Wir lesen und besprechen… #18 [Lesekreislektüre] – Hans Fallada: Kleiner Mann, was nun?

Logo LesekreisDieser Beitrag ist eigentlich schon wieder so gut wie veraltet, da wir „Kleiner Mann, was nun?“ bereits im September als gemeinsames Lesekreisbuch besprochen haben.

Nur ich bin jetzt erst vor kurzem fertig geworden, obwohl ich das Buch schon lange vorher begonnen hatte. Es brauchte eben seine Zeit und der Vollständigkeit halber bekommt es hier heute auch seinen berechtigten Platz.

„Kleiner Mann, was nun?“ wurde von Hans Fallada Anfang der 30er Jahre geschrieben und es ist bis heute ein interessantes Zeitzeugnis. Die Geschichte des Verkäufers Johannes Pinneberg und seines lebenstüchtigen, mutigen Lämmchens hat allen gut gefallen. Viel Diskussion kam jedoch am Lesekreisabend nicht auf. Einige hatten die bekannte, einige die im Aufbau Verlag neu veröffentlichte „Originalfassung“ gelesen, in der ursprünglich gekürzte und auch später veränderte Textpasssagen wieder dem Text hinzugefügt wurden, gelesen. Der zeitlich authentische Sprachstil Falladas stellte manchen bei einigen Wörtern vor ein Rätsel. Ich war vollkommen geplättet davon, wie die Pinnebergs mit ihrem Baby umgehen. Da wird das Kind ans Bett gefesselt, damit ihm nichts passiert, während sich die Eltern ins Nachtleben stürzen. Spannend fand ich auch die oft nur angedeuteten politischen Entwicklungen, das schleichende Erstarken der Nazis und die zunehmende Abneigung gegenüber Juden.

Insgesamt hat das Buch dem Lesekreis gut gefallen und Rita hat gleich noch zwei Romane von Fallada hintendran gehängt. In der Diskussion war die Ausbeute jedoch eher dürftig.

Hans Fallada: Kleiner Mann, was nun?

Cover © Aufbau Verlag

Klappentext:
Der Verkäufer Johannes Pinneberg und seine Freundin Lämmchen erwarten ein Kind. Kurz entschlossen heiratet das Paar, auch wenn das Geld immer knapper wird. Trotz Weltwirtschaftskrise und erstarkender Nazis nimmt Lämmchen beherzt das Leben ihres verzweifelnden Mannes in die Hand. In dieser rekonstruierten Urfassung führt ihr gemeinsamer Weg noch tiefer ins zeitgenössische Berlin, ins Nachtleben und in die von den „Roaring Twenties“ geprägten Subkulturen. Die politischen Probleme der damaligen Zeit werden so plastisch wie in wenigen anderen Texten. (© Aufbau Verlag)


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Hans Fallada: Kleiner Mann, was nun?

Originalfassung
Taschenbuch:
557 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 2. (18. August 2017)
ISBN-10: 9783746633442
ISBN-13: 978-3746633442
Preis: € 12,99 [D]
Bücherei

Cover © Aufbau Verlag

Ein Kommentar

  1. Hallo Mona,

    ich mag Fallada sehr und habe schon einiges von ihm gelesen. Dieses Buch hier mag ich bisher am Liebsten und es verwundert mich direkt, dass Ihr nicht viel Redebedarf hattet. Ich hatte nach dem Buch richtig viel Redebedarf. Besonders eben mit den Anmerkungen, was zensiert wurde. So fand ich das mit dem Nachtleben spannend, weil für seine Zeit das sicher nicht üblich war, über Homosexualität zu reden/schreiben und generell über diese Freizügigkeit.
    Mich hat auch beeindruckt, wie Fallada zu seiner schwangeren Frau hält und ins KH will, während alle anderen Männer der Ansicht waren, Geburt ist nicht ihr Problem und die Frau soll sich mit dem Gebären mal beeilen, damit sie wieder den Haushalt machen kann.
    Das mit dem Kind ist mir gar nicht mehr so im Gedächtnis, aber vielleicht, weil ich schon einiges darüber gelesen habe, wie früher mit Kindern umgegangen wurde.
    Und sehr berührt hat mich, wie der einst recht gut gestellte Pinnebgerger so tief gefallen ist. Also das Bild vom Anfang, wo er den Arzt für seine Frau selber bezahlt hat, bis dahin, dass er von der Nazi Polizei durch die Gassen gejagt wurde.

    Liebe Grüße
    Petrissa

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