Björn Springorum: Spiegel des Bösen [Rezension]

Spiegel des Bösen Cover (c) Thienemann Verlag

Urlaub in einem alten Grandhotel – Sophie kann sich wirklich Besseres vorstellen als ihre Zeit in diesem uralten Kasten in den Bergen zu verbringen. Doch lange Zeit zum Hadern bleibt ihr nicht, denn als sie morgens aufwacht, ist plötzlich alles anders. Ihre Eltern sind verschwunden und sie selbst bewegt sich wie ein unsichtbarer Geist inmitten der Gäste und Angestellten des Hotels. Etwas Furchtbares ist geschehen und es geschieht immer noch. Im Keller trifft Sophie auf drei weitere Jugendliche, die sich hier versteckt halten. Sie ist entsetzt, als ihr klar wird, dass diese schon seit Jahrzehnten hier hocken und darauf warten, dass der Spuk verschwindet. So lange will Sophie sich nicht gedulden. Gemeinsam mit Max sucht sie einen Weg, das geheimnis des Hotels zu ergründen und das Böse zu bekämpfen.

Björn Springorum hält sich gar nicht erst mit großen Einleitungen auf. Kaum im Hotel angekommen, geht der Spuk los und man fühlt sich schon auf den ersten Seiten wie bei einem Ausflug ins Overlook-Hotel aus Stephen Kings „The Shining“, was sicher nicht nur daran liegt, dass Sophie und ihre Eltern ausgerechnet in Zimmer 217 übernachten. Es wird schnell eine schaurige, spannungsgeladene Atmosphäre aufgebaut und hinter allem steht die Frage danach, was eigentlich geschehen ist. Mehr Licht ins Dunkle bringen hier kleine Rückblicke in die Zeit, in der ein junges Zimmermädchen eine unstandesgemäße Liaison einging und schließlich schwanger des Hotels verwiesen wurde.

Björn Springorums Gruselroman ist voller düsterer Geheimnisse, verwinkelter Flure, knarzender Treppen, dunkler Kellerräume und Spinnweben. Natürlich dürfen auch Geister nicht fehlen und dann sind da noch die Spiegel, in denen sich etwas verbirgt und in denen die Schatten lauern. Die Geschichte lebt von Grusel- und Horrorelementen, aber auch von einer zarten Liebesgeschichte. Überhaupt spielt die Liebe eine große Rolle und das in ihren vielfältigen Facetten. Dabei ist die beginnende Liebe zwischen Max und Sophie unaufdringlich und keinesfalls klebrigsüß erzählt. Sie entsteht so natürlich und selbstverständlich, dass sie sich wunderbar unaufgesetzt in das Grauen einfügt und gleichzeitig davon abhebt.

Obwohl neben Sophie und Max auch andere Figuren eine wichtige Rolle spielen, bleiben diese eher blass und wenig greifbar. Auch die beiden Hauptprotagonisten sind zwar Sympathieträger, aber so richtigen Zugang bekam ich auch zu ihnen nicht. Besonders diffus bleibt bis zum Schluss das Zimmermädchen, das eigentlich eine Hauptrolle spielt. Zwar wird ihre Motivation in den Grundzügen klar, aber gleichzeitig konnte ich sie nie richtig greifen. Die drei alten Berghexen, die hungrig auf die Seelen lauern und dabei teuflische Päkte schließen, bleiben farblos und verblassen im Hintergrund, obwohl sie eine bedeutende Rolle spielen. Auch ist Springorum nicht immer konsequent. So heißt es zwar an einer Stelle, dass alle Jugendlichen aus Zimmer 217 kommen, aber es erschließt sich nirgends logisch, was es mit diesem Zimmer auf sich hat. Sie hätten aus jedem anderen Zimmer stammen können.

Die Jagd durch das Hotel mit all seinen Spiegeln, verborgenen Treppen und Schächten ist trotzdem durchgehend spannend. Wirklich grandios, und das muss ich noch mal betonen, ist die Atmosphäre, die Springorum aufbaut, sei es das Flair eines Grandhotels oder das düstere, alptraumdurchsetzte Grauen, das überall lauert. Hier entsteht ein lebhaftes, detailliertes Bild, das geradezu filmisch ist. Was mir an den Figuren fehlte, machten das Szenario und die bildhaften Beschreibungen wieder wett.

„Spiegel des Bösen“ ist ein sehr atmosphärisch umgesetzter Gruselroman im Stile Stephen Kings, der Gänsehaut aufkommen und an die Liebe glauben lässt.

© Tintenhain

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Björn Springorum: Spiegel des Bösen

Einzelband
Gebundene Ausgabe:
352 Seiten
Verlag: Thienemann Verlag (16. Februar 2017)
Illustrationen: Maximilian Meinzold
ISBN-10: 3522202309
ISBN-13: 978-3522202305
Altersempfehlung: ab 13 Jahren
Preis: € 14,99 [D]
Rezensionsexemplar

Cover (c) Thienemann Verlag

9 Kommentare

    1. Ich warte ja im Moment auf „Grandhotel Angst“ von Emma Garnier – das klingt auch gut. Nur „Das Mörderhotel“ von Hohlbein wäre wohl nix für mich. Springorum ist auf jeden Fall auszuhalten. 😀

  1. Hallo Mona,
    eine schöne Rezension hast du geschrieben. Die Kritikpunkte kann ich gut nachvollziehen und auch, warum dir das Buch trotzdem gefallen hat. Ich bin gespannt. Bisher haben ich erst die ersten paar Seiten gelesen und fand es ein bisschen verwirrend. Aber, ich denke, dass ich mich demnächst im Hotel zurechtfinde.
    LG
    Yvonne

  2. Hey Mona,
    heute fixt Du mich ganz schön an 🙂
    Meine Wunschliste wird auch um dieses Buch erweitert. das klingt einfach schaurig schön!
    Liebe Grüße
    Ela

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