Es wird Zeit – Ein Bericht aus dem Lesekreis

Vor einiger Zeit war ich zu Besuch beim Rowohlt Verlag und habe dort Ildikó von Kürthy kennengelernt. Ihren Roman „Es wird Zeit“ hatte ich bereits vorher gelesen und auch ein wenig darüber berichtet. Mir war sofort klar, dass dies ein Buch für unseren Lesekreis sein musste. Nun war ich sehr gespannt auf die Meinung der anderen.

Der Buchclub

Unser „Buchclub“ trifft sich nun seit gut neun Jahren ungefähr alle vier bis sechs Wochen, um über Bücher im Allgemeinen und natürlich auch ein gemeinsam gelesenes Buch auszutauschen. In den letzten Jahren hat sich ein festes Grüppchen aus sieben unterschiedlichen Frauen herausgebildet. Wir lesen zum Teil sehr unterschiedliche Bücher, das geht von Thrillern und Krimis über Liebesschmonzetten bis hin zu Biografien und mit Preisen ausgezeichneter Literatur. Gar nicht so einfach, sich da immer auf ein Buch zu einigen.

Als ich den neuen Roman „Es wird Zeit“ von Ildikó von Kürthy vorschlug, waren wir uns dieses Mal schnell einig und da wir vom Rowohlt Verlag und dem Blog Nicht ohne Buch auch einige Exemplare des Buches zur Verfügung gestellt bekamen, konnten wir sofort mit Lesen loslegen und mussten uns nicht wie sonst bei Hardcovern oft üblich leihweise abwechseln. Dafür an dieser Stelle ein dickes Dankeschön.

Buchclub zwei Frauen, die zuhörenIn unserer Runde Anfang Oktober fehlte leider Rita, die gerade in China weilt und Susanne Thiele, war gerade wieder einmal für ihr Buch „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke“ unterwegs. Dafür waren Anne, Sirid, Susanne (Suse) und ich an diesem Abend zu Gast bei Susanne (Susi), die mit Häppchen und Getränken für das leibliche Wohl gesorgt hat. – Und nein, der Name Susanne ist kein Aufnahmekriterium in unseren Buchclub. 😉

Es wird Zeit

Sirid, die sich mit kleinen Klebezetteln besonders schöne Zitate markiert hatte, eröffnete die Runde und las ihre Lieblingsstellen vor. Uns beschäftigten die Fragen, die sich auch die Protagonistin Judith in „Es wird Zeit“ stellt: Was wäre gewesen, wenn? Wann im Leben wurden Weichen gestellt? Hat man etwas verpasst, weil man eine bestimmte Abzweigung genommen hat? Wie viele Geschichten gibt es in unserem Leben, die nicht zu Ende erzählt sind?

Anne stellte die Frage in den Raum, wie sympathisch uns eigentlich die Figuren waren. Bei Martina, Judiths Freundin, die so manche unbequeme Wahrheit ausspricht, waren wir uns einig. Bei Judith selbst eher nicht. Sirid fand, dass Judith manchmal unglaubwürdig dumm wirkte, zum Beispiel als sie sich mit ihrer Jugendliebe Heiko trifft und ihm auch noch Informationen über Anne in die Hände spielt.

BuchclubBegeistert zeigten sich alle von der liebevollen, stilsicheren Aufmachung des Buches, die Illustrationen von Peter Pichler fanden großen Anklang. Aber auch inhaltlich konnte das Buch punkten und Sirid bezeichnete „Es wird Zeit“ als einen Titel, der es für sie dieses Jahr noch mal „rausgerissen“ habe. Ein richtig gutes Leseerlebnis also. Aber es gab auch Kritik, zum Beispiel von Suse, die in der Mitte des Buches etwas genervt und mit dem Pseudo-Happy-End im Tannenhof nicht ganz glücklich war. Jedoch fand sie, dass Ildikó von Kürthy am Ende doch noch die Kurve kriegt und mit ihrem undramatischen Ende einen super Abschluss hinlegt hat.

Buchclub Lesende Frau„Es wird Zeit“ hat in unserem Lesekreis ein Wechselbad der Gefühle hervorgerufen. So gab es rührende Stellen, bei denen „Rotz und Wasser geheult“ wurde, aber weise Stellen mit leisen Tönen und amüsante, witizge Passagen. „Man lacht, man weint, man ist mal wütend. Das ist das Leben!“ fasste Suse unsere Emotionen zusammen.

Susi hat sich genau wie ich in vielen Gedanken von Judith selbst wiedererkannt und fand auch vieles nachvollziehbar. Besonders gut gefallen hat ihr Martina, die sehr direkt ist und oft treffsicher den Finger in die Wunde legt. Wenn es nach Susi ginge, könnte das nächste Buch von Martina handeln.

Es ist nie zu spät

Buchclub Frau mit aifgeschlagenem Buch im VordergrundAm Ende des Abends waren wir uns einig, dass „Es wird Zeit“ ein tolles Buch ist, das sich super für angeregte Diskussionen eignet. Wir nehmen daraus mit, dass jeder aus seinem Leben das Beste machen sollte und auch mal mit dem zufrieden sein kann, was man erreicht hat und nicht immer nur nach dem Nächsten, dem Höheren, dem Besten streben muss oder Dingen nachtrauert, die nicht zu ändern sind. Sehr gefallen hat uns die wunderbare Freundschaft der beiden Frauen Anne und Judith und auch die treffenden Beschreibungen der Männer in beider Leben. Sirid überlegt nun, wem sie dieses Buch in ihrem „Missionierungsdrang“ als Nächstes ans Herz legen möchte, während Suse sich über das hübsche Schmuckstück im Regal ihres neuen Lesezimmers freut.

Der Abend schloss dann mit einem Bericht von der Lesung mit Doris Dörrie, bei der ich mit Susanne war und Sirid berichtete von der Goodnews-App, bei der man einfach auch mal schöne Nachrichten hört und liest. Unsere Bücher für die nächsten Treffen sind bereits festgelegt. Im November lesen und besprechen wir „Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela Krien und im Januar wird es um „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen gehen. Das Treffen im Dezember ist wieder unserem weihnachtlichen Beisammensein mit dem Wichteln gebrauchter Bücher, Eierlikör und Weihnachtsgeschichten vorbehalten.

Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Einblick in unseren „Buchclub“. Wer selbst einen ins Leben rufen möchte, findet ein paar Tipps in meinem Artikel „Wie gründe ich einen Lesekreis?

© Tintenhain

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