Melanie Raabe: Die Wälder [Rezension]

Cover Die Waelder von Melanie Raabe
Cover © btb Verlag

Als Nina die Nachricht erhält, dass Tim, ihr bester Freund aus Kindertagen, unerwartet gestorben ist, bricht eine Welt für sie zusammen. Vor allem, als sie erfährt, dass er sie noch kurz vor seinem Tod fast manisch versucht hat, zu erreichen. Und sie ist nicht die Einzige, bei der er sich gemeldet hat. Tim hat ihr nicht nur eine geheimnisvolle letzte Nachricht hinterlassen, sondern auch einen Auftrag: Sie soll seine Schwester finden, die in den schier endlosen Wäldern verschwunden ist, die das Dorf, in dem sie alle aufgewachsen sind, umgeben. Doch will Nina das wirklich? In das Dorf und die Wälder zurückkehren, die sie nie wieder betreten wollte… (Inhaltsangabe © btb Verlag)

Melanie Raabes neuester Thriller ist natürlich ein absolutes Muss für mich. Auf „Die Wälder“ habe ich mich schon lange gefreut und die Erwartungen waren entsprechend hoch.

Die Nachricht, dass ihr bester Freund Tim gestorben ist, erreicht Nina plötzlich und unerwartet. Mit schlechtem Gewissen hört sie endlich die Nachricht auf der Mailbox ab, die er ihr vor kurzem hinterlassen hat. Mit einem Mal ist alles wieder da. Ihre enge Freundschaft in dem kleinen Dorf in den Wäldern, in denen damals Tims Schwester Gloria verschwand. Alles, was sie hinterließ, war eine Spur aus Blut und jede Menge Fragen. Offensichtlich hatte Tim nun erneut nach Antworten gesucht und sich wieder in das Dorf ihrer Kindheit begeben, um endlich Gewissheit zu erlangen, was damals wirklich geschah.

Nina sieht es als ihre Pflicht an, Tims Aufgabe zu vollenden und kontaktiert David, der damals ebenfalls zu ihrer kleinen Clique gehört hat. Auch David hat eine Nachricht von Tim erhalten, hat aber längst mit der alptraumhaften Nacht in jenem Sommer abgeschlossen. Doch Nina lässt nicht locker und kehrt zurück in die Wälder, um Tims Auftrag zu erfüllen.

Melanie Raabe baut in ihrem Thriller sehr schnell eine geheimnisvolle Atmosphäre auf. Man will sowohl wissen, was damals geschah auch als, was Tim herausgefunden haben muss. In einem flotten Erzählstil mit guten Dialogen wird schnell Spannung erzeugt. Irritierend empfand ich zunächst die Rückblicke, die den Sommer beschreiben, in dem Gloria spurlos verschwand. Leider wird man nicht so schnell daraus schlau, wer sich hinter den Namen der Kinder verbirgt, da hier absichtlich für Verwirrung gesorgt wird. Meiner Meinung nach ohne tieferen Sinn oder ohne mehr Spannung aufzubauen, daher hat es mich tatsächlich zeitweise genervt.

Die Figuren jedoch sind vielschichtig und authentisch. Man kann ein wenig rätseln, welches der Kinder zu welchem Erwachsenen geworden sein mag. Letztendlich sind es meist sympathische Menschen mit Fehlern, denen man wünscht, dass sie endlich mit der Vergangenheit abschließen können. Selbst unangenehme Zeitgenossen bekommen weichere Züge verliehen, ohne damit ihr Verhalten zu entschuldigen. Dabei zeigt Melanie Raabe auch unterschiedliche Facetten der Gesellschaft auf.

Ich fand das Buch sehr spannend und atmosphärisch, die Rückblenden verlangsamen allerdings das Vorankommen des gegenwärtigen Handlungsstrangs, so dass hier sehr ausgebremst wird. Die Atmosphäre und der Sommer, in dem die Kinder zur eingeschworenen Gemeinschaft gegen das Böse wurden, erinnerte mich sehr an Stephen King, zum Beispiel in „Es“ oder in der Novelle „Die Leiche“ (in Frühling, Sommer, Herbst und Tod). Es gibt einige Plottwists, die zwar überraschen, aber nicht für Atemlosigkeit sorgen. Zum Schluss werden die einzelnen Handlungsstränge entworren und zufriedenstellend aufgelöst. Nur was es mit dem Grüppchen Menschen im Wald auf sich hat, wird leider nicht geklärt.

Insgesamt hat mir „Die Wälder“ gut gefallen und ich habe mich auch von diesem Buch gut unterhalten lassen. Im Vergleich mit „Die Falle“ oder „Der Schatten“ muss ich jedoch Abstriche machen.

© Tintenhain


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Einzelband
Broschiert: 432 Seiten
Verlag: btb Verlag (27. Dezember 2019)
ISBN-10: 3442757533
ISBN-13: 978-3442757534
Preis: € 16,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Die Waelder von Melanie Raabe
Cover © btb Verlag

3 Kommentare

  1. Hallo Mona,

    kannte bisher nur „Die Falle“, die hat mir damals ausgesprochen gut gefallen.
    Ich habe die Wälder jetzt leider noch 50 Seiten abgebrochen. Irgendwie wollte ich mit dem Buch nicht warm werden.
    Mal sehen wann ich nochmal zu einem Buch von ihr greife. Auch ihre Podcast Reihe aus dem Herbst konnte ich nämlich leider nicht überzeugen.

    Liebe Grü´ße
    Chrissi

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