Julie Murphy: Dumplin‘ (1) [Rezension]

Cover (c) Fischer Verlag

 

Willowdean – „16, Dolly-Parton-Verehrerin und die Dicke vom Dienst“ – wird von ihrer Mutter immer nur Dumplin‘ genannt. Bisher hat sie sich in ihrem Körper eigentlich immer wohl gefühlt. Sie ist eben dick – na und? Mit ihrer besten Freundin Ellen an ihrer Seite ist das sowieso total egal.
Doch dann lernt sie den sportlichen und unfassbar attraktiven Bo kennen. Kein Wunder, dass sie sich hoffnungslos in ihn verknallt – dass er sie allerdings aus heiterem Himmel küsst, verunsichert sie völlig. Plötzlich macht es ihr doch etwas aus, nicht schlank zu sein.
Um ihre Selbstzweifel in den Griff zu bekommen, beschließt Will, sich der furchteinflößendsten Herausforderung in ganz Clover City zu stellen: Sie will am „Miss Teen Blue Bonnet“-Schönheitswettbewerb teilnehmen und allen – vor allem sich selbst – beweisen, dass die Kleidergröße für das ganz große Glück überhaupt keine Rolle spielt. (Klappentext)

Willowdean ist 16 und noch immer nennt ihre Mutter sie Dumplin‘ (Knödel). Wie peinlich! Dabei trifft es die Sache auf den Punkt. Will ist dick, ziemlich dick und das wiederum ist Wills Mutter peinlich. Immerhin hat sie vor vielen Jahren mal den „Miss Teen Blue Bonnet“-Schönheitswettbewerb gewonnen. Darauf ist Wills Mutter so stolz, dass sie am liebsten noch immer das Krönchen tragen würde. Immerhin kann sie sich als Vorsitzende des Festkomitees auch heute noch beim Schönheitswettbewerb austoben und in das Kleid zwängen, das sie schon damals trug.

An Will geht der Trubel um den Wettbewerb so ziemlich vorbei. Nicht im Traum würde sie bei so etwas mitmachen! Doch alles wird anders als Will sich in Bo verliebt. War ihr bis dahin noch egal, wie viele Pfunde sie mit sich umher trägt, so wird sie sich nun ihrer Figur stärker bewusst. Ob Bo sich an den Fettpölsterchen stören würde, wenn er  die Arme um sie legt? Was, wenn er sich mit ihr in der Öffentlichkeit zeigt? Plötzlich ist das eigentlich selbstsichere Mädchen, das sich an der eigenen Figur bisher nicht störte, unsicher. Doch Will packt das Problem auf ihre eigene Weise an und meldet sich kurzerhand für den Schönheitswettbewerb an, um es allen, aber vor allem sich selbst zu zeigen.

„Dumplin'“ ist eine wirklich gut erzählte und mitreißende Geschichte mit amerikanischem Kleinstadtfeeling und ein wenig märchenhaftem Charme. Vielleicht kommt es auch nur bei mir so an, da ich mich überhaupt nicht mit dem amerikanischen Zinnober um Miss-Wahlen, Schönheitsköniginnen, Homecomingqueens und dergleichen mehr identifizieren kann und mir allein schon dieser oberflächliche Trubel um Cheerleader und Footballstars an Highschools wie von einem anderen Stern vorkommt.

Will ist eine interessante Figur, ein Mädchen, das sich nimmt wie es ist – meistens jedenfalls. Sie ist Fan von Dolly Parton, was sie neben dem Körpergewicht mit ihrer verstorbenen Tante gemeinsam hatte. Die Sängerin ist es auch, die Wills Leben begleitet und eine wichtige Rolle in der Geschichte einnimmt, was am Ende dazu führte, dass ich mir sogar Dolly-Parton-Songs anhörte. Wills Umgang mit ihrem Körpergewicht ist Hauptthema des Buches und er lässt mich ambivalent zurück. Einerseits scheint es ihr nichts auszumachen, stark übergewichtig zu sein, andererseits dreht es sich um nichts anderes. Über andere dicke Mädchen äußert sie sich eher abwertend und von ihrer schlanken, hübschen besten Freundin erwartet sie, dass sie ihr zuliebe nicht beim Schönheitswettbewerb mitmacht.
Um zu zeigen, wie begehrenswert auch dicke Mädchen sind, gibt es dann gleich zwei Jungs, die sich um Will reißen und das Mädchen hat plötzlich die Qual der Wahl. Der eine ist absolut heiß und der andere ein – man ahnt es schon – Footballstar. Das war mir dann doch zuviel, auch wenn ich sonst viel Freude an dem Buch hatte und es gern gelesen habe. Besonders gut hat mir Wills Umgang mit der Trauer um die verstorbene Tante gefallen und wie sie sich gegenüber ihrer Mutter durchsetzt. Für mich zeigte sich hier die wichtigste Botschaft, denn was kann schlimmer sein als eine Mutter, die sich ihrer Tochter schämt?

„Dumplin'“ ist ein beachtenswertes Buch, von dem ich mir ein wenig mehr erhofft hatte. Ich war ezwas erstaunt als ich feststellte, dass es einen zweiten Teil (Puddin‘) geben wird, da die Story abgeschlossen ist. Jedoch dreht sich dieser Band um Millie Michalchuk.

Das Buch wird derzeit mit Danielle Macdonald und Jennifer Aniston verfilmt.

©  Tintenhain

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Julie Murphy: Dumplin‘ (1)

Teil 1
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: FISCHER FJB (22. März 2018)
Originaltitel: Dumplin‘ (2015)
Übersetzung aus dem Englischen: Kattrin Stier
ISBN-10: 384142242X
ISBN-13: 978-3841422422
Altersempfehlung: ab 13 Jahren
Preis: 18,99 € (D)
Rezensionsexemplar

Cover (c) Fischer Verlag

19 Kommentare

  1. Oh, das hört sich interessant an, danke für die Vorstellung! Ich mag ja solche „Dicken“-Bücher, in denen die Lösung aller Probleme NICHT darin besteht, dass mit den überflüssigen Kilos alle Probleme schwinden. Allerdings, was ist denn das für eine Besetzung im Film? Frau Macdonald kenn ich nicht, und Jennifer Aniston ist dann die Mutter oder wie? Ich geh mal stöbern.

  2. Danke für diese sehr interessante Rezension, liebe Mona!
    Das Buch interessiert mich selber sehr, aufgrund des Übergewichtsthemas und dem Umgang damit. Das, was du schreibst, klingt aber auch für mich etwas too much und ja, ambivalent.
    Ich bin mal gespannt, wie ich es beim Lesen empfinden werde. 🙂

    Liebe Grüße
    Miri

    1. Ich hab das Buch total gern gelesen, aber mit diesem Miss-Wahlen-Kult kann ich so gar nichts anfangen. Ich glaube aber, die meisten lieben das Buch, ich hab noch gar keine (deutsche) negative Stimme gelesen.
      Ich bin gespannt darauf, was du zu dem Buch sagst.

      Liebe Grüße,
      Mona

      1. Ich? Artemis? Nee. Ich würde es schon gerne lesen, aber ich habe es (noch) nicht angefragt, weil zu großer Stapel und so. 😅

  3. Danke für deine Rezension! Ich stolpere ja gerade immer mal wieder über das Buch, bisher ist es aber noch nicht eingezogen. Es klingt aber wirklich gut und interessant, ich denke, trotz der kleinen Kritikpunkte könnte es mir ähnlich gut gefallen. Ich sollt es dann doch langsam mal besorgen :D. Auf die Verfilmung bin ich ja dann auch gespannt, gehe auch mal davon aus, das Aniston die Mutter sein wird.
    glg Franzi

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