Anna Schneider: Blut für Blut [Rezension]

Nach der Flucht aus einer manipulativen Beziehung schlägt sich Sophie Roth mit Gelegenheitsjobs als Fotografin durch. Bis sie den Auftrag erhält, analoge Porträts der vermögenden Familie Grafinger anzufertigen. Erleichtert sagt sie zu, doch bald fühlt sie sich verfolgt und belauert. Schwebt sie in Gefahr? Hat jemand herausgefunden, wer sie ist? Als Sophie die ersten Aufnahmen entwickelt, blickt sie in ein Gesicht, das sie nie vergessen konnte. Und begreift, dass die Nacht vor zwanzig Jahren, in der ihr Vater ermordet wurde, sie erbarmungslos wieder einholt. (Inhaltsangabe © Fischer Verlage)
Anna Schneider ist vielen von uns ja vor allem durch ihre packende Grenzfall-Krimireihe mit Alexa Jahn und Bernhard Krammer ein Begriff. (Der sechste Fall ist übrigens schon in Vorbereitung.) Mit ihrem neuen Stand-Alone “Blut für Blut” schlägt die Bestsellerautorin allerdings etwas andere, psychologisch tiefgründigere Töne an. Ich war unheimlich gespannt, wie ihr dieser Ausflug in das Thriller-Genre gelingt.
Sophie Roth flieht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus einer manipulativen, zutiefst toxischen Beziehung. Sie versucht, zur Ruhe zu kommen und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs als Fotografin durch. Als sie das lukrative Angebot erhält, analoge Porträts der wohlhabenden Familie Grafinger anzufertigen, greift sie dankbar zu. Doch die vermeintliche Sicherheit trügt. Sophie fühlt sich beobachtet und bedroht. Als sie schließlich die ersten Fotos im Labor entwickelt, trifft sie fast der Schlag: Aus dem Entwicklerbad blickt ihr ein Gesicht entgegen, das sie zurückversetzt in die Nacht vor zwanzig Jahren, in der ihr Vater kaltblütig ermordet wurde.
Der Thriller bewegt sich zunächst in einem ruhigeren Erzähltempo. Anna Schneider lässt sich Zeit damit, vor allem ihre Hauptfigur Sophie kennenzulernen. Die bedrohliche, beklemmende Atmosphäre entwickelt sich eher schleichend. Zum Ende hin nimmt der Thriller ordentlich Fahrt auf. Dabei setzt die Autorin auf psychologische Spannung und Abgründe, Ekel- oder Schockmomente gibt es erfreulicherweise nicht.
Durch die kurzen Kapitel entfaltet sich trotz des eher langsamen Tempos eine Sogwirkung, wodurch es dann doch schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen. Anna Schneider arbeitet dabei mit zwei Zeitebenen: Sophies gegenwärtiger Situation und den tragischen Ereignissen von vor 20 Jahren. Die immer wieder eingestreuten, kursiv gesetzten Kapitel aus einer anderen (unbekannten) Perspektive sind typisch für Thriller, aber auch für die Krimis von Anna Schneider. Hier kann also wild spekuliert werden. Ich persönlich mag das allerdings nicht besonders.
„Blut für Blut“ ist ein atmosphärischer Psychothriller, der sich viel Zeit für seine Figuren nimmt. Ein Lesevergnügen für alle, die subtile, psychologische Spannung lieben!
Die Buchpremiere findet am 24.09.2026 in der Buchhandlung Graff in Braunschweig statt.
© Tintenhain
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Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch (23. September 2026)
ISBN-13: 978-3-651-00147-3
Preis: € 18,00 [D]
auch als eBook
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