehen. Ich habe auch ständig ein schlechtes Gewissen. Ich nehme mir immer vor, die Kommentare am PC zu beantworten, weil das schneller geht und dann komme ich ewig nicht an den PC. 😕

  4. Durch deine Rezi von „DNA“ bin ich auf die Autorin gestoßen und habe mir dann das gleichnamige Hörbuch angehört. Da es mir richtig gut gefallen hat, werde ich nun auch „SOG“ (als Hörbuch) lauschen. 🙂
    Also, danke, liebe Mona, für diesen guten Tipp! 🙂

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.