Diana Menschig: Die Mohnfelder von Solferino [Rezension]

Cover Diana Menschig Mohnfelder von Solferino
Cover © Droemer Knaur

Im 19. Jahrhundert toben in Italien die Unabhängigkeitskriege. Giò erlebt als junger Soldat die Schlacht von Solferino mit. Am Ende seiner Kräfte, bleibt er auf dem Schlachtfeld zurück, zusammen mit Tausenden Verwundeten beider Seiten, um die sich niemand kümmert. Erst der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant organisiert Hilfe aus den umliegenden Dörfern, und so wird Giò schließlich von der jungen Frau Magdalena gefunden. Sie erscheint ihm wie ein Engel in größter Not. Die beiden verlieben sich und heiraten später.

Henry Dunant gründet einige Jahre darauf unter dem Eindruck der Schlacht das Rote Kreuz. Giò ist einerseits fasziniert von Dunant und beginnt, sich mehr und mehr für medizinische Themen zu interessieren. Gleichzeitig treibt ihn die Frage um: Ist Dunant ein Visionär, oder hilft er letztlich den Kriegstreibern, weil sie die Verantwortung für die Verwundeten eines Krieges einfach abgeben können? Er und seine große Liebe Magdalena geraten darüber immer wieder in Streit. Als Soldat, liebender Ehemann und bald Vater einer kleinen Tochter versucht Giò, in den unruhigen Zeiten der Unabhängigkeitskriege in Italien seinen persönlichen Frieden zu finden…  (Klappentext © Knaur Verlag)

Italien 1859: Nach der Schlacht von Solferino ist der Geschäftsmann Henry Dunant schockiert angesichts der Zustände der Versorgung der Verwundeten. Der Plan für eine Hilfsorganisation entsteht. Vor diesem Hintergrund begegnen sich der Soldat Gío und Magdalena, eine Helferin aus einer venezianischen Kaufmannsfamilie. Damit beginnt eine romantische Geschichte, die nebenbei Einblick in die Vision einer unabhängigen, internationalen Hilfsorganisation gibt.

„Die Mohnfelder von Solferino“ ist der zweite historische Roman von Diana Menschig, der in Italien spielt. In „Ein Tal in Licht und Schatten“ widmete sie sich als Marie Buchinger der Zeit des Ersten Weltkrieges in Südtirol. In ihrem aktuellen Roman geht es nun um die italienischen Unabhängigkeitskriege im 19. Jahrhundert, die mir bis dahin zugegebenermaßen kein Begriff waren.

Nachdem ich die Schlacht von Solferino gegoogelt habe, war ich ein wenig verwundert, wie wenig auf die damals „schlimmste Schlacht seit Waterloo“ eingegangen wurde. Auch wenn ich keine Freundin von Blut und Gemetzel bin, war mir das Ausmaß des Leidens nicht deutlich genug. Auch von der Geschichte der Gründung des Roten Kreuzes und der Person Henry Dunants habe ich mir mehr erhofft. Allerdings muss ich gestehen, dass es innerhalb der erzählten Geschichte kaum mehr möglich gewesen wäre, ohne unglaubwürdig zu werden. Denn warum sollte ein Schweizer Geschäftsmann ständig im Leben eines einfachen Soldaten und Sohnes eines Gastwirts auftauchen? Daher passt es dann schon, sonst hätte es einen eigenständigen Handlungsstrang geben müssen.

Die Stärke des Romans liegt in den liebevoll gezeichneten Charaktere und ihrer Beziehungen. Hier entstand zu jedem sofort ein genaues Bild und ich konnte mit den Personen lieben und leiden. Diana Menschig spricht in ihrem Roman Themen wie Gleichberechtigung, Unabhängigkeit, Heimatverbundenheit und Familie an – getragen von humanistischem Gedankengut, das bei mir immer wieder zum Nachdenken und Innehalten angeregt hat. Es geht nicht nur darum, was im Leben wichtig ist, sondern auch um die Frage, wie wichtig religiöse Dogmen sind, wenn sie dem Glück im Wege stehen oder wie wichtig ist Vaterlandstreue oder der Kampf um eine Sache, die nicht die eigene ist.

Diana Menschig schreibt lebendig, bildhaft und berührend. Mit „Die Mohnfelder von Solferino“ ist ihr eine interessante und mitreißende Liebes- und Familiengeschichte vor dem Hintergrund der italienischen Unabhängigkeitskriege gelungen.

© Tintenhain


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