Alice Kuipers – Sommerdunkle Tage [Rezension]

Alice Kuipers Sommerdunkle Tage Cover
Cover © Fischer KJB

Wie aus dem Nichts taucht Ivy nach drei Jahren wieder auf. Ivy, die so ist, wie Callie gerne sein möchte: selbstbewusst, unbekümmert, immer im Mittelpunkt. Plötzlich sind sie wieder beste Freundinnen, und mit Callies Kumpel Kurt verbringen sie zu dritt zwei Sommerwochen voller Bootstouren, Partys und Spaß. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Kann Callie Ivy wirklich vertrauen? Welches Geheimnis trägt sie mit sich herum? (Klappentext Sommerdunkle Tage © Fischer KJB)

Kurt ist wie gelähmt, als ihn die Nachricht ereilt, dass ein Auto über die Leitplanke von der Brücke gestürzt ist. Callie saß in dem Auto – und Ivy. Ivy, die zwei Wochen zuvor wieder in Edenville aufgetaucht ist. Vor drei Jahren verschwanden sie und ihre Mutter spurlos. Ihrer besten Freundin Callie hat es damals fast das Herz gebrochen. Doch nun ist Ivy wieder da und für Callie beginnen zwei aufregende Wochen, denn Ivy ist voller Lebenslust. Mit ihr beginnt Callie morgens zu joggen, mit ihr wagt sich Callie zum ersten Mal in eine Bar, mit ihr fährt sie zusammen mit Kurt auf einem Boot.
Doch langsam merkt Callie, dass nicht alles stimmt, was Ivy erzählt. Sie weiß nicht, inwieweit sie ihr trauen kann, obwohl sie von allen Seiten gewarnt wird.

Alice Kuipers erzählt in „Sommerdunkle Tage“ von zwei Wochen Sommerglück, über dem sich dunkle Wolken zusammenbrauen. Während Kurt aus der Gegenwart vom Tag des Autounfalls erzählt, blicken Callie und Ivy in wechselnder Perspektive auf die beiden Wochen zuvor zurück. Durch die schnellen Wechsel und den einfachen Sprachstil fliegen die Seiten des relativ kurzen Romans nur so dahin.

Es wird schnell deutlich, dass Ivy unter dem unsteten Leben ihrer Mutter leidet, das sich nur um Männer und Alkohol dreht. Ivy ist sich sicher, nicht so zu sein wie ihre Mutter und doch steht sie näher am Abgrund als sie glaubt. Hinter dem selbstbewussten, modisch gekleideten und attraktiven Mädchen, dem sich die Jungs kaum entziehen können, verbirgt sich ein zutiefst verunsichertes Kind, das nach Liebe und Anerkennung sucht.

Auch Callie ist auf der Suche. Ihre Mutter hat noch mal ein Baby bekommen, womit das sechzehnjährige Mädchen nur schwer zurecht kommt. Sie weiß nicht, ob sie mit Kurt mehr verbindet als die Schülerzeitung, und das Auftauchen von Ivy wirft sie völlig aus der Bahn.

„Sommerdunkle Tage“ ist ein einfühlsamer Jugendroman, der hinter die Fassade des schönen Scheins blicken lässt. Ist es wirklich erstrebenswert so zu sein wie Ivy oder sich in ihrer Aufmerksamkeit zu sonnen? Was verbirgt sich vielleicht hinter solch einem Charakter? Interessant fand ich besonders Callies Freundin Rebecca, die völlig immun gegen Ivy ist und die neben Kurt einen starken Charakter repräsentiert. Leider kommt sie in dem Roman viel zu kurz und bleibt eher als steter Haltepunkt im Hintergrund.

Mir hat dieses Jugendbuch sehr gut gefallen. Es vermittelt einen kleinen Eindruck von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, des sich Abgrenzens gegenüber den Eltern. Ivy, Callie und Kurt beschließen jeder für sich, anders sein zu wollen als die eigene Mutter und gehen dabei recht unterschiedliche Wege. Ein kleiner überraschender Twist zum Ende verleiht dem Buch noch einmal eine besondere Würze. Vielleicht bleibt es mir dadurch noch länger in Erinnerung.

© Tintenhain


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Leseprobe


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Einzelband
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: FISCHER KJB (22. August 2018)
Originaltitel: The Death of Us (2014)
Übersetzung aus dem Englischen: Angelika Eisold Viebig
ISBN-10: 373734129X
ISBN-13: 978-3737341295
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Preis: € 14,00 [D]
Rezensionsexemplar
Alice Kuipers Sommerdunkle Tage Cover
Cover © Fischer KJB

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