Yrsa Sigurðardóttir: Geisterfjord [Rezension]

Geisterfjord Cover (c) Fischer Verlage
Cover © Fischer Verlage

Drei junge Leute aus Reykjavík planen, ein heruntergekommenes Haus in einem verlassenen Dorf in den kargen Westfjorden Islands wieder aufzubauen; sie ahnen nicht, welch gewaltige Ereignisse sie damit in Gang setzen.
In einer Kleinstadt am anderen Ende des Fjords ermittelt zur selben Zeit Polizistin Dagný gemeinsam mit Freyr, einem Psychologen, in einer Reihe von unnatürlichen Todesfällen. Welche Geheimnisse bergen die staubigen Polizeiakten aus dem vorigen Jahrhundert? Und warum hat Freyr auf einmal das Gefühl, dass sein verschollener Sohn noch am Leben sein könnte? Erst als die Verbindung zwischen diesen rätselhaften Geschehnissen sichtbar wird, enthüllt sich die grausige Wahrheit. (Klappentext)

Dieses Buch hat mich verschlungen! Dabei war ich schon skeptisch, ob es nicht harter Tobak werden würde, da meine Freundin Manuela es mir empfohlen hat und sie am liebsten eklige, blutige Thriller liest. Kann ihr gar nicht schlimm genug sein.

„Geisterfjord“ beginnt eigentlich recht ruhig, zieht aber sehr schnell an. Da ist das junge Ehepaar Kátrín und Garður, das mit seiner Freundin Líf in einem verlassenen Fischerdorf, das nur über das Meer erreichbar ist, ein altes Haus renovieren will, obwohl man ihnen zu dieser Jahreszeit davon abrät. In der kalten Jahreszeit sind die Sommergäste längst abgereist und die drei sind allein in Hesteyri. Sie haben von Anfang an ein mulmiges Gefühl, vor allem Kátrín, die schon beim an Land gehen merkt, dass etwas an dem Ort nicht stimmt.

In einem zweiten Handlungsstrang, der hauptsächlich in und um die Stadt Ísafjörður spielt, wird der Arzt und Psychologe Freyr zu einem merkwürdigen Fall in einem Kindergarten hinzugezogen. Jemand hat hier ohne einzubrechen, eine unglaubliche Verwüstung angerichtet, die von Wut und Zerstörungsdrang zeugt. Durch Zufall kommt Freyr einem 60 Jahre alten, ähnlich gelagerten Fall auf die Spur, der noch dazu in seltsamer Verbindung mit dem Verschwinden seines eigenen Sohnes vor drei Jahren zu tun haben scheint.

Die beiden Handlungsstränge scheinen lange Zeit nichts miteinander zu tun zu haben, sind aber jeder für sich unglaublich packend geschrieben. Als dann noch hier und da ein Wort auftaucht, mit dem erste Verbindungen entstehen, kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen und möchte am liebsten noch schneller lesen. Die Kapitel enden oft mit kleinen Cliffhangern, was natürlich noch mehr zum Weiterlesen drängt. Dabei empfand ich den Roman als kaum vorhersehbar und hatte nicht die geringste Ahnung, was sich hinter den geheimnisvollen Vorgängen verbergen könnte.

Yrsa Sigurðardóttir hat mit „Geisterfjord“ einen sehr stimmungsvollen, spannenden, aber auch gruseligen Thriller geschrieben. Es tauchen von Anfang an Geistererscheinungen und unheimliche Vorgänge auf. Menschen träumen denselben Traum und die Figuren zweifeln in einem fort am eigenen Verstand. Auch wenn es sich hier größtenteils um übersinnliche Phänomene handelt, wirkt die Geschichte so real und nachvollziehbar, dass man sie für möglicherweise passiert halten könnte. Die Charaktere sind interessant, gut ausgearbeitet und vielschichtig und es ist ein Leichtes, mit ihnen zu bangen und Vermutungen anzustellen. Der Plot ist durchweg logisch aufgebaut und atmosphärisch dicht beschrieben. Nur am Ende bleibt meiner Meinung nach noch ein loser Faden und ich habe auch noch ein, zwei unbeantwortete Fragen. (Oder habe ich es schlicht und ergreifend nicht verstanden.)

Interessant fand ich, dass es das Anfang der 50er Jahre verlassene Fischerdorf Hesteyri tatsächlich gibt und die Häuser tatsächlich nur noch als Sommerhäuser genutzt werden. Es machte die Szenerie noch authentischer, obwohl ich damit wirklich nicht gerechnet hatte.

© Tintenhain

Leseprobe

Auch diese Blogger waren im hohen Norden am Geisterfjord
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Nette Bücherkiste

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Einzelband
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch (9. September 2011)
Originaltitel: Ég man ðig
Übersetzung aus dem Isländischen: Tina Flecken
ISBN-10: 3596192730
ISBN-13: 978-3596192731
Preis: € 9,99 [D]
Bücherei
Geisterfjord Cover (c) Fischer Verlage
Cover © Fischer Verlage

 

 

 

21 Kommentare

  1. Hallo Mona!

    Ja, ja, ja! Ich muss dir in allen Punkten zustimmen. Ich fand das Buch auch großartig und kann es kaum erwarten, mehr von der Autorin aus dieser Richtung zu lesen.

    Übrigens, schön, dass du das mit den isländischen Buchstaben in den Namen hingebracht hast. Ich habe das nicht geschafft.

    Ich bin so froh, dass du mich dazu gebracht hast, endlich dieses Buch vom SuB zu holen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    1. Ich bin auch froh, es endlich gelesen zu haben und vergnüge mich gerade mit „Nebelmord“. Ähnlicher Aufbau, so dass ich schon weiß, worauf ich achten muss. Nichtsdestotrotz mal wieder sehr spannend und den Mystery-Faktor gibt es auch wieder. Zu den isländischen Buchstaben: Notfalls kopieren und einfügen. 😉

      Liebe Grüße
      Mona

      1. Ja, ich habe schon auf Facebook gesehen, dass du fleißig an „Nebelmord“ liest. Das Buch wird hier sicher bald einziehen.

        Das mit dem Kopieren hat leider nicht ganz so funktioniert. Meine Schriftart will nicht immer so wie ich … 😀

        Weiterhin viel Gruselspaß in Island & einen angenehmen Wochenendausklang!

  2. Ich liebe dieses Buch! Einmal angelesen konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Nun habe ich nur ein Problem: Welches Buch (von ihr) kann das toppen? „Nebelmord“ ist nicht schlecht, aber an Geisterfjord reicht es (für mich) nicht ran…

    LG Anna

    1. Ich habe „Nebelmord“ gerade gelesen und stimmt schon, es komm nicht ganz dran. Allerdings ging es mir hier so, dass ich das Strickmuster nun schon kannte, und wusste, worauf ich zu achten habe. Bei „Nebelmord“ gefiel mir allerdings, dass sich alles logisch ohne mystische Komponente aufklärt, obwohl die mystischen Elemente vorhanden sind.

      LG
      Mona

      1. Siehste, und genau das finde ich so schade… dass der Mystery-Faktor hier fehlt. 😛

  3. Da ich, wie deine Freundin, blutige Krimis mag, könnte mir dies vielleicht auch gefallen? Gruelig hört sich schon mal vielversprechend an. Von den Island-Krimis dieser Autorin habe ich schon viel gehört, aber noch keinen gelesen. Das sollte ich endlich mal nachholen!

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