Claire Douglas: Missing – Niemand sagt die ganze Wahrheit [Rezension]

Cover Missing Douglas
Cover © Penguin

Francesca und Sophie wachsen in einer verschlafenen Kleinstadt am Meer auf. Die beiden sind unzertrennlich, verbringen gemeinsame Abende mit ihrer Clique auf dem alten Pier, trinken Dosenbier und tanzen zu Madonna. Und sie erzählen einander alles. Doch dann verschwindet Sophie eines Nachts spurlos. Zurück bleiben nur ihr Turnschuh am Pier und die Frage nach dem Warum. Achtzehn Jahre später wird dort eine Leiche angespült, und Francesca weiß, dass sie nach Hause zurückkehren und endlich Antworten finden muss. Darauf, was in dieser Nacht wirklich geschah. Denn niemand verschwindet einfach so. Ohne eine Spur. Und vor allem nicht ohne Grund… (Klappentext „Missing“ © Penguin)

„Man hat sie gefunden!“
Daniels Anruf kommt für Francesca aus heiterem Himmel. 18 Jahre ist es her, dass ihre beste Freundin Sophie verschwand. Nur ein Turnschuh lag noch auf dem alten Pier. Francesca reist sofort nach Oldcliffe-on-Sea, die kleine Küstenstadt, aus der sie damals floh und alles hinter sich ließ. Gemeinsam mit Sophies Bruder Daniel versucht sie herauszufinden, was damals geschah und die Vergangenheit wird wieder lebendig. Jeder hier erinnert sich an Francesca, sie ist wieder Frankie, wie damals als sie und Sophie unzertrennlich waren. Doch jemand scheint verhindern zu wollen, dass ans Tageslicht kommt, was an jenem Tag im September am Pier geschah. Frankie fühlt sich bedroht und die Schatten der Vergangenheit holen sie ein.

„Missing“, der erste ins Deutsche übersetzte Roman der Britin Claire Douglas, nimmt den Leser von der ersten Seite an gefangen. Während Francesca sich mit Daniel daran macht, Zeugen von früher zu befragen, beschäftigen sich ihre Gedanken unablässig mit ihrer Freundin Sophie und die Ereignisse in der kleinen Küstenstadt. Es ist eine besonders enge Freundschaft, die die beiden Mädchen hatten. Ganz klar ist, dass die hübschere Francesca immer den Ton angegeben hat. Die Bedrohung, der sich Francesca schon bald ausgesetzt sieht, ist gleichermaßen beängstigend wie surreal. Immer wieder glaubt sie, Sophie am Pier zu sehen, nachts hört sie ein Baby weinen und als sie Briefe auf der Fußmatte findet, würde sie am liebsten wieder abreisen.

„Missing“ zeichnet sich durch eine gut durchdachte Story und eine beklemmende Atmosphäre aus. Die Trostlosigkeit des im Winter vereinsamten Touristenorts ist greifbar und die Bewohner tragen alle ihr eigenes Päckchen. Es ist spannend zu sehen, was aus den Menschen von früher geworden ist und wie sie zu Frankie und Sophie standen. Gezwungen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, setzt sich Francesca auch erstmals mit sich selbst und ihrer Freundschaft zu Sophie auseinander. Durch einen zweiten Erzählstrang, der aus Tagebucheinträgen Sophies aus dem Jahr des Verschwindens besteht, bekommt man einen tieferen Einblick an die Ereignisse von damals. Sophies Stimme lässt ein wenig genauer hinter die Kulissen der Kleinstadt schauen.

Claire Douglas schreibt leicht und packend, so dass man durch die Seiten fliegen kann. Von Anfang an gelingt es ihr Spannung aufzubauen, und die Geschichte von Sophie und Francesca lässt einen kaum mehr los. Stück für Stück findet man heraus, was damals geschah und die Bedrohung, der sich Francesca ausgesetzt sieht, verschärft die Spannung noch einmal. Bald weiß man nicht mehr, wem sie eigentlich trauen kann. Manches ahnt man schon früh, doch fehlt immer noch ein bisschen, um das Ganze zu erfassen. Das Ende hat mich dann aber richtig überrascht und ich muss gestehen, ich liebe diesen Schluss. Besser hätte ich es mir gar nicht wünschen können.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, für die es ein bisschen mystisch sein darf und die Thriller mögen, bei denen nicht das Blut aus den Seiten tropft.

© Tintenhain


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Einzelband
Broschiert: 448 Seiten
Verlag: Penguin Verlag (11. Juni 2018)
Originaltitel: Local Girl Missing / The Pier (2016)
Übersetzung aus dem Englischen: Ivana Marinovic
ISBN-10: 3328101691
ISBN-13: 978-3328101697
Preis: € 13,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Missing Douglas
Cover © Penguin

4 Kommentare

  1. Moinsen!
    Dieser Moment, wenn die Namen der Personen eines Buches denen von Freunden & Bekannten im realen Leben entsprechen, die sich auch noch untereinander alle kennen. 😀
    Wenn ich nicht erstmal meinen SuB verkleinern wollen würde, hätte das Buch bestimmt Chancen, auf meine Wunschliste zu wandern. So habe ich aber erstmal nur meine Mitbewohnerin (wegen der Namen) auf die Geschichte aufmerksam gemacht.

    Liebe Grüße
    Seitenfetzer

    1. Das ist ja witzig, müsstet ihr dann eigentlich lesen. Ich mag es nicht besonders, wenn mein Name in Büchern vorkommt. Das verwirrt mich eher. 😀

      Liebe Grüße,
      Mona

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