Angelika Jodl: Die Grammatik der Rennpferde [Rezension]

Grammatik der Rennpferde
Cover © dtv

Eine Lehrerin, die Ausländern Deutsch beibringt. Ein russischer Ex-Jockey, der Pferdeställe ausmistet. Zwei, die nichts miteinander gemein haben, aber plötzlich miteinander zu tun bekommen, entdecken, dass es manchmal keine Regeln gibt …
Für die Studenten von Salli Sturm ist die Grammatikstunde täglich großes Kino. Und für Salli wird daraus eine Liebesgeschichte, mit der sie nicht mehr gerechnet hätte. Weil sie die Altersgrenze für Romanzen überschritten hat und weil sich ihr Schüler Sergey so hartnäckig gegen Konjunktive und Artikel stemmt. Bis Salli schließlich in einer kalten Februarnacht alle erlernten Regeln fallen lässt. Und sich selbst gleich dazu. (Klappentext © dtv)

„Brauche ich Lehrer für Deutsch. Bitte anrufen mir.“

Mit dieser Anzeige sucht der russische Ex-Jockey Sergey jemanden, der ihm Deutsch beibringt. Scheinbar, denn eigentlich braucht Sergey jemanden, der für ihn ein Pferd kauft. Ein ausgemustertes Rennpferd, für das er als Fachmann teuer bezahlen müsste.

Die Deutschlehrerin Salli kommt ihm da gerade recht. Salli ist Anfang Fünfzig, alleinstehend und lebt für die deutsche Grammatik und ihre Schüler. Sie ist stolz, wenn sie den Dativ verstehen und korrekt anwenden und freut sich, wenn sie ihre Prüfungen bestehen. Den attraktiven Lehrer Anselm, mit dem sie wunderbar intellektuelle Gespräche führen kann, könnte sie sich durchaus in ihrem Leben vorstellen, aber da ist ja auch noch Barbara, die einfach viel hübscher ist und eigentlich sieht Salli da auch gar keine Chance. Als in der Sprachschule von Entlassungen die Rede ist, braucht Salli ein Projekt, das ihr zu einer besonderen Reputation verhelfen soll. Da kommt ihr die Anzeige des russischen Jockeys gerade recht. Projekt „Pygmalion“ kann starten.

Die ersten Seiten der „Grammatik der Rennpferde“ konnten mich richtiggehend begeistern. Ich mochte die Sprache, ich mochte den Humor und die Einstreuungen von Beispielen der deutschen Sprache. Leider verflachte das recht bald. Es zog sich, Sallis Naivität war nur schwer auszuhalten, auch wenn ihr Charakter sehr gut und weitestgehend überzeugend gezeichnet war. Sergey war ein einer-für-alle-Russe und damit ziemlich klischeebeladen. Irgendwie war es auch schon klar, worauf es hinauslaufen sollte. Dennoch lief die Beziehung zwischen Salli und Sergey urplötzlich mit einem Schlag von 0 auf 100. Hier fehlten mir Zwischentöne und angedeutete Gefühle.

Anstrengend zu lesen fand ich die Dialoge im bayrischen Dialekt oder mit ausländischen Akzent, die laut- und geschwindigkeitsgetreu geschrieben wurden. Dies kommt vor allem zu Anfang des Romans zum Tragen, später hat Salli weniger mit bayrischen Bauern und ausländischen Studenten zu tun.

Insgesamt vermag „Die Grammatik der Rennpferde“ gut unterhalten und ich habe das Buch auch ganz gern gelesen, der gewisse Pfiff fehlte mir jedoch.

© Tintenhain


Leseprobe

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Einzelband
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (27. Mai 2016)
ISBN-10: 9783423261050
ISBN-13: 978-3423261050
Preis: 10,95 [D]
Bücherei
Grammatik der Rennpferde
Cover © dtv

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