Wie ′enn?! – Eine Reise in das historische Erfurt [Deutschlandreise Blogtour]

Logo DeutschlandreiseNachdem unsere Deutschlandreise-Blogtour, die vom Blog Leckere Kekse organisiert wird, unter anderem in großen Städten wie Köln, Berlin oder München Halt gemacht hat, nehme ich Euch heute mit in meine Lieblingsstadt Erfurt, in der ich aufgewachsen bin. (Tourenstopps am Ende des Beitrages.)

Erfurt hatte das unglaubliche Glück, von einer Bombardierung im 2. Weltkrieg verschont zu bleiben, da zu dem geplanten Angriff bereits viele Amerikaner und Engländer in der Stadt waren. So ist der historische Kern noch wunderbar erhalten bzw. er wurde nach der Wende wieder instand gesetzt.

Erzaehlen
Lasst uns ein bisschen knetschen!

Für meinen Stadtbummel nehme ich den historischen Roman „Blaues Gold“ von Alice Frontzek als Leitfaden, denn immerhin ist dies hier ein Buchblog.
Wie die fahrenden Händler, die früher die Nachrichten in die Stadt brachten, nehme ich Platz auf einem der Vorsprünge in einem Hauseingang und begrüße euch zunächst mit einem typisch Erfurtschen „Wie ′enn?!“ und reise mit Euch in die Vergangenheit.

Erfurt im Roman „Blaues Gold“

waid erfurt
Waidpflanze

Der historische Roman von Alice Frontzek ist während des 30jährigen Krieges angesiedelt und „Blaues Gold“ bezeichnet die Färberpflanze Waid, die ab dem 12. Jahrhundert um Erfurt herum angebaut wurde und die Stadt als Waidhandelszentrum zu Reichtum und Macht verhalf. Durch den Import von Indigo ab dem 17. Jahrhundert verlor die Pflanze zusehends an Bedeutung.

Cover Blaues Gold
Cover © Sutton Verlag

In „Blaues Gold“ geht es um eine angesehene und altansässige Waidhändlerfamilie. Florian Seber, der erfolgreich und umsichtig das Waidgeschäft der Familie führt, heiratet eine junge italienische Kaufmannstochter. Als er bei einem Unfall ums Leben kommt, ist die schöne Caterina fortan auf sich selbst gestellt und muss sich als Frau in der Handelswelt behaupten, was die anderen Händler der Waidszunft mit Misstrauen beobachten. Eine ausführliche Buchbesprechung gab es bereits im Juli, heute möchte ich die Orte, die in dem Roman erwähnt werden, vorstellen.

Die Schauplätze

Domn und Severi
Dom und Severi

Da ist zunächst der Erfurter Dom St. Marien, der neben der Severikirche hoch oben über dem Domplatz thront, und zu dem 70 Stufen hinaufführen. Im 17. Jahrhundert und damit auch im Roman heißt der Domplatz noch „vor den Graden“, was von dem lateinischen Worten gradus für Stufen abgeleitet ist. Der Straßenabschnitt „An den Graden“ erinnert noch heute daran. Im Glockenturm des Erfurter Doms befindet sich übrigens mit der Gloriosa die größte freischwingende mittelalterliche Kirchenglocke der Welt.

hohe lilie
Zur Hohen Lilie

Von hier aus sieht man auch das Gasthaus „Zur hohen Lilie“, wo während des Dreißigjährigen Krieges der schwedische König Gustav Adolf abstieg. Im Roman ist er begeistert von Caterinas blauen Stoffen und stachelt somit noch mehr den Neid der anderen Waidhändler an, die selbst gern Hoflieferant gewesen wären.

rathaus
Rathaus

Die Waidhändler treffen sich im Rathaus oder auch im Ratskeller, um zu besprechen, wie sie der tüchtigen Caterina beikommen können. Das Rathaus steht auf dem Fischmarkt, der vom Domplatz aus durch die Marktstraße zu erreichen ist. Hier stehen auch prächtige Häuser wie das „Haus zum breiten Herd“ oder „Das Haus zum roten Ochsen“.

Die Wohnhäuser

Haus zum roten Ochsen Erfurt
Haus zum Roten Ochsen am Fischmarkt

Haus zum Sonneborn erfurt
Heute das Hochzeitshaus: Haus am Sonneborn

haus zum stockfisch erfurt
Haus zum Stockfisch in der Johannesstraße

Die sehr wohlhabenden Waidhändler des Romans leben in wundervollen Steinhäusern, die ihren Namen bis heute tragen. Früher hatte Erfurt keine Straßennamen und Adressen wurden mit dem Pfarrbezirk und dem Namen des Hauses angegeben. Die Waidhändler lebten unter anderem im „Haus am Sonneborn”, im „Haus zum roten Ochsen” und im „Haus zum Stockfisch”. Wer genau hinschaut, sieht neben den Toren kleine runde Löcher in den Wänden.

strohloch erfurt
Strohloch – Hier wurde gerade frisch gebraut

Man muss wissen, dass für den Gärvorgang des Waids Urin gebraucht wurde und mit Alkohol angereicherter Urin war besonders ergiebig. Also hatten die Waidhändler in streng festgelegter Reihenfolge das Brau- und Schankrecht und wenn es dann soweit war und Bier, die Erfurter Schlunze, ausgeschenkt wurde, so zeigte man dies mit einem Bündel Stroh in den Löchern an.

Waidbrunnen Erfurt
Waidbrunnen mit Bartholomäusturm

Der zentrale Platz Erfurts ist der Anger. Hier treffen sich heute die Straßenbahnlinien. Der östliche Teil des großen Platzes war früher dem Waidhandel vorbehalten. Hier verkaufte Caterina die Waidbälle, mit denen dann die Stoffe eingefärbt wurden. Von dieser Zeit zeugt heute der Waidbrunnen, rechts davon haben die Sebers ihren Verkaufsstand im Roman. Zur zeit Caterinas stand hier noch die Bartholomäuskirche, von der heute nur noch der Turm erhalten ist.

Die Krämerbrücke

kraemerbruecke erfurt
Krämerbrücke

Als es für Caterina in Erfurt mit dem Waidhandel immer enger wird, überlegt sie, einen kleinen Krämerladen auf der Krämerbrücke zu eröffnen. Die Krämerbrücke ist immer meine Lieblingssehenswürdigkeit gewesen und ich konnte sie früher sogar auf Russisch beschreiben. Das Besondere an dieser Brücke ist, dass sie mit Häusern bebaut ist und das sogar durchgehend.

Furt erfurt
Furt durch die Gera

Neben der Brücke befindet sich die Furt, die Erfurt ihren Namen gab. Denn früher nannten man den Fluss Gera „Erfes“ (schmutziges Wasser) und hier musste eben alles durch, was auf die andere Seite wollte – bis zum Bau der Krämerbrücke, die Teil der Via Regia war. Auch heute besteht die Krämerbrücke aus kleinen Läden, von denen ich zum Beispiel die Kinder- und Jugendbuchhandlung „Tintenherz“ empfehlen kann oder die Schokoladenmanufaktur Goldhelm, von der ich ein paar Fotos für das Interview mit Elisabeth Herrmann zu „Zartbittertod“ gemacht habe. Es ist auch empfehlenswert, das Stiftungshaus zu besuchen. Hier hat man die Möglichkeit, mal in einen der steinernen Brückenpfeiler zu steigen, denn diese wurden als Keller genutzt.

An dieser Stelle endet unser kleiner Stadtrundgang, auch wenn ich euch nur einen kleinen Ausschnitt zeigen konnte. Zu sehen und zu bestaunen gibt es natürlich sehr viel mehr. Vielleicht macht Ihr ja auch mal einen Stadtrundgang mithilfe eines historischen Romans – es eignet sich dafür auch „Der Hochzeitsring“ von Henry Köhlert – oder Ihr macht einfach eine der Stadtführungen mit.

Um euch ein bisschen was erzählen zu können und aus bloßer Neugier habe ich im Vorfeld der Blogtour mit meiner Tochter an einer sehr informativen Stadtführung der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH teilgenommen und hier auch viel Neues  und Interessantes über meine Heimatstadt erfahren. Danke an Monika Riedel-Leubauer, die nicht nur alle Fragen kompetent und mit Begeisterung für Erfurt beantwortet hat, sondern auch immer darauf achtete, dass trotz der Hitze keiner der Gäste verloren ging, die schnell mal ein Wasser kaufen wollten oder sich bei Goldhelm auf der Krämerbrücke mal eben ein Eis geholt haben. Sollte eine der Informationen hier nicht hundertprozentig korrekt sein, dann ist dies allein mir anzulasten.

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Das schöne Städtchen Schwäbisch Hall in Karinas Paradies
Natur im Ruhrgebiet bei Mobeads
Sylt bei up-type
Münchner Buchhandlungen auf dem lovelymix-blog

 

7 Kommentare

  1. Was für ein schöner Beitrag!
    Leider kenne ich Erfurt noch gar nicht. Eine abwechslungsreiche Stadt. Die Verbindung Buch mit Sehenswürdigkeiten ist sehr anschaulich. Vielleicht solltest du literarische Stadtführungen anbieten?
    Vielen Dank, dass du die Blogtour bereichert hast.
    Viele liebe Grüße
    Silvia

  2. Ein sehr schöner Beitrag ist das. Erfurt ist eine tolle Stadt. Unsere Tochter studiert da und so kenne ich Erfurt ein bisschen und eine Stadtführung haben wir auch schon gemacht. Die Bilder gefallen mir auch sehr gut und sehr schön hast du alles beschrieben.

    LG Marita

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