Brad Parks: Ich vernichte dich [Rezension]

Cover Ich vernichte Dich Brad Parks
Cover © Fischer Verlage

Die Katastrophe lauert an diesem Montagabend vor dem Haus der Tagesmutter, als Melanie mit den Worten überfallen wird: „Ihr Sohn ist nicht hier. Er befindet sich in der Obhut des Sozialamtes.“
Für die junge Mutter bricht ihre heile Welt zusammen: Sie wird beschuldigt, ihren Sohn vernachlässigt zu haben, mit Kokain zu dealen, den Stoff im Kinderzimmer gelagert zu haben und darüber hinaus auch noch ihr Kind im Internet zum Verkauf angeboten zu haben.
Haltlose Vorwürfe, aber wie kann sie ihre Unschuld beweisen? Und wichtiger noch: Wer will sie auf diese Weise vernichten? Wer will ihr so viel Böses, ihr Leben in Trümmern sehen?
Als Melanie auf eigene Faust der Sache auf den Grund geht, steht sie vor einem schier übermächtigen Gegner, der alles tun wird, damit sie keine Chance hat. (Klappentext © Fischer Verlage)

Das erste Mal stockte mir der Atem, als die junge Mutter Melanie damit überrascht wird, dass ihr drei Monate alter Sohn vom Sozialamt bei der Tagesmutter abgeholt wurde. Es ist sofort klar, dass der Vorwurf, mit Kokain zu dealen, vollkommen haltlos ist. Melanie fällt aus allen Wolken.

Bereits im ersten Kapitel erfährt man von einem wohlsituierten Paar, das ein Kind in Pflege nehmen will. Der Ehemann lässt keinen Zweifel daran, dass sie dieses Kind schon bald in den Armen halten werden. Schnell ist also klar, dass Melanie Opfer eines Komplotts geworden ist. Verzweifelt wehrt sich die junge Mutter gegen die Vorwürfe, doch es kommt alles noch viel schlimmer.

Die Staatsanwältin Amy Kaye hat eigentlich wenig Lust, für den aalglatten, aber leider unfähigen Bezirksstaatsanwalt Aaron Danby immerzu die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Außerdem scheint der Fall Melanie Barricks glasklar – die Beweislast ist erdrückend. Viel lieber kümmert sich Amy Kaye um einen Serienvergewaltiger, der seit Jahren sein Unwesen in ihrem Bezirk Augusta County treibt. Ihr Vorgesetzter hält davon nicht viel, da hier keine Lorbeeren für seine Karriere zu ernten sind.
Währenddessen zieht sich die Schlinge um Melanies Hals immer enger…

Ich habe diesen Thriller wirklich fast atemlos verschlungen. Melanie, die aus Ich-Perspektive über ihre verzweifelte Lage berichtet und dabei Einblicke in ihre Kindheit und Jugend in Pflegefamilien gibt, ist eine authentische und interessante Figur, mit der man mitfiebern kann. Der mindestens genauso großer Anteil der Handlung wird aus der dritten Person, meist aus Sicht von Amy Kayne, aber auch anderer Personen Perspektive erzählt. So entsteht ein umfassendes Bild, bei dem man oft genug daran verzweifelt, wie mühselig die Gesetzesmühlen mahlen.

An dieser Stelle gelingt es Brad Parks, absolut überzeugend, das Rechtssystem Virginias zu beschreiben und die Handlung dadurch sehr realistisch zu gestalten. Augenscheinlich hat der Autor hier sehr ausführlich recherchiert. Einige Wendungen sind recht offensichtlich, man wird aber auch nicht zu lange hingehalten. Für Überraschungen wird dann trotzdem noch gesorgt. Am Ende punktet der Autor jedoch mit einem Deus ex machina, was zwar einen aufsehenerregenden, jedoch konstruierten Eindruck machte. Dem Lesevergnügen tat das allerdings keinen Abbruch.

Mich konnte „Ich vernichte dich“ von der ersten Seite an fesseln, zum Schluss legte ich das Buch nicht mehr aus der Hand. Es war mein erster Thriller von Brad Parks, aber ganz sicher nicht mein letzter.

© Tintenhain


Weitere Rezensionen von Bloggern

Leseprobe
Autorenseite


Werbung
Einzelband
Broschiert: 480 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch (28. November 2018)
Originaltitel: Closer Than You Know
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Irene Eisenhut
ISBN-10: 3596702259
ISBN-13: 978-3596702251
Preis: € 14,99 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Ich vernichte Dich Brad Parks
Cover © Fischer Verlage

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.