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Ella Blix: Wild – Sie hören dich denken [Rezension]

Cover Ella Blix Wild Sie hören dich denken
Cover © Arena Verlag

Seit einem erschreckenden Erlebnis auf einem Waldausflug mit der Schule ist Noomi nicht mehr dieselbe. Erinnerungsfetzen, die berauschend, aber auch verstörend sind, führen sie immer wieder zurück zu diesem Tag im Wald. Seitdem ist etwas mit ihr passiert, und sie muss herausfinden, was dort geschehen ist. Warum kann sie sich nicht erinnern? Warum fühlt sie sich seitdem den Tieren so nah? (gekürzte Inhaltsangabe © Arena Verlag)

Feel Nature – in dem Camp in der Sächsischen Schweiz sollen vier jugendliche Straftäter Sozialstunden ableisten und Blockhütten bauen. Die beiden Jungen Flix und Ryan sowie die beiden Mädchen Noomi und Olympe haben in ihrer Heimatstadt Berlin Mist gebaut. Was genau sie getan haben, damit will keiner so richtig herausrücken. Nur Noomi  gibt unumwunden zu, dass sie versucht hat, in ein Juweliergeschäft einzubrechen. Sie hatte ihre Gründe. Denn sie wollte in dieses Camp. Hier in der Nähe, in der Wildnis des sächsischen Mittelgebirges hatte sie im letzten Jahr ein einschneidendes, zutiefst verstörendes Erlebnis. Seitdem hat sich bei ihr einiges verändert und Noomi will alles daran setzen, herauszufinden, warum sie damals nach einem Schulausflug hoch oben auf einem Felsen erwachte – ohne Erinnerung mit dem Geschmack von Blut. Schnell stellt Noomi fest, dass ihre Ahnung sie nicht trügt. Irgendetwas stimmt hier nicht. Und auch die andern merken, dass hier in der Wildnis merkwürdige Dinge vor sich gehen.

„Wild – Sie hören dich denken“ ist ganz sicher eines meiner am sehnlichsten erwarteten Bücher in diesem Jahr. Ella Blix (hinter dem Pseudonym verbergen sich die Autorinnen Antje Wagner und Tania Witte) konnten mich bereits mit ihrem gemeinsamen Debüt „Der Schein“ und Antje Wagner auch mit weiteren Jugendbüchern überzeugen.

Ich war ziemlich euphorisch, als ich das Buch endlich in den Händen hielt und begann sofort zu lesen. Schon auf den ersten Seiten verfiel ich dem vielseitigen, klangvollen Sprachstil, den das Autorinnenduo auszeichnet. Fand ich die Namen der Figuren anfangs gewöhnungsbedürftig, so musste ich doch schnell mit ihnen zusammen lachen, als sie sich gegenseitig damit aufzogen. So ging es mir dann auch während des ganzen Buches: Immer wieder lockern die Jugendlichen mit ihren witzigen, manchmal rotzigen Kommentaren die Stimmung auf, die sich zusehends geheimnisvoll und aufregend verdichtet.

Den Klappentext habe ich absichtlich gekürzt, ich hatte sogar überlegt, ihn komplett rauszunehmen. Tatsächlich finde ich nämlich, dass er spoilert. Vielleicht nicht auf den ersten Blick, aber ich schiebe es darauf, dass ich vieles enttäuschenderweise durchschaubar fand. Ich wusste genau, worauf ich zu achten hatte und wenn mich etwas überraschen konnte, waren mir auch gleich die Schlussfolgerungen daraus klar.

Dennoch habe ich das Buch genießen können. Das liegt in erster Linie an der ausgefeilten, fast schon poetischen, gleichzeitig aber dem jugendlichen Sprachstil angepassten Sprache der Autorinnen. Mir macht es unbändig viel Spaß, diese Formulierungen zu lesen und vielleicht ab und zu ein fast schon aus dem Sprachschatz gefallenes Wort zu entdecken. Ella Blix schreiben szenisch, plakativ und manchmal so aufwühlend schnell wie Trommelfeuer.

Eine weitere Stärke des Buches sind die wunderbaren Charaktere, in denen man sich als Teenager irgendwie ein bisschen wiederfinden kann. Sei es das schwierige Elternhaus, die erste große Liebe oder einfach nur die ätzenden Schulkameraden, die einem das Leben schwer machen. Dabei rücken die vier Jugendlichen, die wir im Wechsel durch die kurzen Abschnitte in den Kapiteln begleiten, nur häppchenweise mit ihren Geschichten heraus. Manchmal war es mir hier auch etwas zu wenig, zu sehr auf einzelne, markante Aspekte beschränkt. Ich hätte die vier gern noch besser kennengelernt, nachdem ich sie ins Herz geschlossen habe.

Der Wald, die Natur und die Herausforderung, ohne den üblichen Komfort und technische Geräte auskommen zu müssen, bilden die Kulisse für das geheimnisvolle Szenario. So werden die Wildnis und die Tiere und ihr Verhalten sehr bildhaft beschrieben, und auch Umweltthemen kommen, wenn auch nur angerissen, nicht zu kurz. Passend dazu hat sich der Verlag entschieden, das Buch auf mit dem Blauen Engel zertifizierten Papier zu drucken. Überhaupt ist das Buch ein absoluter Hingucker. Allein das detailreiche Cover ist wunderschön und man kann sich regelrecht darin verlieren.

© Tintenhain


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Einzelband
Gebundene Ausgabe: 376 Seiten
Verlag: Arena (27. Mai 2020)
ISBN-10: 3401605100
ISBN-13: 978-3401605104
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Preis: € 18,00 [D]
Rezensionsexemplar

 

Cover Ella Blix Wild Sie hören dich denken
Cover © Arena Verlag

4 Kommentare

  1. Danke für diese Rezension: Du hast mich auf das Buch neugierig gemacht. Und in der Sächsischen Schweiz war ich erst letztes Jahr wandern. Das weckt beim Lesen vielleicht Assoziationen 😉

  2. Liebe Mona,

    meine Güte, ich hab „Der Schein“ immer noch ungelesen liegen… *läuft zum Regal und legt es auf den „want to read“- Stapel*… Es wird zwar nicht gleich gelesen, aber ich denke, es passt gut in den August und September.
    Ok, nun zu „Wild“: Das spielt im Elbi!!! OMG, mein lovely place to be. Merkt man viel von dem bekannten Setting oder ist es eher weniger beschrieben? Die Story und die Charaktere klingen super. Danke für den Hinweis, dass der Klappentext ein wenig zu viel verrät. Ich werde mich hüten genau hinzusehen.
    Jedenfalls könnte „Wild“, nachdem ich „Der Schein“ gelesen habe, vielleicht einziehen. 😉

    Liebe Grüße
    Tina

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