Alex Smith: Ein Schrei, den niemand hört (1) [Buchnotiz]

Nach dem Verschwinden seiner Frau lässt Detective Inspector Robert Kett alles hinter sich und zieht mit seinen drei kleinen Töchtern von London ins Städtchen Norwich. Vierzehn Wochen sind seit Billies Entführung vergangen, aber noch immer gibt es keine Spur. Es soll eine Auszeit werden, denn seine Kinder brauchen ihn. Doch bei seiner Ankunft wird er mit einem weiteren Vermisstenfall konfrontiert: Die 11-jährige Maisie, die ihr Taschengeld mit Zeitungsaustragen aufbessert, ist von ihrer letzten Tour nicht zurückgekehrt. Kett hat schon einmal einen entführten Jungen gesund wieder nach Hause gebracht und nimmt trotz seiner Sorge um Billie und seine Töchter die Ermittlungen auf. Er ahnt nicht, dass er in einen der dunkelsten Fälle seiner Karriere hineingezogen wird. (Inhaltsangabe © Rowohlt Verlag)
Ein packender Spagat zwischen düsterem Thriller und Familiendrama
Billie, die Ehefrau von Detective Chief Inspector (DCI) Robert Kett, wurde in London entführt. Es gibt keine Spur von ihr. Völlig am Boden zerstört und von Ungewissheit geplagt, zieht Kett mit seinen drei kleinen Töchtern in das ruhige Städtchen Norwich. Er soll dort eine Auszeit nehmen und für seine Kinder da sein, während die Polizei weiterhin ein Lebenszeichen seiner Frau zu finden hofft.
Kaum angekommen, verschwindet die 11-jährige Maisie spurlos beim Zeitungsaustragen. Als Experte für Vermisstenfälle nimmt Kett die Suche auf. Er gerät tief in die menschlichen Abgründe eines Serienentführers.
Überraschenderweise geht es in dem Krimi gar nicht um die entführte Ehefrau, was mich anfangs ein wenig überrascht hat. Aber dann hatte mich die Handlung doch schnell gefesselt. Robert Kett überzeugt als verletzlicher, aber hochgradig entschlossener Polizist. Die Szenen mit seinen drei quirligen Töchtern, die ihn im Alltag komplett fordern, bringen eine erfrischende Leichtigkeit in die sonst sehr düstere Atmosphäre.
Mit geschickten Perspektivwechseln – unter anderem aus der Sicht der entführten Mädchen – baut Alex Smith schnell psychologischen Druck und Spannung auf. Zahlreiche falsche Fährten sorgen dafür, dass man als Leser:in bis zum Schluss mitfiebert.
Mir hat der erste Teil ziemlich gut gefallen, vor allem auch mit der unerwarteten Perspektive des Ermittlers als Familienvater, der irgendwie die Betreuung seiner Kinder mit der Arbeit unter einen Hut bringen muss.
Fazit: Ein toller und flüssig geschriebener Reihenauftakt. Wer britische Ermittlerkrimis mit viel emotionaler Tiefe und starken Charakteren mag, wird dieses Buch kaum aus der Hand legen können.
© Tintenhain
Die Reihe mit Detective Robert Kett
1. Ein Schrei, den niemand hört
2. Die Schatten, die dich jagen
3. Die Angst, die niemals endet
4. Die Stimmen, die dich rufen
5. Die Spuren, die sich verlieren
6. Die Kälte, die dich lähmt (09/2026)
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag (11. März 2025)
Originaltitel: Paper Girls (2019)
Übersetzung aus dem Englischen:
Alice Jakubeit
ISBN-13: 978-3-499-01673-8
Preis: € 14,00 [D]
auch als E-Book
Bücherei

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