Kelley Armstrong: Dunkles Omen (1) [Rezension]

Dunkles Omen Cover (c) Heyne

Olivia Taylor-Jones führt ein Leben wie aus dem Märchen: Sie ist schön, sie ist reich und sie steht kurz vor ihrer Hochzeit mit einem aufstrebenden jungen Politiker. Doch dann zerbricht ihre heile Welt in tausend Scherben, als sie durch einen Zeitungsartikel in der Boulevardpresse erfährt, dass sie adoptiert wurde und ihre leiblichen Eltern wegen mehrfachen Mordes im Gefängnis sitzen. Um die Wahrheit über ihre Familie herauszufinden, reist Olivia in den Heimatort ihrer Eltern – nach Cainsville. Doch in dem hübschen kleinen Städtchen sind die Dinge so gar nicht, wie sie zu sein scheinen … (Klappentext)

Wird man zum Mörder geboren? Dieser Frage muss sich Olivia stellen, als sie eines Tages erfährt, wer wirklich ihre Eltern sind. Aufgewachsen bei den wohlhabenden und einflussreichen Taylor-Jones‘, ändert sich ihr Leben auf einen Schlag als bekannt wird, dass sie die verschollene Tochter des berüchtigten Serienkiller-Pärchens Todd und Pamela Larsen ist, deren erschreckend brutale Taten noch heute in aller Munde sind.
Plötzlich wenden sich alle, die ihr lieb und teuer sind, von Olivia ab. Auf sich allein gestellt, setzt sie sich auf die Spur ihrer eigenen Geschichte und die ihrer Eltern und gelangt so nach Cainsville, in eine scheinbar typisch amerikanische Kleinstadt, wo jeder jeden zu kennen scheint. Es sieht so aus als habe man schon auf Olivia gewartet und es mehren sich die Zeichen, das hier Merkwürdiges im Gange ist.

Nach ihrer sehr erfolgreichen „Women of  the Otherworld“-Reihe, von der leider nicht alle Bände ins Deutsche übersetzt wurden, wartet Kelley Armstrong nun mit einer neuen Reihe auf, die ihren Haupthandlungsort in Cainsville, einer kleinen, beschaulichen, abgelegenen Stadt in der Nähe von Chicago hat. Ihre Protagonistin Olivia Taylor-Jones, die plötzlich damit klar kommen muss, von allen Eden genannt zu werden, scheint auf den ersten Blick eine verwöhnte reiche junge Frau zu sein, für die Geld kein Thema ist, um das man sich kümmern müsste. Doch als ihre gesamte kleine Welt zusammenbricht, muss Olivia auf eigenen Füßen stehen und zeigen, was in ihr steckt. Zudem dämmert der jungen Frau nach und nach, dass einige ihrer Träume keine Phantasien, sondern Erinnerungen aus frühester Kindheit sind und dass ihr Hang zum Aberglauben möglicherweise daraufhinweist, dass sie in der Lage ist Omen zu deuten.

Auch wenn „Dunkles Omen“ grundsätzlich als Thriller angelegt ist, so konnte es sich Kelley Armstrong offensichtlich nicht nehmen lassen, auch ihrer neuen Reihe einen paranormalen Anstrich zu verleihen. Ein bisschen Faible für Esoterik und Feenglauben muss man also schon mitbringen, aber der Anteil ist tatsächlich eher gering.
Ich-erzählerin Olivia ist ein starker Frauencharakter mit Biss und es macht Spaß, sich mit ihr auf die Suche nach ihrer Vergangenheit zu begeben. Kleine auktorial erzählte Zwischenspiele aus Sicht einzelner Nebenfiguren verschaffen dem Leser einen kleinen Wissensvorsprung und erhellen die Hintergründe. Vor allem in Cainsville laufen so viele schräge und interessante Charaktere herum, die jeder eine eigene Story zu erzählen hätte. Bei Olivias Recherchen steht der dubiose Anwalt Gabriel an ihrer Seite. Der Kerl ist stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht, findet aber in Olivia eine würdige Gegenspielerin, die sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt. Zwischen den beiden finden jede Menge amüsante Schlagabtausche statt, die dem Buch einen leichten Humor und besondere Würze verleihen. Eine seichte Lovestory muss hier jedenfalls niemand befürchten.

Kelley Armstrong erschafft wunderbar lebendige und einzigartige Charaktere, die man sich bildlich vorstellen kann. Sie erzählt atmosphärisch und erzählerisch dicht. Dabei wird sie zeitweise zu ausführlich und detailverliebt in ihren Beschreibungen. Auch wenn ich ihre eher epische Erzählweise gern mag, so hätte das Buch für einen Thriller gern mehr Tempo vertragen können.

Der erste Band der fünfteiligen Cainsville-Reihe findet zu einem zufriedenstellenden Abschluss, jedoch sind noch so viele angedeutete Geheimnisse um Cainsville offen, das ich die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen muss.

© Tintenhain

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Die Reihe
1. Dunkles Omen (Omens)
2. Zeit der Schatten (Visions) – Rezension
3. Deceptions
4. Betrayals
5. Rituals

 

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Kelley Armstrong: Dunkles Omen (1)

Reihe Band 1
Taschenbuch: 592 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (13. Juni 2017)
Originaltitel: Omens – Cainsville Book 1
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Frauke Meier
ISBN-10: 3453318579
ISBN-13: 978-3453318571
Preis: 14,99 € (D)
Rezensionsexemplar

Cover (c) Heyne

8 Kommentare

  1. Huhu! Also ich liebe ja Kelley Armstrongs Urban Fantasy Reihe „Women of the other World“. Ich denke, diesen Thriller werde ich auch mal auf meine Wunschliste setzen. 🙂
    LG, Silke

    1. Wenn du die „Women of the Otherworld-Reihe mochtest, dann liegst du hier auch richtig. Ist weniger Fantasy im Sinne von Hexen, Vampiren etc. aber es gibt übersinnliche Elemente.

      Liebe Grüße,
      Mona

  2. Liebe Mona,

    fein, dass dir dieser Thriller gut gefallen hat. Ich werde die Reihe sicher verfolgen, obwohl ich auch manch einen kritischen Punkt benennen muss.

    Deine Rezension werde ich in den nächsten Tagen gern verlinken.

    Liebe Grüße

    Anja

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