Isa Grimm: Klammroth [Rezension]

„Leere schwarze Müllbeutel. Sie flattern da draußen in der Nacht. Flattern und wehen und flüstern“ (S. 41)

Klammroth (c) Luebbe
 

Mehr als sechzehn Jahre ist es her, dass Anais ihr Heimatstädtchen Klammroth verlassen hat. Die Erinnerung an das Unglück, das damals dort in dem uralten Bergtunnel geschah, als Dutzende Kinder in einem verheerenden Feuer verbrannten, ist noch immer wach und unvergessen. Mit dem Tod ihrer Stiefmutter wird es unvermeidlich: Sie muss nach Klammroth zurückkehren. Gemeinsam mit ihrer vierzehnjährigen Tochter Lily macht Anais sich auf den Weg in das ruhige, dem Verfall preis gegebene Weinstädtchen, in dem noch viele der damals entkommenen Opfer leiden, und wird erneut mit dem Grauen des Tunnels konfrontiert, denn der Tunnel hat sie nie vergessen.

Zu meiner nicht geringen Überraschung hat mich dieser Horrorthriller von der ersten Seite an gefesselt und ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Von Anfang an konnte mich Anais als Protagonistin überzeugen. Ihre Ängste, ihre Gefühle sind lebendig und nachvollziehbar beschrieben, auch wenn da immer noch etwas unter der Oberfläche verborgen zu brodeln scheint und darauf wartet, hervorzubrechen.
Die drückende Stimmung in dem beinahe verwahrlosten Städtchen und die lockende, zugleich abschreckende Faszination des Tunnels schlagen den Leser in Bann, immer in der Erwartung, dass gleich Unfassbares geschehen müsse. Und so kommt es dann auch. Immer tiefer wird Anais in die Vergangenheit gesogen, die Zeit scheint in dem Örtchen stehen geblieben zu sein. Stück für Stück kommt sie der Wahrheit, vor der sie immer die Augen verschlossen hat, näher und gerät dabei in Gefahr, sich selbst zu verlieren.
Mit ihrer leichten und einfachen Sprache entführt Isa Grimm in eine Welt aus Schrecken, Angst, Schmerz und einem Hauch Mystik, der das Grauen lebendig hält. Einem Puzzlespiel gleich setzt sie Stück für Stück die Geschehnisse zusammen und jede Person bekommt ihren Platz, an dem die Geschichte zu einem Ganzen wird. Trotz mancher ekligen Grausamkeit, die mich im Allgemeinen von diesem Genre fernhält, konnte ich mich der Faszination von „Klammroth“ nicht entziehen, da dieser Anteil glücklicherweise gering ausfiel.
Als leichte, aber spannende Lektüre für Zwischendurch ist dieser Horrorthriller bestens geeignet, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass Hardcore-Thriller-Fans á la „nackt und zerhackt“ hier nicht unbedingt auf ihre Kosten kommen.
© Tintenelfe4 faesschen
 

Isa Grimm: KlammrothKlammroth (c) Luebbe

Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Paperback); März 2014
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3785761074
ISBN-13: 978-3785761076
Preis: 14,99€ [D]

13 Kommentare

  1. Die Meinungen gehen bei dem Buch ja sehr weit auseinander. Es ist schön mal eine positivere zu lesen. Die anderen waren ja eher mittelmäßig von dem Buch überzeugt. Was auf keinen Falls schlecht ist. Über deinen letzten Satz musste ich gerade voll schmunzel. Sehr schön geschrieben.
    Liebe Grüße
    Vanessa

    1. Mich kann man halt leicht schocken und packen! Ich fand das Buch wirklich sehr fesselnd und konnte es kaum aus der Hand legen. Bei mir überwiegt das in der Bewertung dann auch schon mal den Sprachstil oder, dass ich auch schon was von Anfang an durchschaut hatte.
      Vielleicht sollte ich auch mal andere Rezis lesen. Weiß gar nicht, was andere dazu sagen. 🙂

  2. Gut zu wissen, dass.. Moment, der nächste der kommentiert und es haben möchte, bekommt das Buch? Hiiiier *hops hops* ich war damals bei den Bloggern dabei, die einen Brief bekamen, das hatte mich neugierig gemacht.
    Wo war ich.. genau: Gut zu wissen, dass der eklige Part nicht allzu ausschweifend ist, denn das mag ich gar nicht. Darum mache ich auch eigentlich einen Bogen um blutige Thriller. Aber bei „Klammroth“ reizte mich der Trailer und die Leseprobe.
    Ich drück dich und wünsch dir einen tollen Tag! ♥
    Alles Liebe
    Sandra

    1. Oh Mist, ich hatte Karin eine Mail geschrieben und es ist auch schon unterwegs zu ihr. Aber guck am Montag noch mal vorbei, da gibt es noch ein zweites. Das ist mir jetzt aber peinlich!

      1. Ach das macht doch nichts, ich hatte es wohl zu spät gesehen 😉 mach dir keinen Kopf!

  3. Ouu, das klingt wirklich gut. Ich hab auch mal so einen brief bekommen und gegoogelt und fand die Leseprobe so genial.
    Ich werds mir auch demnächst zulegen. xD
    Lg ^^

  4. Deine Rezension klingt wirklich gut. Ich habe das Buch auch schon seit einiger Zeit auf meiner WuLi und ich denke, jetzt werde ich es wohl doch bald mal kaufen.
    LG, Jade

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